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Deutschland

Menschenkette gegen Stuttgarter Bahnhofsbau

Mindestens 15.000 Menschen haben eine Menschenkette gegen das umstrittene Bahnprojekt "Stuttgart 21" gebildet. Mit Transparenten und Trillerpfeifen protestierten sie gegen den milliardenschweren Umbau des Hauptbahnhofs.

Die Projetkgegner bilden in Stuttgart eine Menschenkette (Foto: dpa)

Die Projetkgegner bilden eine Menschenkette

Schon seit Monaten demonstrieren die Gegner von "Stuttgart 21" immer wieder gegen das ambitionierte Bauprojekt in der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Am Freitag (13.08.2010) machten sie nun ihrem Unmut gegen die geplante Umwandlung des Kopfbahnhofes in eine unterirdische Durchgangsstation mit einer Menschenkette Luft. Die Aktion verlief nach Angaben der Polizei friedlich.

Am Morgen hatten die äußeren Abrissarbeiten am Hauptbahnhof begonnen, um Platz für den Bau des unterirdischen Durchgangsbahnhofs zu schaffen. Bagger rissen ein Vordach des Nordflügels nieder. Der Flügel soll binnen drei Monaten komplett beseitigt werden. Bisher war er nur entkernt worden. Die Polizei sicherte den Abriss mit rund 30 Beamten gegen einige wenige Protestierer.

Größtes Infrastrukturprojekt Europas

Auf die Menschenkette folgte ein Protestmarsch (Foto: dpa)

Auf die Menschenkette folgte ein Protestmarsch

Die Verlegung des Stuttgarter Bahnhofs unter die Erde sowie die damit verknüpfte neue Trasse nach Ulm und die Anbindung des Stuttgarter Flughafens gelten als das größte Infrastrukturprojekt Europas. Die Befürworter des Projekts erwarten kürzere Reisezeiten und rund 4000 neue Arbeitsplätze. Sie hoffen zudem auf bis zu acht Milliarden Euro Folgeinvestitionen, etwa wenn auf den rund hundert Hektar Gleisanlagen, die nun in bester innerstädtischer Lage abgerissen werden, neue Wohn- und Geschäftshäuser entstehen.

In der Bevölkerung ist das Bauvorhaben aber umstritten. Seit Monaten gibt es immer wieder Kundgebungen gegen das Projekt. Erst vor einer Woche hatten 12.000 Menschen in der Innenstadt an einem Protestmarsch teilgenommen. Die geplante neue Bahnstrecke nach Ulm soll zusammen mit dem neu gestalteten Hauptbahnhof im Jahr 2019 in Betrieb gehen.

Kostensteigerung sorgt für Unmut

Ein Modell des geplanten neuen Stuttgarter Hauptbahnhofs (Archivfoto 2006: AP)

So soll der neue Durchgangsbahnhof aussehen

Die Kritiker monieren unter anderem die steigenden Kosten des Vorhabens, die inzwischen mit 4,1 Milliarden Euro veranschlagt werden. Befürchtet werden zudem negative Effekte auf die Umwelt und den Nahverkehr. Die Gegner des Projekts machen sich für eine Modernisierung des Kopfbahnhofes stark. Sie wollen zunächst einen Baustopp erreichen und eine Bürgerbefragung durchsetzen.

Nach einer neuen Studie im Auftrag des Umweltbundesamtes könnten die Gesamtkosten des Projektes einschließlich der Trasse nach Ulm von sieben auf bis zu elf Milliarden Euro steigen. Der Autor der Studie, Michael Holzhey, kommt auch zu dem Schluss, dass beide Projekte verkehrstechnisch keinen Sinn haben und anderen wichtigeren Vorhaben Mittel entziehen. Das Umweltbundesamt hatte sich das Ergebnis der Studie nicht zu eigen gemacht. Weder das Bundesverkehrs- noch das Bundesumweltministerium äußerten sich zu der Studie. Bei der Bahn hieß es lediglich: "Wir beteiligen uns nicht an Spekulationen über Kostenexplosionen."

Baubefürworter geben nicht nach

Demonstranten protestieren gegen den offiziellen Baubeginn für das Bahnprojekt (Foto: AP)

Schon im Februar übten die Baugegner harsche Kritik

Landesverkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) warnte erneut vor einem Stopp von Stuttgart 21. "Wir glauben, dass es ein für die Zukunft des Landes ganz entscheidendes Infrastrukturprojekt ist - und deswegen fallen wir jetzt nicht um", sagte Gönner der Nachrichtenagentur dpa. Das Festhalten an den Plänen sei ein wichtiges Signal dafür, "das die Politik eben nicht immer nur von Wahl zu Wahl denkt".

Der Stuttgarter Oberbürgermeister Wolfgang Schuster lehnte ebenfalls einen vorläufigen Baustopp ab. Ein Moratorium sei "nicht denkbar", sagte er den "Stuttgarter Nachrichten". Schuster sagte, er nehme die Proteste gegen das umstrittene Projekt durchaus ernst. Die Gegner sollten allerdings nicht verkennen, dass es "an der demokratischen und rechtlichen Legitimität von "Stuttgart 21" keine Zweifel" gebe: Schließlich hätten sich die Parlamente "auf allen politischen Ebenen" für die Verlagerung des Bahnhofs unter die Erde entschieden.

Autor: Reinhard Kleber (dpa, afp, apn)
Redaktion: Stephan Stickelmann

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