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Kultur

Mein Sommer-Lieblingsort: Der alte Fährkrug bei Stolpe an der Peene

Magisch zieht es DW-Autor Stefan Dege immer wieder an seinen Lieblingsort - den alten Fährkrug bei Stolpe an der Peene. Hier sagen sich zwar Fuchs und Hase Gute Nacht. Dafür schafft der Ort heitere Sommergefühle.

Blick vom Fährkrug auf den Fluss Peene bei Stolpe. (DW/S.Dege)

Blick vom Fährkrug auf den Fluss Peene bei Stolpe

Sehr ruhig zieht der "Amazonas des Nordens", wie sie die Peene nennen, vorbei in Richtung Ostsee, das Wasser dunkelgrün gefärbt und von unergründlicher Tiefe. Dichtes Schilf säumt das Ufer. Seine Rohre schießen senkrecht hoch in den weiten vorpommerschen Himmel. Mücken tanzen, Bremsen und großflügelige Libellen künden von den nahen Feuchtwiesen der Auelandschaft.

Blick über die Flusslandschaft im Peenetal. (Naturpark Flusslandschaft Peenetal/Mike Stegemann)

Viel Wasser, viel Grün: die Natur in der Flusslandschaft Peenetal ist Balsam für die Seele

Bei Kaffee und Kuchen stören sie kaum. Auf der gepflasterten Gartenterrasse des alten Fährkruges hat vor knapp 200 Jahren schon Heimatdichter Fritz Reuter gesessen. Damals verfolgte er die Fährleute unten am Fluss  bei ihrem mühsamen Geschäft, wenn sie Bauern mit Vieh, Fahrensleute oder Wanderer auf die andere Seite ruderten. Immer wieder jagte der helle Gong der gusseisernen Glocke über das Wasser. Für den Fährmann hieß das: "Hol über!"

"Der Weltuntergang 100 Jahre später"

Heute hat das Schauspiel nicht an Reiz verloren. Geblieben sind die Glocken neben den Fähranlegern. Ein kettengetriebenes und von einer Handkurbel mühsam bewegtes Boot hat den Ruderkahn schon vor Jahrzehnten ersetzt. Inzwischen übernimmt ein sonor tuckernder Dieselmotor den Antrieb.

Heute sind es auch nicht mehr Bauern und Wanderer, sondern Ausflügler, Touristen und behelmte Radfahrer im hautengen Dress, die übersetzen. Aber es gibt sie noch, die kleine Fähre von Stolpe. Der mal Fritz Reuter, mal Reichskanzler Otto von Bismarck zugeschriebene Satz, wonach "selbst der Weltuntergang in Mecklenburg 100 Jahre später" eintrifft – hier könnte er wahr werden.

Durch eine Allee führt die Zufahrt zur Peene bei Stolpe (DW/S.Dege)

Zufahrt durch eine Allee zum Fluss

Inzwischen ragt der Haarschopf eines Schwimmers aus dem Wasser. Sanfte Wellen bewegen die Oberfläche. Man kann gut von Ufer zu Ufer gleiten, denn es gibt kaum Strömung in der Peene. Auf seinen 85 Kilometern zwischen dem Kummerower See und der Mündung in den Peenestrom bei Anklam windet sich der Fluss gemächlich Richtung Osten durch weite Moorlandschaften - bei einem Gefälle von nur 24 Zentimetern! Die Peene, der drittlängste Fluss Mecklenburg-Vorpommerns, gehört zu den letzten unverbauten Flüssen Deutschlands. Keine Stauung, kein Wehr hält sie auf. Mit alten Umweltsünden – Trockenlegen der ufernahen Moore, Torfabbau oder intensiver Landwirtschaft – räumen sie jetzt auch auf: Der Fluss darf in seinen alten Lebensraum zurück.

In Stolpe steht die Zeit still

Kleinkinder tollen mit einem Hund an der Badestelle. Zu Füßen des Fährkrugserstreckt sich eine Wiese, wo Familienlager aufgeschlagen sind. Eine Mutter verfolgt das Treiben mit Adleraugen. Immer mal wieder springt ein Fisch aus den dunklen Fluten – aus lauter Übermut oder zum Luftschnappen, das bleibt sein Geheimnis.

Zwei weiße Schmetterlinge - Baumweislinge - knabbern am violetten Knabenkraut. (Naturpark Flusslandschaft Peenetal/Mike Stegemann)

Baumweislinge knabbern am Knabenkraut.

Zwei Angler schleppen, obwohl es ein warmer Sommertag ist, in hohen, schweren Gummistiefeln ihre Ausrüstung an den Kai, wo sich oberarmdicke Poller für selten festmachende Peene-Dampfer bereit halten. Aus Anglersicht ist die Peene sehr einladend: Die Männer gehen auf Hecht und Schleie. Rund 40 Wanderfisch- und Neunaugenarten gibt es in der Peene und machen sie zu einem der fischartenreichsten Flüsse Deutschlands. Sogar der Lachs soll hier wieder heimisch werden.

Die Mücken, Bremsen und Libellen geben den Soundtrack des Sommers. Im Fährkrug servieren sie jetzt ein Frischgezapftes. Beschaulich der Ausblick, verschlafen der Nachmittag an der Peene. Man meint, die Zeit steht still. Der Sommer? Hier ist er ein heiteres Gefühl. Es heißt Stolper Fährkrug.

 

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