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Politik

Meinungsverschiedenheiten ausräumen

Nach den Anschlägen in Istanbul ist der gemeinsame Kampf gegen Terrorismus das oberstes Ziel. Ein Kommentar von Miodrag Soric.

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Was stärkt, sind Siege. Jede Bombe, die in Istanbul, in Bagdad, in Riad oder in Jerusalem Menschen zerfetzt, ist in den Augen der Islamisten ein Sieg gegen den Westen. Jeder Börsen-Crash, der auf ein Attentat folgt, ist für die Anhänger der Al Kaida ein Grund zum Triumph.

Jeder Tourist, der nach den jüngsten Anschlägen Länder wie die Türkei nicht mehr bereist, unterstützt - ungewollt - jene, die Hass und Unversöhnlichkeit predigen. Jedes muslimische Land, dem es nicht gelingt, den Demokratisierungsprozess zu fördern, droht letztlich zum Opfer dumpf-fundamentalistischer Glaubens-Eiferer zu werden.

Dem Terror nicht nachgeben

Weil das so ist, dürfen die USA und ihre Verbündeten der Gewalt nicht weichen: nicht in der Türkei, nicht im Irak und auch nicht im Nahen Osten. Es kann keinen Kompromiss zwischen Demokraten und engstirnigen Fundamentalisten geben. Es ist unmöglich, zwischen denjenigen zu schlichten, welche die Würde des Einzelnen verteidigen und denjenigen, die mit Bomben unschuldige Kinder, Frauen und Männer morden. Beide Lager stehen einander unversöhnlich gegenüber.

In den vergangenen Monaten war das demokratische Lager geschwächt, weil gespalten. Mehrere europäische Staaten, darunter Deutschland, Frankreich und Russland, lehnten den Irak-Krieg ab. Andere Länder, darunter Großbritannien, unterstützten hingegen den militärischen Kurs des amerikanischen Präsidenten George W. Bush. Die Briten
zahlen jetzt für ihre Gefolgschaft einen hohen Preis. Während Bush und Tony Blair in London bei Empfängen eine gute Figur zu machen versuchen, reißen Selbstmord-Attentäter vor britischen Einrichtungen in Istanbul Dutzende von Menschen mit in den Tod.

Gefährlicher den je

Es sind vor allem die Fernsehbilder aus der Türkei, die um die Welt gehen, nicht die repräsentativen Bilder vom Staatsbesuch des amerikanischen Präsidenten in London. Die Vermutung liegt nahe, dass hinter dem Anschlag die Al Kaida und mit ihr verbundene Organisationen wie die Ansar al-Islam stecken. Al Kaida ist keineswegs geschwächt. Im Gegenteil: Das Terrornetzwerk scheint gefährlicher denn je.

Höchste Zeit, dass die zivilisierten, demokratischen Staaten ihre Streitigkeiten beilegen. Nur gemeinsam können sie dem Terror die Stirn bieten. In ein paar Jahrzehnten mögen Historiker einen akademischen Disput darüber führen, wer im Kampf gegen den Terror die richtigen Entscheidungen traf. Sollen sie dann intellektuelle Gymnastik betreiben, ob es richtig war, in den Irak einzumarschieren oder nicht. Jetzt gilt es, gemeinsam zu handeln: im Irak, in Afghanistan, im Nahen Osten, in den zentralasiatischen GUS-Staaten oder auch in Indonesien. Schließlich gewinnen in vielen dieser Staaten Islamisten immer mehr an Einfluss.

Bis zum 11. September 2001 verharrte der Westen in Agonie. Zwar war der Kalte Krieg gewonnen. Doch der Demokratisierungsprozess macht weltweit - etwa in den früheren Sowjet-Republiken - kaum Fortschritte. Der Zusammenbruch von Diktaturen bedeutet eben nicht zwangsläufig, dass demokratische Verhältnisse herrschen. Auch im Irak wird der Westen Strategien für das "Nation building" aufzeigen müssen. Politische Veränderung braucht Zeit.