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Politik

"Meist schlecht informiert"

Dass die Opposition auf Bush einhämmert, ist zu erwarten, besonders in einem Präsidentschaftswahlkampf. Groß sind die Überraschung und der angerichtete Schaden hingegen, wenn die Kritik aus den eigenen Reihen kommt.

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Die Vorstellung von George W. Bush als einem blöden, faulen Kid aus reichem Hause, sei nicht ganz zutreffend, meinte sein ehemaliger Beauftragter für Terrorismusbekämpfung, Richard Clarke in seinem neuen Bush "Against All Enemies". Das war aber so ziemlich das Beste was der Autor über seinen einstigen Dienstherren zu sagen hatte. Bush sei ein ergebnisorientierter Mensch, der simple Lösungen für komplexe Probleme bevorzuge. Clark beschreibt eine Begegnung mit dem Präsidenten unmittelbar nach den Anschlägen am 11. September 2001. Bush habe ihn beauftragt, die heiße Spur nach Bagdad zu suchen. Trotz aller Beteuerungen von Clarke und Kollegen der Geheimdienste, das El Kaida hinter den Attacken stecke, glaubte der Präsident felsenfest an die "Iraqi Connection". Sie war von Anfang an eine Besessenheit, die vor allem von den beiden ranghöchsten Zivilisten im Pentagon, Donald Rumsfeld und Paul Wolfowitz geschürt wurde, schreibt Clarke.

Töricht und unverantwortlich

Verteidigungsminister Rumsfeld habe die Luftangriffsziele in Afghanistan als ungeeignet beschrieben und schlug vor, lieber gleich Bagdad zu bombardieren. Spätestens da sei Clarke bewusst geworden, dass der Kriegsrat des Präsidenten nicht nur töricht, sondern unverantwortlich handele.

Was den früheren Mitarbeiter des Weißen Hauses am meisten irritiert, ist folgendes: George W. Bush habe vor dem Anschlag wiederholte Warnungen, El Kaida plane Angriffe gegen die USA, in den Wind geschlagen. Nach den Anschlägen habe er dann aber gleich politisches Kapital aus der Katastrophe geschlagen, indem er sich als resoluter Kriegspräsident feiern ließ. Was Bush unmittelbar nach dem 11. September tat, war das Unvermeidliche, schreibt Clarke, das wäre jedem Praktikanten eingefallen. Sehr schnell sei dann aber wieder der Irak ins Fadenkreuz geraten. Der Irak-Krieg, so Clarke, sei unnötig und kostspielig gewesen, er habe den Terrorismus nicht bekämpft, sondern terroristischen Bewegungen rund um die Welt neue Nahrung gegeben.

"Meist schlecht informiert"

Clarke ist nicht der erste Mitarbeiter der Bush-Regierung, der aus dem Nähkästchen plaudert. Im Januar 2004 hatte der frühere Finanzminister Paul O'Neill die Irak-Besessenheit der Regierung angeprangert und den Präsidenten als "meist schlecht informiert" geschildert. Aber die Erzählungen des Terrorismusberaters Richard Clarke geben zum ersten Mal detaillierte Einsichten in die Denkweise des Kriegsrates im Weißen Haus.


Das Buch hat den Präsidenten, der sich im Wahlkampf gern als Krisenbewältiger mit starker Hand darstellt, arg in Verlegenheit gebracht. Auch der Zeitpunkt kommt für den Präsidenten denkbar ungelegen, denn für Dienstag und Mittwoch (22./23.3.2004) sind im Kongress die Anhörungen zur Reaktion der Regierung auf den 11. September angesetzt.

Mehr als das Buch "verleumderisch, eigennützig und politisch motiviert" zu nennen, ist dem Weißen Haus aber bisher noch nicht eingefallen. Richard Clarke hatte zuvor schon die Präsidenten Ronald Reagan, George W. Bush senior und Bill Clinton beraten. Sie alle kriegen in dem Buch ihr Fett ab. Doch niemand wird derart bissig kritisiert wie George W. Bush.