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Deutschland

Meinungsforscher: "Deutsche gegen Auseinanderfallen der EU"

Deutsche votieren gegen den Brexit: Die überwiegende Mehrheit wünscht sich, dass Großbritannien nicht aus der EU ausscheidet. Das Ergebnis ist klarer als erwartet, sagt infratest dimap-Chef Michael Kunert der DW.

Deutsche Welle: Herr Kunert, haben Sie diese Umfrageergebnisse so erwartet oder finden Sie daran etwas überraschend?

Michael Kunert: Ich war schon etwas überrascht über die Deutlichkeit, mit der sich eine ganz überwiegende Mehrheit für den Verbleib Großbritanniens in der EU ausgesprochen hat. Das hatte ich so deutlich nicht erwartet, weil ja Europa-skeptische Töne weit verbreitet sind.

Welche interessanten Differenzierungen gibt es denn, zum Beispiel nach Parteien, Einkommen oder Regionen?

Die Unterschiede sind relativ gering. Der Wunsch, dass Großbritannien nach wie vor in der EU bleibt, ist in allen relevanten Teilgruppen hoch. Es gibt leichte Unterschiede: Bei den Jüngeren, bei den etwas besser Gebildeten, da ist dieser Wunsch etwas größer, und auch bei denen, die finanziell besser dastehen, die ein höheres Einkommen haben.

Die Briten gelten ja als ewige Nörgler, die immer Extrawürste haben wollen. Manche sagen: "Sollen sie doch gehen, ist uns egal." Sehen Sie Gründe dafür, dass eine große Mehrheit die Briten weiter dabeihaben will?

Michael Kunert, Geschäftsführer infratest dimap (Foto: Ausserhofer)

infratest dimap-Chef Kunert: Deutsche wollen EU zusammenhalten

Ein Grund ist mit Sicherheit, dass etwa ein Drittel der Befragten erwartet, dass es finanzielle Folgen für die restliche EU haben würde, wenn Großbritannien ausscheidet. Und wenn man das erwartet, dann ist es natürlich so, dass man sich das nicht wünscht. Ansonsten kann man da nur spekulieren im Moment.

Es steht natürlich auch im Raum, dass der Austritt Großbritanniens ein Signal ist für ein weiteres Auseinanderfallen der Europäischen Union. Ich kann das mit der Befragung nicht belegen, aber ich glaube, dass das eben durchaus etwas ist, was die große Mehrheit der Bevölkerung nicht will: eine Desintegration der Europäischen Union. Und deshalb, glaube ich, ist auch das Votum für den Verbleib Großbritanniens in der EU sehr groß.

Euroskeptizismus wächst auch in Deutschland

Hat sich die Haltung der Deutschen in dieser Frage im Laufe der Zeit geändert?

Das kann ich nicht sagen, wir haben keine Vergleichswerte dafür. Es gibt tendenziell natürlich ganz allgemein den Trend, dass Euroskeptizismus zunimmt - auch in Deutschland.

Sind Ihnen ähnliche Umfragen in anderen europäischen Ländern zu diesem Thema bekannt? Man wüsste ja gerne, wie anglophil die Deutschen im Vergleich zu anderen Völkern sind.

Auf die Frage können wir nächste Woche besser antworten, weil Umfragen in anderen europäischen Ländern stattfinden. Dann kann man das besser einordnen.

Eine deutliche Mehrheit der Deutschen glaubt, die Briten würden für den Verbleib stimmen. In Großbritannien sehen die Umfragen aber anders aus. Das scheint ein Wunschdenken oder vielleicht ein Unwissen zu sein.

Ich glaube, dass ist eine Mischung aus Wunschdenken zum einen. Und zum anderen ist das Thema hier in Deutschland nicht so breit vertreten in der öffentlichen Diskussion, dass sich die Bürger fundierte Grundkenntnisse über die Situation in Großbritannien aneignen.

Michael Kunert ist Geschäftsführer des Meinungsforschungsinstituts infratest dimap. Eine Umfrage, die das Institut im Auftrag der Deutschen Welle gemacht hat, ergab, dass 78 Prozent der Deutschen gegen einen Brexit sind.

Die Fragen stellte Christoph Hasselbach.

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