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Musik

Melodien für Millionen- Das Jahrhundert des Schlagers

Entweder man mag ihn oder man mag ihn nicht, den deutschen Schlager. In der Musik gibt es nur wenige Genres, die derartig stark polarisieren. Das Haus der Geschichte in Bonn zeigt ein ganzes Jahrhundert des Schlagers.

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Bravo-Starschnitt von Freddy Quinn

Über 1000 Schlager können die Besucher auf einem chronologischen Rundgang an interaktiven Abhörstationen hören. Es gibt zahlreiche Exponate zu bestaunen: Von Caterina Valentes Gitarre bis zum gläsernen Flügel von Udo Jürgens. Alles ist verteilt auf mehrere Bühnen, die in Zeitabschnitte unterteilt sind. Die Ausstellung führt die Besucher durch ein Jahrhundert Schlagergeschichte und erzählt, wer und was hinter den oft belächelten Liedern steckt.

Austellung Melodien für Millionen - Das Jahrhundert des Schlagers im Haus der Geschichte

Prof. Dr. Hanno Sowade, Projektleiter der Ausstellung

"Als Haus der Geschichte wollen wir beides zeigen: Einmal die Showbühne, wo der Star sich präsentiert, und die Zuschauer, zu denen der Sänger seine Emotionen transportiert", sagt Hanno Sowade, Projektleiter der Ausstellung. "Dann wollen wir aber genauso die Hintergründe des Schlagers präsentieren. Auch in seinen technischen Entwicklungen vom Grammophon über den Tonfilm und das Radio."

"Liebling, mein Herz lässt dich grüßen"

Unseren Rundgang beginnen wir im Zeitabschnitt Weimarer Republik. Hier erfahren wir, wie wichtig Schallplatte und Radio für die Verbreitung der Schlager waren. Außerdem, dass Gesellschaft und Zeitgeist die Themen der Schlager beeinflussten, wie zum Beispiel die Wirtschaftskrise in den 1920er Jahren.

Die ersten richtigen Schlagerstars bringt der Tonfilm hervor, denn er verhilft dem Schlager zu einem Gesicht. 1930 kommt der Film "Die drei von der Tankstelle" in die Kinos. Der Komponist Werner Richard Heymann und der Texter Robert Gilbert schreiben für ihn das Lied "Liebling, mein Herz lässt dich grüßen." Gesungen wird der Evergreen von Lilian Harvey und Willy Fritsch, dem Traumpaar des deutschen Tonfilms. Mit der Machtübernahme der Nationalsozialisten müssen Komponist und Texter Deutschland verlassen. Jüdische Autoren werden verfolgt und die Nationalsozialisten versuchen eigene, "artgemäße" Musik durchzusetzten. Und schon haben wir die zweite Bühne erreicht.

"Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen"

Bildgalerie Zarah Leander 100 Jahre Filmszene Bild 6

Zarah Leander in "Die Grosse Liebe"

Viele Stars lassen sich von den Nationalsozialisten einnehmen und gleichschalten. Sie spielen in Filmen mit, die zur NS-Propaganda benutzt werden. Dann werden Filme gedreht, die vom 2. Weltkrieg ablenken sollen. Der Schauspieler Heinz Rühmann lässt sich auf Druck von Joseph Goebbels von seiner jüdischen Ehefrau scheiden, und die schwedische Künstlerin Zarah Leander singt 1942 im Ufa-Streifen "Die große Liebe" das Lied "Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehen." Die Musik stammt von Michael Jary und der Text aus der Feder von Bruno Balz.

Bruno Balz wird im 3. Reich aufgrund seiner Homosexualität verfolgt. 1941 ist er wieder in Gestapo-Haft. Hanno Sowade erzählt über Zarah Leander, was nur wenige wissen: "Auf Intervention von Zarah Leander und dem Komponisten Michael Jary wurde Bruno Balz aus Gestapo-Haft entlassen. Die beiden haben gegenüber Goebbels argumentiert, sie bräuchten für den Schlagerfilm 'Die Große Liebe' ihren Textdichter Bruno Balz. Sie haben ihn dadurch aus Gestapo-Haft und sicher auch vor dem Tode gerettet."

Lesen Sie weiter: Von sozialistischen Schlagern in der DDR und der ZDF-Hitparade...

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