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Europa

Mein Name ist Khan, Sadiq Khan

Multikulti gegen Milliardär: Mit Wahlsieger Sadiq Khan zieht in London erstmals ein Muslim als Chef ins Rathaus ein. Der Labour-Politiker will die Lebenshaltungskosten in der Millionenmetropole bezahlbarer machen.

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Sadiq Khan wird Londoner Bürgermeister

Sadiq Aman Khan wurde 1970 in London als Sohn pakistanischer Einwanderer geboren. Der sunnitische Muslim hat sieben Geschwister. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften arbeitete er zunächst für Menschenrechtsgruppen als Anwalt. 1994 wandte er sich der Lokalpolitik zu. So vertrat er die Labour-Party von 1994 bis 2006 im Stadtrat von Wandsworth, einem traditionell linken Stadtbezirk im Südwesten Londons.

Spaltung der Stadt verhindern

Seit Juni 2005 sitzt

Sadiq Khan

als Abgeordneter für seinen Heimatwahlkreis Tooting in London im Unterhaus. Sein politisches Anliegen ist die Überwindung von Ressentiments zwischen Religionsgemeinschaften und der wachsenden sozialen Spaltung der Stadt. Er will sich deshalb gegen steigende Mieten einsetzen und bezahlbaren Wohnraum schaffen.

Die Preisexplosion auf dem Londoner Immobilienmarkt hat dazu geführt, dasss die Einwohner der Finanzmetropole bis zu Zweidrittel des monatlichen Gehalts für Mieten ausgeben müssen. Außerdem hat Khan angekündigt, er wolle die Preise für die Benutzung des Nahverkehrs für vier Jahre auf dem jetzigen Niveau einfrieren.

Khans soziale Achterbahnfahrt setzt sich auch in seinem neuen Amt als Bürgermeister fort. Für die Verwaltung der Stadt steht ihm zwar ein jährliches Budget von rund 20 Milliarden Euro zur Verfügung. Doch sein Gehalt von umgerechnet rund 180.000 Euro pro Jahr fällt für Londoner Verhältnisse eher bescheiden aus und reicht maximal für die Miete eines schmuckloses Reihenhauses in einem Vorort.

Khan war der erste Muslim, der in den sogenannten "Privy Council" berufen wurde, eine Art Kuratorium, das dem britischen Königshaus beratend zur Seite steht. Zu dem erlauchten Kreis der Berater gehören ehemalige Mitglieder des Parlaments, des britischen Oberhauses und Vertreter der Kirchen.

2008 wurde Khan Staatssekretär im Ministerium für Kommunalverwaltungen. Ein Jahr darauf wurde er Staatssekretär im Verkehrsministerium. 2010 wurde er zudem in seiner Eigenschaft als Jurist und Rechtsanwalt für Menschenrechtsfragen als Justizminister in das Schattenkabinett von Labour gerufen.

Altersarmut Großbritannien London Müll Alter Mann Armut (Bild: Jon Almasi/ UPPA/ Photoshot dpa)

Armut in der Finanzmetropole: Ein alter Mann sucht in Mülltüten nach Essensresten

Anwalt für Menschenrechte

Im September 2015 wurde Khan in einer parteiinternen Wahl zum Kandidaten der Labour Party bei der anstehenden Wahl zum Bürgermeister von London gewählt. Der Wahlkampf um das Bürgermeisteramt war bis zuletzt geprägt von Anfeindungen zwischen den Kandidaten. Die Tories, einschließlich Premier David Cameron, hatten versucht, Khan Verbindungen zu radikalislamistischen Extremisten anzuhängen. Als Anwalt hatte Khan 2001 den berüchtigten Judenhasser Louis Farrakhan verteidigt, als es um dessen untersagte Einreise nach Großbritannien ging.

Dennoch verfügt Khan offenbar bei der jüdischen Bevölkerung Londons, die immerhin bei rund 200.000 Einwohnern liegt, über eine gewisse Akzeptanz. Khan setzt sich nach eigenen Aussagen für die Sicherheit der Juden in der Stadt ein und will sich massiv gegen islamistischen Extremismus einsetzen, um die jüdische Gemeinschaft gegen Antisemitismus zu schützen. Dies tat er von Beginn seins Wahlkampfes an. Rückhalt hat Khan ohnehin bei den Muslimen der Stadt. Rund eine Millionen leben an der Themse.

Ängste statt Argumente

Sein Kontrahent Zac Goldsmith, der zur jüdischen Gemeinde gehört, tat dies offenbar nur halbherzig, wie aus jüdischen Medien zu erfahren war. Er habe sich den jüdischen Wählern eher spät zugewandt. Er brauchte sich nicht anzustrengen, um ihre Sympathie zu erringen. Dafür hätten Mitglieder der Labour-Partei von der Basis bis zur Spitze mit ihren Haltungen zu Israel und zu Juden gesorgt.

Goldsmiths jüdischer Familienname und sein Credo als Vertreter von Londoner Geschäftsinteressen halfen ihm außerdem. Erst spät organisierte sein Wahlkampfteam rasche Blitzbesuche in jüdischen Gegenden samt einem hektisch heruntergeleierten Pessachgruß an Londons Juden im Internet, umreisst die Jüdische Allgemeine Zeitung. Auch Goldsmith setzte in seinem Wahlkampf mehr auf Hetze gegen Khan als auf Argumente. So sei Khan eine Gefahr für London, ließ Goldsmith, der Erbe eines Milliardärs verlauten. Khan konterte, er sei Muslim und sei stolz darauf.

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