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Asien

Melamin-Skandal in China schlimmer als befürchtet

Der Skandal um verseuchtes Milchpulver in China weitet sich aus. Die Zahl der Melamin-Opfer liegt mehr als fünf Mal so hoch wie bisher bekannt. In Deutschland ist verunreinigtes Backmittel aus China entdeckt worden.

Ein Baby mit Melamin-Vergiftung wird in einer Klinik in Lanzhou behandelt (Quelle: AP)

Ein Baby mit Melamin-Vergiftung wird in einer Klinik in Lanzhou behandelt

Der Skandal um verseuchtes Milchpulver in China weitet sich aus. Die Zahl der Melamin-Opfer liegt mehr als fünf Mal so hoch wie bisher bekannt. Das Gesundheitsministerium in Peking teilte am Dienstag (02.12.2008) mit, die Kontamination des Milchpulvers mit der Chemikalie Melamin sei offenbar insgesamt für die Erkrankung von 294.000 Säuglingen verantwortlich. Sechs Babys seien gestorben. Mit der Gesamtzahl ging das Ministerium um mehr als das Fünffache über bisherige offizielle Angaben hinaus. Zuletzt war von drei Toten und rund 52.000 Erkrankten die Rede gewesen.

154 Kinder in kritischem Zustand

Noch immer lägen 861 Kinder mit Nierenproblemen im Krankenhaus, erklärte das Ministerium. Davon seien 154 in einem schlechten, aber stabilen Zustand. Meist hätten sich bei den Säuglingen nach dem Verzehr der vergifteten Milch Nierensteine gebildet.

Höhere Eiweißgehalt vorgetäuscht

Den Milchlieferanten wird vorgeworfen, die Milch mit Wasser gestreckt und dann mit Melamin versetzt zu haben, um ihre Profitmarge zu erhöhen. Das Melamin, das in der Industrie als Bindemittel eingesetzt wird, täuscht einen höheren Proteingehalt vor und damit eine bessere Qualität von verwässerter Milch. Der Zusatz von Melamin war in der chinesischen Milchindustrie weit verbreitet. Mit der Chemikalie wurde auch Viehfutter künstlich "aufgebessert", so dass der Stoff in die Nahrungskette gelangte und selbst in Eiern und Eiprodukten entdeckt wurde.

Melamin ist eine chemische Stickstoffverbindung, die vor allem zur Produktion von Kunstharz verwendet wird, den sogenannten Melamin-Harzen. Auch in Farben und Lacken ist Melamin enthalten.

Der chinesische Gesandte Chen und Taiwans Präsident Ma unterzeichneten mehrere Verträge (Quelle: AP)

Der chinesische Gesandte Chen und Taiwans Präsident Ma unterzeichneten mehrere Verträge

Der weiße, staubförmige Stoff wurde 1834 erstmals von dem deutschen Chemiker Justus von Liebig hergestellt. Heute wird er in kommerziellem Maßstab aus Harnstoff gewonnen. Wegen der möglichen Gesundheitsgefährdung ist es in Deutschland verboten, Melamin mit Lebensmitteln, Futtermitteln und Medikamenten zu lagern.

Verständigung mit Taiwan

Der Skandal hat zeitweise auch die Beziehungen Chinas zu Taiwan belastet, nachdem auch in Taiwan durch verseuchtes Milchpulver aus der Volksrepublik mindestens vier Menschen, unter ihnen drei Kinder, erkrankten.

Der chinesische Gesandte Chen und Taiwans Präsident Ma unterzeichneten mehrere Verträge

Ist vielleicht doch verunreinigtes Hirschhornsalz in Lebkuchenprodukte gelangt?

Anfang November legten China und Taiwan den Konflikt jedoch bei und schlossen einen Vertrag über die Zusammenarbeit bei der Lebensmittelsicherheit.

Melamin auch in Hirschhornsalz

Unterdessen wurde in Baden-Württemberg der gesundheitsschädigende Stoff auch in Hirschhornsalz aus China entdeckt, das gern als Backtriebmittel für Lebkuchen und "Pfeffernüsse" verwendet wird. Das Verbraucherministerium in Stuttgart teilte mit, es seien 28 Hirschhornsalz-Proben untersucht worden. Sieben Proben aus fünf unterschiedlichen Chargen entsprachen dabei nicht den Reinheitsanforderungen nach dem Lebensmittelrecht. Die beanstandete Ware sei nicht mehr im Umlauf. Derzeit würden die vollständigen Lieferwege ermittelt. Für die Verbraucher bestehe keine Gesundheitsgefahr, so das Ministerium. (kle)

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