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Asien

Meinung

Eine Zeitlang sah es so aus, als würde der Konflikt an Brisanz verlieren: so war nach langem Tauziehen eine grundsätzliche Einigung über den Stopp des nordkoreanischen Atomprogramms zustande gekommen.

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Jetzt aber hat sich das Blatt offenbar wieder gewendet. Vor wenigen Tagen wies Nordkorea den UN-Kontrolleuren im Land die Tür und kündigte an, die bislang versiegelte Atomanlage Yongbyon wieder in Betrieb zu nehmen. Pjöngjang warte bislang vergeblich auf die Gegenleistung, die für den Stopp des Atomprogramms versprochen worden war - hieß es zur Begründung.

Die neue Verschärfung im Atomkonflikt war in dieser Woche auch Thema auf den Kommentarseiten der deutschsprachigen Tageszeitungen. Die "Neue Zürcher Zeitung" beispielsweise schreibt:

"Zurück zum Ausgangspunkt im endlosen Spiel mit Nordkorea. (...) Washington hatte sich Ende Juni von einem mit grosser Verzögerung abgelieferten, höchst mangelhaften Atombericht Pjongjangs dazu verleiten lassen, Wirtschaftssanktionen aufzuheben und dem nordkoreanischen Regime in Aussicht zu stellen, dass es in Kürze von der schwarzen Liste der Terrorismus-Förderer gestrichen werde. Mit solch freundlichem Entgegenkommen lieferte Bush Pjongjang gratis und franko einen Vorwand, um seine nur zum Schein heruntergefahrenen Atomanlagen mit den üblichen Drohgesten wieder in Betrieb zu nehmen."

Das Blatt kommt zu dem Schluss, dass das Ausland im Umgang mit Nordkorea nur einen erfolgsversprechenden Kurs fahren kann:

"Wenn man dem nordkoreanischen Atomrätsel wirklich auf die Spur kommen will, kann dies nur auf der Grundlage vollumfänglicher unabhängiger Überprüfungen im Lande selbst und keinesfalls auf der Basis von Erklärungen des Regimes geschehen. Ob der dazu notwendige Wille zur Öffnung des Landes sich unter Kim Jong Ils geheimnisumwitterter Herrschaft wird entwickeln können, ist mehr als fraglich. Insofern wird man seitens der USA, aber auch der Nachbarstaaten Nordkoreas auf absehbare Zeit im Umgang mit Pjongjang mehr fordern als versprechen müssen."

Ähnlich sieht es auch die "Berliner Zeitung". Pjöngjang sei sich seiner Macht bewusst und spiele gezielt seine Trumpfkarten aus:

"Nordkoreas neuer Kurs der Eskalation von Spannungen bedeutet keinen Strategiewechsel. Es ist die Fortsetzung des bisher schon recht erfolgreichen Konzeptes: Für das Regime war und ist die nukleare Option das einzige Instrument, die Amerikaner zu Zugeständnissen zu drängen. Es ist deshalb fraglich, ob Nordkorea diese Druckmittel tatsächlich jemals vollständig aus der Hand gibt."