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Kultur

Mein multimedialer Kultur-Kanal

Natürlich kann man brav das Feuilleton lesen, am Wochenende dann noch ein Magazin und hier und da Fernsehen gucken. Man kann sich aber auch ein eigenes multimediales Kunstprogramm zusammenstellen - im Internet.

Eine zeichnung von Jason Lutes. Sie zeigt ihn selbst.

Das ist der Comic-Zeichner Jason Lutes. Ein Interview mit ihm findet man beim Interviewmagazin FOLGE

Starten würde ich mein persönliches Internet-Kunstprogramm mit Jonathan Meese. Jonathan Meese spinnt ein bisschen. Das sagen viele, weil Meese seltsame Theaterstücke inszeniert, gruselige Skulpturen herstellt und Adolf Hitler als "Pimmel-Johnny" bezeichnet.

Launig, mutig, unterhaltsam

Wenn man den bärtigen Herrn dann allerdings mit einem Mädchen namens Berta Lucia unter einem Apfelbaum hoch über dem Rheintal sitzen sieht, dann ist das gar nicht seltsam und gar nicht gruselig und statt Hitler gibt es Bionade und gedeckten Apfelkuchen.

"Meese und Berta" ist ein vier Minuten langes Video, das man sich bei Eiskellerberg.tv anschauen kann. Eiskellerberg.tv ist - laut Eigenangaben auf der gleichnamigen Website - "ein Programm für Kunstliebhaber, Fortgeschrittene und Fortschreitende, ungewöhnlich kenntnisreich, überraschend launig, besonders mutig, unterhaltsam auch".

Künstler mit Kind

Das hört sich hochtrabend an, stimmt aber so weit. Wo sonst würde man einen Künstler von einem Kind interviewen lassen? Im Kultur-Fernsehen auf jeden Fall nicht. Gemacht wird das Videoformat im Internet von Thom de Bock und Carl Friedrich Schröer, einem Filmemacher und einem - nicht gerade völlig unbekannten - deutschen Kunstjournalisten.

FOLGE würde ich mir danach anschauen. "Ein Interviewmagazin über zeitgenössische Köpfe" nennt Frerk Lintz das, was er da in Berlin nahezu in Alleinarbeit fabriziert. Lintz ist kein Journalist, aber das ist gut so. Denn das was er macht, ist Berichterstattung aus purer Begeisterung. So etwas sehen Journalisten nicht so gern.

Jason Lutes bei Folge-mag.com, Screenshot

Viel zu eigenwillig

Manchmal ist Begeisterung aber besser als bloße Pflichterfüllung. Und ohne Begeisterung hätte ich niemals von dem US-amerikanischen Comiczeichner Jason Lutes gehört, den Lintz getroffen und interviewt hat. 16 Minuten und 35 Sekunden dauert sein Interview, optisch dank der schwarz-weißen Comiczeichnungen wunderschön umgesetzt. Viel zu lang für einen klassischen Fernsehbericht. Und viel zu eigenwillig auch.

Gut, dass es das Internet gibt. Denn das kleine private Kunstprogramm ließe sich beliebig erweitern. Improvisierte tolle Konzerte von namhaften Künstlern auf Straßen, Plätzen, Parks und Dächern könnte man sich jetzt bei der Blogotheque anschauen. Ein wahren Bildersturm beim Kunstblog VVORK, Architektur bei Cityofsound und Mode beim Lookbook. Sie können aber natürlich auch weiter in der Zeitung blättern.

Autor: Marcus Bösch
Redaktion: Petra Lambeck


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