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Ostmitteleuropa

Menschen in Litauen

- Illusionen vom schnellen Wohlstand und Reichtum - Verbrechen und Korruption haben sprunghaft zugenommen

Köln, 8.10.2002, DW-radio, Petra Kohnen

Vilnius, die Hauptstadt von Litauen, hat sich in den vergangenen zehn Jahren stark verändert. Nein, es sind nicht nur die stilerhaltend restaurierten Fassaden der Altstadt. Das Stadtbild prägen vor allem dynamische junge Leute: Männer mit superkurz geschnittenen Haaren und nach der neuesten Mode gekleidete, ultrablonde junge Frauen. Die geben ihr Geld aus, sobald sie es verdient haben, sagt die junge Juristin Jurgita Pauzaite, denn in Zukunft kann es nur noch aufwärts gehen:

"Die Neue Generation hofft dass der Beitritt zur EU ihr schöne Sachen bringt und dass die jungen Leute ihren Platz dort leicht finden."

Aber längst nicht allen geht es gut. Besonders Ältere und Arbeitslose kämpfen ums tägliche Überleben. Auch für die jungen Leute auf dem Land gibt es kaum Zukunftsperspektiven, die halten sich mit Gelegenheitsjobs über Wasser, weiß die Redakteurin der Tageszeitung "Respublika", Violeta Mickeviciute, aus eigener Erfahrung:

"Ich habe auch selbst Verwandtschaften auf dem Dorf und die Menschen dort haben überhaupt keinen Job und selbst mein Cousin, er ist 27, er hat keinen Job, er sucht etwas Arbeit."

Das größte Problem bei der Modernisierung des Landes, unterstreicht IHK-Präsident Navickas, ist die Umstrukturierung der Landwirtschaft:

"In der schwierigsten Situation in Litauen befinden sich jetzt Leute, die wohnen im Dorf oder in der Landwirtschaft."

Litauen hat sich viel vorgenommen. Das nordosteuropäische Land will bis zum Jahr 2004 Mitglied der Europäischen Union werden. Der Wunsch des flächenmäßig größten der drei baltischen Staaten ist durchaus erfüllbar. Denn das nord-osteuropäische Land bereitet sich selbstbewusst und zielstrebig auf die neue Partnerschaft vor.

Von der Aufnahme in die EU kann Litauen nur profitieren, sagt der sozialdemokratische Ministerpräsident Algirdas Brazauskas mit Blick auf andere Länder:

"Wir konnten beobachten, was mit den Staaten passiert ist, die vor kurzem EU-Mitglied geworden sind. Ich meine damit Spanien, Portugal, Griechenland, Irland. Das waren ziemlich kleine Staaten, aber die haben einen sehr großen Fortschritt gemacht im wirtschaftlichen-sozialen Bereich."

Vor allem gut ausgebildete Litauer und Litauerinnen sehen in dem "Europa-Club" - wie sie sagen - Chancen für die eigene Nation. Zu ihnen gehört der junge Leiter des Referats Westeuropa im Litauischen Außenministerium, Algirdas Paleckis:

"Die politischen Vorteile sind, dass wir in einem Club sein werden, wo alle stabilen und auch reichen Staaten sind."

Mit der Demokratisierung und dem Weg in die EU verbinden noch immer viele Litauer die Illusion vom schnellen Wohlstand und Reichtum. Kestutis Petrauskis, Direktor des öffentlich-rechtlichen Rundfunks, charakterisiert seine Landsleute deshalb auch als Träumer:

"Ein typischer Litauer träumt, eine schöne Villa irgendwo am Ufer am Strand zu haben, mit einer guten Terrasse, mit einem guten Blick, eine Schönheit wie Claudia Schiffer als Frau zu haben und natürlich einen dicken Mercedes zu fahren und in der Garage noch Porsche zu haben."

Gegen schöne Träume kann man wirklich nichts einwenden. Die Universitätsdozentin Aurelia Usoniene hat allerdings etwas dagegen, wenn derartige Konsumgüter illegal erworben werden und die Litauer dadurch in Verruf geraten:

(Usoniene)) "Viele Leute haben Angst vor Litauern, wegen all dieser unschönen Taten in unterschiedlichen Ländern in Europa. Ich sehe Litauer nicht gerne als Mörder oder Mafiosi."

Seit der Abschaffung totalitärer Strukturen haben Verbrechen und Korruption sprunghaft zugenommen. Die Regierung bemüht sich nach Kräften, kriminelle Energien einzudämmen, entsprechende Gesetze sind verabschiedet, nur mit der Durchsetzung hapert es noch. (TS)

  • Datum 08.10.2002
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