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Kultur

Meldas Leben zwischen Moschee und Minirock

Leben wie man will. Für viele Deutsch-Türkinnen ist das nicht selbstverständlich. Melda Akbas hat ein Buch darüber geschrieben. Ein Verkaufsschlager, der das Verhältnis zu ihren Eltern änderte.

Vier Frauen in Miniröcken (Foto: dpa)

Meldas Buch ist ein Erfolg. Mehr als 70 Lesungen hat die 19 Jahre alte Autorin in den vergangenen Monaten gegeben. Und dabei immer und immer wieder eigentlich nur aus ihrem Leben erzählt. Denn nichts anderes steckt in ihrem Buch "So wie ich will. Mein Leben zwischen Moschee und Minirock".

"Ich heiße Melda, ein etwas seltsamer Name, ich weiß. Ich bin Türkin, deshalb. Der Name bedeutet so viel wie 'jung', 'grazil', 'fein' oder auch 'frisch'. Ich finde, das passt alles wunderbar zu mir." Mit den ersten Sätzen aus ihrem Buch stellt sich Melda Akbas dem Publikum gerne vor. Dabei wirkt sie kein bisschen aufgeregt. "Ich mache die Dinge, die mir Spaß machen und ich finde das eigentlich immer ganz schön", sagt sie. Vor allem, wenn sie sehe, dass ihr Buch zu Diskussionen anrege.

Vorbild mit Geheimnissen

Buchcover So wie ich will von Melda Akbas (Foto: C. Bertelsmann)

Im Mai vergangen Jahres kam es heraus. Da hatte Melda gerade ihr Abitur gemacht. Seitdem ist sie viel unterwegs. Sie hält Lesungen, gibt Interviews. Eigentlich möchte Melda im Herbst mit dem Studium anfangen. Sie interessiert sich für Europäisches Recht. Aber der Verlag will die Lesereise verlängern. Vor dem Tisch, an dem Melda sitzt, stehen nach der Lesung im Hamburger Thalia Theater in der Gußstraße einige Gäste und bitten sie, ihr Buch zu signieren. Melda lächelt und gibt zu, dass sie das von Anfang an gerne gemacht habe.

Eine türkische Journalistin, die für die Tageszeitung "Türkiye" schreibt, stellt ihr einige Fragen, kurz darauf steht Melda zwischen zwei gleichaltrigen Schülerinnen, die sich mit ihr fotografieren lassen. Gelassen legt sie ihnen die Arme um die Hüften. Für diese Mädchen, die ebenfalls aus muslimischen Familien stammen, ist Melda Akbas so etwas wie ein Vorbild. Sie traut sich, offen über das Leben in ihrer Familie, das Leben als Tochter türkischstämmiger Eltern in Deutschland zu schreiben. Wie sie gegen den Widerstand ihrer muslimischen Eltern oft ihren Willen durchsetzt. Aber auch, was sie vor ihnen lieber verheimlicht, etwa ihren ersten Kuss oder dass sie auch Alkohol trinkt.

Autorin Melda Akbas (Foto: DW)

Melda wächst in Berlin auf. Ihre Mutter arbeitet als Erzieherin, ihr Vater in einem Restaurant. Sie engagiert sich in ihrer Freizeit als Schülersprecherin und im Bezirksschülerausschuss. Außerdem arbeitet sie an einem Projekt mit, das Migrantenkinder zu mehr Engagement an ihren Schulen motivieren soll. "Mein Hobby war eigentlich immer Engagement, so bitter das klingt", sagt sie und lacht dabei. Eingemummelt in eine blaue Wollmütze, einen dicken Schal und schwarzen Mantel bummelt die zierliche, junge Frau durch das Hamburger Szeneviertel Ottensen. Hier lebt Melda seit einem guten viertel Jahr in einer kleinen Altbauwohnung - ganz für sich allein.

Neues Leben nach dem Buch

Ihre Mutter habe das Buch gleich dreimal hintereinander gelesen, ihr Vater habe es bis heute nicht angerührt. "Mein Papa hat für sich schon einen sehr großen Schritt gemacht, als er gesagt hat, ich stehe hinter dir und mir ist es egal, was andere über dich sagen", versucht sie das Verhalten ihres Vaters zu verstehen. Er habe sie immerhin nicht verstoßen. "Es ist für ihn sehr schwierig, das zu begreifen und das in seine Weltordnung zu bekommen." Damit habe er genug zu kämpfen. Ihre Mutter könne anders damit umgehen. Immerhin kenne sie solche Geschichten schon eher. "Sie ist direkt mit mir ins Gespräch gegangen und hat auch mit mir gestritten", sagt Melda Akbas.

Auch dass ihre Tochter ausziehen will, erfahren die Eltern am Ende des Buches. Sie habe sich das schon so ewig vorgenommen. Es habe aber kaum noch etwas mit Rebellion zu tun gehabt, so Melda. "Ich brauchte Platz, die Hälfte des Zimmers war echt klein, das ging einfach nicht mehr." Ihre Eltern wollten nicht, dass sie auszieht, es gab Streit. "Sie fragten, warum bleibst du nicht hier, wir schmeißen lieber deinen Bruder raus, als das wir dich gehen lassen." Doch am Ende hat sich Melda, mal wieder, durchgesetzt. "Ich glaube man muss sich dann ein bisschen trauen", sagt sie und es klingt wie ein Appell.

Autorin: Janine Albrecht

Redaktion: Marlis Schaum