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Nahost

Mekka im Schatten von Ebola

Der Hadsch hat begonnen, die große Pilgerfahrt nach Mekka. Aus dem Westen Afrikas jedoch sind diesmal weniger Muslime an den für sie heiligen Ort nach Saudi-Arabien gereist. Grund: die Angst vor dem Ebola-Virus.

Die Straßen sind voll von Menschen in Mekka. Mittendrin: Elias Ismail. Der junge Mann ist aus Malaysia in die saudische Stadt gepilgert, um beim Hadsch dabei zu sein. Doch so ganz in das religiöse Erlebnis eintauchen kann Ismail nicht. Er hat einen Atemschutz vor dem Mund. "Ich trage diese Maske aus Gesundheitsgründen", sagte Ismail einem AP-Reporter. "Natürlich haben wir von der Ebola-Epidemie in afrikanischen Ländern gehört und deshalb will ich mich schützen. Ich habe Angst vor diesem Ebola-Virus."

Zur großen Pilgerfahrt besuchen auch dieses Jahr bis zu drei Millionen Menschen die Stätten rund um Mekka, die den Muslimen heilig sind. Millionen Menschen auf engem Raum - da besteht immer auch die Gefahr, dass sich Krankheiten schnell ausbreiten.

In Mekka drängen sich die Gläubigen - Foto: Yahya Arhab (EPA)

Menschengedränge in Mekka: Gefahr, dass sich Krankheiten schnell ausbreiten

Die Weltgesundheitsorganisation WHO warnt insbesondere vor der Ansteckung mit dem MERS-Virus, das die Atemwege angreift und tödlich enden kann. Doch auch beim Hadsch steht jetzt Ebola im Zentrum des öffentlichen Interesses: eine Krankheit, an der in Westafrika mehr als 3000 Menschen gestorben sind und die sich über den Kontakt mit Körperflüssigkeiten von Erkrankten verbreitet.

Schutz - so Gott will

Bis jetzt habe es in Saudi-Arabien jedoch noch keinen Ebola-Fall gegeben, sagt Manal Mansour. Die Ärztin ist am Al-Nur-Hospital in Mekka für die Eindämmung von Infektionskrankheiten zuständig. Dort ist eine Isolierstation für mögliche Ebola-Patienten eingerichtet worden. "Das Gesundheitsministerium versucht mit allen nötigen Maßnahmen, die Seuche abzuwehren, so Gott will." Vor allem während der großen Pilgerfahrt sei das nötig. Dazu wird - laut Mansour - mit der Weltgesundheitsorganisation und mit unserer Klinik eng zusammengearbeitet.

Ebola-Opfer in Liberia - Foto: Ahmed Jallanzo (EPA)

Bergung eines Ebola-Opfers in Liberia: Bereits mehr 3000 Tote in Westafrika

Die saudischen Behörden haben zudem entschieden, keine Pilger aus den Ebola-Gebieten ins Land zu lassen. Sie lehnten die Visa-Anträge von 7000 Pilgern aus Liberia, Sierra Leone und Guinea ab. Das hat zu viel Unmut bei den Menschen geführt, die oft ihr Leben lang sparen, um einmal nach Mekka zu reisen. Doch deren Protest nutzte nichts. Saudi-Arabien lehnte auch den Vorschlag der sierra-leonischen Regierung ab, jeden einzelnen Pilger vor der Abreise auf Ebola zu testen.

Mamadou Diallo wollte in diesem Jahr seine erste Pilgerfahrt nach Mekka antreten. Doch für den 53-jährigen Guineer wird dieser Traum nicht in Erfüllung gehen. "Wir haben sogar versucht, eine Einreise über die Nachbarländer Saudi-Arabiens zu organisieren", so Diallo im Gespräch mit der DW. "Aber mit dem guineischen Pass geht das nicht. Das macht uns schwer zu schaffen."

Nächstes Jahr in Mekka?

Der nationale Rat der Muslime Liberias hatte die Entscheidung dagegen als "den Willen des Propheten Mohammeds" begrüßt. Auf diese Weise würden Muslime aus aller Welt vor Ansteckung geschützt. Nur etwa jeder zehnte Liberianer ist Moslem. In Sierra Leone und Guinea hingegen ist eine große Bevölkerungsmehrheit muslimischen Glaubens. "Wir hoffen, dass diese Krankheit in unseren Ländern bis zum nächsten Jahr völlig besiegt ist", sagt Diallo. "Und dann bereiten wir uns ganz konsequent auf die Pilgerfahrt vor. Wenn das allerdings noch ein Jahr so geht, das wäre schlimm für uns."

Mehr Glück hatten die Gläubigen aus Nigeria, dem westafrikanischen Land, das die Ebola-Epidemie bislang gut unter Kontrolle hat. 76.000 nigerianische Pilger konnten schon im September nach Mekka reisen. In einem speziell eingerichteten Bereich des Flughafens von Lagos musste jeder einzelne von ihnen drei Gesundheitschecks absolvieren. Dann erst konnten die Pilger die Flugzeuge nach Saudi-Arabien besteigen.

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