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Aktuell Amerika

Menschenknochen auf "Colonia Dignidad"-Gelände ausgegraben

Bauarbeiter machten einen grausamen Fund: Bei Erdarbeiten auf dem Gelände der berüchtigten früheren Deutschen-Siedlung in Chile entdeckten sie menschliche Knochen. Ein Schädel soll ein Loch aufweisen.

Die menschlichen Überreste sind am Ufer des Flusses Itata auf dem Gelände des zur ehemaligen Sekten-Siedlung "Colonia Dignidad" gehörenden Restaurants ausgegraben worden. Das bestätigte ein Vertreter der chilenischen Staatsanwaltschaft. Der für die Ermittlungen zuständige Polizeichef von Bulnes, Claudio Ramos, hatte zuvor im Sender Radio Cooperativa mitgeteilt, man habe mehrere lange Knochen und das Stück eines Schädels sichergestellt.

Ob die Knochen von einem oder mehreren Menschen stammten, konnte Ramos zunächst nicht sagen. Auch zur Todesursache machte er keine Angaben. Allerdings scheine der Schädel ein Loch zu haben, hieß es weiter.

Auf dem mehr als 13.000 Hektar großen Gelände von "Colonia Dignidad" lebten zeitweise mehrere hundert deutsche Auswanderer und ihre Familienangehörigen. Der nach dem Zweiten Weltkrieg aus Deutschland geflohene frühere Wehrmachtsgefreite Paul Schäfer hatte die "Kolonie der Würde" - so die deutsche Übersetzung - Anfang der 1960er Jahre in einer Bergregion in Südchile mit 300 Getreuen gegründet.

Folterzentrum des Geheimdienstes

Geflüchtete Bewohner berichteten glaubwürdig, das weiträumige Gelände der Deutschen-Kolonie sei während der Militärdiktatur von Augusto Pinochet (1973-90) jahrzehntelang als Folterzentrum des chilenischen Geheimdienstes genutzt worden. Chilenen wurden dort gefangen gehalten und als Zwangsarbeiter eingesetzt. Es wurden verbrecherische, medizinische Versuche an Häftlingen vorgenommen. Kinder und Jugendliche wurden in der Sektengemeinschaft immer wieder sexuell missbraucht oder misshandelt.

2006 wurde Paul Schäfer wegen Mordes, sexuellen Missbrauchs und Folter zu einer 20-jährigen Haftstrafe verurteilt. 2010 starb er 88-jährig im Gefängnis von Santiago de Chile.

Die "Colonia Dignidad" besteht heute unter dem Namen "Villa Baviera" (Bayerisches Dorf). Etwa 280 Mitglieder der Gemeinschaft leben noch immer auf dem Gelände.

se/sti (afp, dpa)

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