1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Globale Zusammenarbeit

Menschenrecht auf Wasser – und dann?

Was auf dem Papier garantiert wird, ist in der Praxis nicht leicht umzusetzen, wie Beispiele auf dem Weltwasserforum in Marseille zeigen.

Das Recht auf Wasser und sanitäre Anlagen wurde 2010 von den Vereinten Nationen als ein Menschenrecht anerkannt und in die Allgemeine Erklärung der Menschenrechte aufgenommen. Zwar ist die nicht völkerrechtlich verbindlich, dennoch haben zahlreiche Länder das Menschenrecht Wasser inzwischen in nationalen Regelwerken verankert. Doch was auf dem Papier gut aussieht, ist vielfach weit entfernt von der Realität. Immer noch haben 2,6 Millionen Menschen weltweit keinen oder nur unzureichenden Zugang zu Trinkwasser und Toiletten. Auf dem Weltwasserforum in Marseille diskutieren Experten aus verschiedenen Ländern darüber, was getan werden kann und muss, um das Menschenrecht auf Wasser auch Wirklichkeit werden zu lassen.

Menschenrecht auf Wasser - dazu gehört auch der Zugang zu sanitären Anlagen. BioToiletten - ein Beispiel für die Umsetzung des Menschenrechts auf Wasser und Zugang zu Sanitäranlagen. (Foto: DW/Monika Hoegen)

Die Ecolette - Ökotoiletten kommen ohne Wasser aus

ElisabethVargas ist die Direktorin der Nichtregierungsorganisation CIPRA (Centro de Investigación y promoción del campesinado) in Bolivien. Und sie weiß, dass Theorie und Praxis sehr oft auseinanderklaffen – selbst in ihrem Heimatland. "Ich denke, es ist sehr wichtig, dass wir das Recht auf Wasser nicht nur in unseren Gesetzen und in der Verfassung festschreiben", so Vargas. "Bolivien war einer der Vorreiter, als es darum ging, dass die Vereinten Nationen den Zugang zu Wasser als Menschenrecht anerkennen. Aber dann machen wir selber in Bolivien die Erfahrung, dass es nicht ausreicht, das als Gesetz zu formulieren. Es muss von Mechanismen begleitet werden, die die Umsetzung garantieren."

Entwicklungsgelder effizienter einsetzen

Dieser Ansicht ist auch Tobias Schmitz von der Organisation "Both Ends", die sich dem internationalen Netzwerk "Butterfly Effect" angeschlossen hat, das für das Menschenrecht auf Wasser kämpft. Zu allererst muss es auf internationaler politischer Ebene zu einem Umdenken kommen, so Schmitz. Denn immer noch flössen viel zu viele Entwicklungsgelder, sei es von Gebern oder nationalen Regierungen, in große, kapitalintensive Projekte mit zentralisierter Infrastruktur. Schmitz: "Das ist aber genau das Gegenteil von dem, was wir brauchen, um Armut zu bekämpfen."

Wasserhändler in Megacities, Mexiko, Trinkwasser in große Tanklastern wird an Slums verkauft (Foto: AP)

Wo das Trinkwasser knapp ist, muss der Verbrauch für Sanitäranlagen reduziert werden.

Außerdem, so Schmitz weiter, mangele es sowohl bei Gebern wie auch bei nationalen Regierungen an klaren finanziellen Zusagen für die Lösung des Wasserproblems. Vielleicht könnten nicht von heute auf morgen große Summen bereitgestellt werden, räumt Schmitz ein, aber: "Wir brauchen einen festen Etat um Wasser und sanitäre Anlagen zu finanzieren, auch wenn es nur auf niedrigem Niveau ist. Damit wir genau wissen, mit wie viel wir jeden Monat rechnen können."

Lokal angepasste Lösungen

Außerdem müssten Konzessions-Verträge, die vor Jahren mit privaten Wasserfirmen geschlossen wurden, neu geprüft und gegebenenfalls verändert werden – um festzustellen, ob sie mit dem Menschenrecht auf Wasser noch konform sind oder nicht. Auf lokaler Ebene ist es nach Ansicht aller Experten wichtig, dass die Lösungen für die Wasser- und Sanitärprobleme auch wirklich den Bedingungen vor Ort angepasst sind. Fabiola Garduno koordiniert für die Organisation FANMex Wasserprojekte in der mexikanischen Region Ecatepec de Morelos. Dort hatten die Schulen in vielen Dörfern zwar Toiletten mit Wasserspülung – aber kein Wasser. "Diese Schulen haben selbst entschieden, die Klos mit Wasserspülung abzuschaffen und stattdessen Kompost-Toiletten einzurichten", so Garduno.

Menschenrecht auf Wasser - dazu gehört auch der Zugang zu sanitären Anlagen. Komposttoiletten verbrauchen kein Trinkwasser - eine Lösung nicht nur für Entwicklungsländer. (Foto: DW/Monika Hoegen)

Auf dem Weltwasserforum wurden Komposttoiletten vorgestellt - eine Alternative auch für Industrienationen?

Daneben werde Regenwasser aufgefangen, um sauberes Trinkwasser zu erhalten. Wichtig ist bei all diesen Projekten die Aufklärung der Bevölkerung, so Garduno. "Wir machen viele Trainings, die die Eltern, die Lehrer, die Schuldirektoren und die regionalen Interessensgruppen einbeziehen. So können wir die Wasser- und Sanitärprobleme angehen, mit Lösungen die sich nach und nach anpassen und verbessern lassen."

Das Beispiel aus Mexiko, so hofft Garduno, könnte weltweit Schule machen. Die Kompost-Toiletten kann man übrigens als Besucher des Weltwasserforums in Marseille direkt ausprobieren. Nach Auskunft ihrer Hersteller wären sie auch was für die verwöhnten Besucher von Industrieländern – wertvolles Trinkwasser wird nicht mehr verschwendet, Kompost aus Urin und Fäkalien für den heimischen Garten gewonnen. Und gegen lästigen Geruch hilft eine Lage Holz, die auf die Exkremente geworfen wird. Eine – noch -ungewöhnliche Idee, die aber in Marseille durchaus schon fleißig genutzt wird.