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Kultur

Menschenblut am Schlachtermesser

Drei Jahre lang wurde vor Gericht über den Film gestritten, der eine unglaubliche Tat erzählt. Nun konnte der deutsch-amerikanische Horrorstreifen "Rohtenburg" doch noch in den deutschen Kinos anlaufen.

Thomas Kretschmann als Kannibale Oliver Hartwin in 'Rohtenburg' (Foto: Senator Film)

Gruselige Rolle: Thomas Kretschmann als Kannibale Oliver Hartwin in "Rohtenburg"

Düstere, beklemmende Räume, panische Menschen, blitzende Klingen und wahnsinnige Mörder: Zahllose Horrorfilme aus der US-Traumfabrik Hollywood weisen diese Ingredienzen auf. Je subtiler und perfider, umso mehr gruselt sich das Publikum bei den Kinoschockern. Einige der Trash- und Splattermovies basieren durchaus auf wahren Begebenheiten, in denen etwa Serienmörder Angst und Schrecken verbreiteten. Auch Thomas Harris' erfolgreicher Thriller "Das Schweigen der Lämmer" hatte einen realen amerikanischen Killer zum Vorbild. Die Figur des hochintelligenten, dabei aber ebenfalls perfiden Mörders und Kannibalen Hannibal Lecter, ist dagegen frei erfunden.

Armin Meiwes (Foto: AP)

Das Vorbild für den Film: Armin Meiwes (2003)

Ungeheuerliche Tat in der Provinz

Anders verhält es sich mit Oliver Hartwin, der Hauptfigur in Martin Weisz' Spielfilm "Rohtenburg": Sie folgt einem Fall, der 2001 in Deutschland für Entsetzen sorgte. Damals hatte der Computerspezialist Armin Meiwes einen Mann ermordet und Teile der Leiche später verspeist. Das Ganze geschah in dem kleinen hessischen Ort Rotenburg, weshalb der Mörder später als "Kannibale von Rotenburg" bekannt wurde. Meiwes lernte sein späteres Opfer in einem Kannibalen-Chatforum im Internet kennen; der Siemens-Angestellte Bernd Brandes hatte in einer Kontaktanzeige angeboten, sich verstümmeln zu lassen.

Kannibale als Popstar?

Der Fall fand weit über die Grenzen Deutschlands hinaus Beachtung. Zum Entsetzen kam gleichzeitig auch eine Art Faszination dazu, die durch zahlreiche Interviews Meiwes' genährt wurde. Darüber hinaus setzten sich in der folgenden Zeit zahlreiche Künstler mit dem "Kannibalen von Rotenburg" auseinander. Mehrere Bands der Death-Metal-Szene griffen das Thema ebenso auf wie Theatermacher, Satiriker oder Regisseure. Das Geschehen verarbeiteten gleich drei Horrorfilme. Bereits 2006 sollte Martin Weisz' Streifen 'Rohtenburg' - frei nach dem Namen des echten Tatortes - in die deutschen Kinos kommen; Armin Meiwes, der im selben Jahr zu lebenslanger Haft verurteilt wurde, klagte dagegen, weil er seine Persönlichkeitsrechte verletzt sah. Rund drei Jahre dauerte der Streit zwischen den Anwälten des Mörders und des Regisseurs. Nun hat das Bundesverfassungsgericht die Premiere des Filmes genehmigt - nicht zuletzt mit dem Hinweis darauf, dass Meiwes selbst unter anderem ein Buch über ihn autorisiert habe.

Autor: Klaus Gehrke
Redaktion: Thomas Grimmer

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