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Reise

Mendig und der "Rock am Ring"

Dieses Jahr findet Deutschlands größtes Musikfestival "Rock am Ring" erstmals nicht am Nürburgring, sondern auf dem Flugplatz in Mendig statt. Wie bereitet sich das Eifel-Städtchen auf die Megaparty vor? Ein Ortsbesuch.

Nietengürtel hängen in den Schaufenstern, im Supermarkt wird das Sortiment mit reichlich Bier, Dosenravioli und Grillwürstchen aufgestockt und die örtliche Apotheke bietet ein "Survival-Paket" an. Die knapp 9000 Einwohner des Eifel-Städtchen Mendig rüsten sich für die Begegnung mit 90.000 Fans. Sie strömen in den kommenden Tagen zu "Rock am Ring" auf den ehemaligen Bundeswehrflugplatz in Mendig. Aber was es heißt, erstmals eines der größten Festivals vor der Türe zu haben, kann in Mendig so keiner so recht einschätzen.

Fans im Anmarsch

Bürgermeister Hans-Peter Ammel nennt den Zuschlag eine "ganz große Sahnehaube". Schon an diesem Mittwoch werden die ersten 40.000 Gäste in dem rheinland-pfälzischen Ort erwartet, am Donnerstag noch einmal so viele, der Rest am Freitag. Weil Mendig seine Einwohnerzahl kurzerhand verzehnfacht, schicken die umliegenden Gemeinden und Städte Verstärkung. Rund 300 Helfer vom Deutschen Roten Kreuz und etwa 600 Polizisten sollen Ammel zufolge im Einsatz sein.

Deutschland Musikfestival Rock am Ring 2011

Das Festival zieht um, die Fans kommen mit

Drei Jahrzehnte lang war das Festival am nur rund 30 Kilometer entfernten Nürburgring beheimatet. Nach dem Verkauf der Rennstrecke hatte sich Veranstalter Marek Lieberberg mit den neuen Besitzern aber nicht auf eine Zusammenarbeit einigen können - Nutznießer ist Mendig. Bei der 30. Auflage von "Rock am Ring" werden dort am Wochenende unter anderem die Foo Fighters und The Prodigy oder die Toten Hosen und Deichkind auf der Bühne stehen. Die Drei-Tageskarten sind schon seit langem ausverkauft. Nur noch Tagestickets sind verfügbar.

Einzelhandel im Festivalfieber

Die Stadt verspricht sich von dem Spektakel einen gehörigen wirtschaftlichen Nutzen. Eine bei einem Beratungsunternehmen in Auftrag gegebene Prognose sagt der Gemeinde eine Wertschöpfung von mehr als 2,8 Millionen Euro voraus.

Rock am Ring in Mendig Trinkflasche mit Rock am Ring Logo

Von der Trinkflasche bis zum T-Shirt - kein Mangel an Fankartikeln in Mendig

Der Geschäftsführer der Vulkan-Brauerei, Malte Tack, hat erstmals Dosenbier abfüllen lassen. Weil ihm die Lizenz für den Verkauf auf dem Festivalgelände zu teuer war, bietet er es zusammen mit anderen Mendiger Geschäftsleuten auf der großen Wiese vor dem Flugplatz an. "Es gibt viele Leute, die keine Tickets haben, aber ein bisschen Festival-Flair schnuppern möchten. Und die können bei uns die Musik komplett mithören."

Der Einzelhandel stockt Vorräte auf, bucht Aushilfen und grübelt über spezielle Angebote für Festival-Gäste nach. Der örtliche Supermarkt öffnet kurzerhand eine temporäre Filiale am Flugplatz - mit einem fangerechten Sortiment. Optiker Ulrich Rawert rätselt derweil wie sich seine Brillen mit Rock-Logo am besten verkaufen lassen. Und auch Franz-Josef Blum, der einen Tabakwarenladen betreibt, hofft auf kräftigen Umsatz. Er kann sich an nichts Vergleichbares in dem Ort erinnern.

Partyzone in der Provinz

Ein wenig erinnert Mendig an das schleswig-holsteinische Dorf Wacken, das jedes Jahr beim weltgrößten Heavy-Metal-Festival Zehntausende Fans empfängt. Aber: "Wacken ist über die Jahre gewachsen, der Handel ist mitgewachsen", sagt der Tabakhändler. Mendig dagegen bekomme ein fertiges Event vor die Tür gesetzt. "Von Null auf Hundert", so drückt es Bürgermeister Ammel aus.

Rock am Ring in Mendig Welcome

Mendig begrüßt 90.000 Fans zu einem heißen Festivalwochenende

Die Vorbereitungen begannen 2014 mit der Bewerbung um "Rock am Ring". "Die Mitarbeiter der Verwaltung mussten ein Jahr lang ackern, um all die 1000 Details zu klären." Mit Polizei, Sicherheitsdiensten und Behörden suchten sie etwa Platz für 30. 000 Autos, planten Zufahrtswege, stellten Sicherheitskonzepte auf, lockten Feldlerchen vom Flugplatz weg. Im Vergleich zu "Rock am Ring" seien alle bisherigen Veranstaltungen hier "Peanuts" gewesen, meint Sabine Schmickler in ihrer Tankstelle. Ob sie am Wochenende zum Schlafen kommt, steht in den Sternen. "Weiß keiner, was kütt", sagt sie. Ein paar Meter weiter sitzt Peter Netten in seinem Taxi auf dem Marktplatz: "Das ist sowas von Neuland für uns."

Mit Alltag rechnet Bürgermeister Ammel übrigens erst wieder am kommenden Dienstag. Aber nach dem Festival sei vor dem Festival. Veranstalter Lieberberg habe signalisiert: "Er will langfristig denken und bleiben."