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Ägypten

Menschenrechtler werfen Ägypten systematische Folter vor

Ägyptens Regierung hatte in der Vergangenheit allenfalls vereinzelte Folterungen von politischen Gefangenen durch Sicherheitskräfte bestätigt. Ein Bericht von Human Rights Watch zeigt dagegen ein viel größeres Ausmaß.

Die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch (HRW) wirft ägyptischen Sicherheitskräften schwere Folter von politischen Gefangenen vor. Diese sei in Ägypten weit verbreitet und werde systematisch angewandt, heißt es in ihrem aktuellen Bericht. Zu den Foltermethoden gehörten Schläge, Elektroschocks und manchmal auch Vergewaltigung. Wer sich der Folter schuldig mache, müsse nicht mit Strafe rechnen, kritisierte HRW weiter. Präsident Abdel Fattah al-Sisi habe der Polizei und dem nationalen Sicherheitsdienst "grünes Licht gegeben zu foltern, wann immer es ihnen gefällt", sagte HRW-Nahost-Direktor Joe Stork. "Straflosigkeit für die systematische Anwendung von Folter hat die Bürger ohne Hoffnung auf Gerechtigkeit zurückgelassen."

Gefesselt in schmerzhaften Positionen

Der 63 Seiten starke Bericht stützt sich unter anderem auf Aussagen von 19 ehemaligen Häftlingen. Sie berichten darin auch, wie sie über Stunden in schmerzhaften Positionen gefesselt worden seien. So würden Gefangene etwa mit den Armen hinter dem Rücken an den Händen aufgehängt. Insassen würden auch gezwungen, vorgefertigte Geständnisse abzulegen.

Seit dem Putsch gegen den frei gewählten Präsidenten Mohammed Mursi 2013 hätten die Behörden mindestens 60.000 Menschen festgenommen oder beschuldigt, erklärte HRW weiter. Tausende Zivilisten mussten sich vor Militärgerichten verantworten, hunderte seien zum Tode verurteilt worden. Ziel der Verfolgung seien vor allem die islamistischen Muslimbrüder. Diese sind in Ägypten als Terrororganisation eingestuft.

bri/djo (dpa, afp)