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Musik

Mensch, Pazifistin, Folksängerin: Joan Baez ist 75

Joan Baez gilt als die "Königin des Folk". Sie selbst sieht sich aber lieber als Politikerin, denn sie war und ist eine musikalische Größe der Friedensbewegung und der Bürgerrechte. Am 9. Januar wurde sie 75 Jahre alt.

"Wenn ihr Etiketten braucht, dann wäre ich als erstes Mensch, als zweites Pazifistin und als drittes Folksängerin", hat Joan Baez einmal gesagt. Ein starkes Statement für eine Künstlerin, die ihren Weltruhm ihren ausdrucksstarken Songs verdankt. Für sie als Folksängerin begann alles 1959 beim Newport Festival, wo sie zum ersten Mal auf einer großen Bühne sang. Ihre erste LP erschien dann ein Jahr später, im Oktober 1960.

Eine Jugend mit Diskriminierung

Geboren wurde Joan Chandos Baez in Staten Island, New York. Ihre Mutter war schottische Lehrerin, der Vater ein mexikanischer Physiker, von dem sie auch den dunklen Teint und ihre schwarzen Haare erbte. Sie wurde aufgrund ihres Äußereren in ihrer Jugend häufig als "Nigger" beschimpft. Rassendiskriminierung, Bürgerrechte und ziviler Protest waren schon sehr früh wichtiger Bestandteil ihres Lebens.

1956 hörte sie zum ersten Mal eine Rede des jungen Baptistenpredigers Martin Luther King und probierte Akkorde auf ihrer ersten Gitarre.

Weltruhm als Protestsängerin

Eine USA-Tournee 1961 festigte ihren Ruf als Folksängerin. Im Verlauf der Tour lernte sie auch einen jungen, noch völlig unbekannten Folksänger kennen: Bob Dylan. Aus der künstlerischen Zusammenarbeit entstand auch eine private Beziehung. 1962 erschien dann eine Live-LP von Joan Baez und schaffte es bis in die Top Ten der amerikanischen Charts. Als sie 1963 beim Newport Festival auftrat, war Baez bereits einer der Top-Acts.

Joan Baez und Bob Dylan 1963 beim Marsch auf Washington

Joan Baez und Bob Dylan im Jahr 1963 beim Marsch auf Washington

Mit von der Partie auf der Bühne: Bob Dylan, dessen Karriere sie tatkräftig anschob. Sie übernahm und interpretierte einige seiner Songs. Ebenfalls 1963 trat Joan Baez beim berühmten Civil Rights March auf und sang zum ersten Mal ihr

"We Shall Overcome"

, das zukünftig ihr Markenzeichen werden sollte.

In den Jahren danach überflügelte der Ruhm Dylans den von Joan Baez. Ihre Beziehung ging in die Brüche. Dennoch war Baez ein gefeierter Star auf dem Woodstock Festival 1969.

Popkarriere als Politikforum

Zu jeder Phase ihrer Musikerkarriere hat es Joan Baez verstanden, ihre Bekanntheit zu nutzen, um ihr soziales Engagement zu befördern. Sie produzierte in den vergangenen Jahren weit weniger Platten als ihre Kollegen, dafür brachte sie mehr Energie für humanitäre Aktionen auf. 1972 beispielsweise sang sie in einem Luftschutzkeller in Hanoi mitten im Vietnamkrieg. 1985 eröffnete sie das legendäre Live-Aid-Konzert, und 1988 bestritt sie zusammen mit Konstantin Wecker und Mercedes Sosa eine Reihe Konzerte als "3 Voices".

Mit ihrem gesamten Schaffen hat sich Joan Baez stets

Statement für Menschenrechte und Frieden

eingesetzt. Heute finden eher Protestsongs wie "Black Rage" von Lauryn Hill, Alicia Keys' "We Gotta Pray" oder "Be Free" von Rapper J. Cole Gehör bei der jungen Generation. Diese neuerliche Entwicklung des musikalischen Protestes darf man aber getrost der historischen Bedeutung einer Joan Baez zuschreiben.

Zu ihren großen Hits gehören neben

"We Shall Overcome"

"The Night They Drove Old Dixie Down", "There But For Fortune" und "Swing Low". Ihr letztes Album "Diamantes" veröffentlichte sie 2015. Im Jahr 2011 bekam sie anlässlich des 50. Jubiläums der Menschenrechtsorganisation Amnesty International den nach ihr benannten Joan Baez Award.

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