1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Wissen & Umwelt

Mein Lieblingsort ist Würzburg!

Der Zellbiologe Krishna Rajalingam wurde 1977 in Indien geboren. Er promovierte am Max-Planck-Institut in Berlin und beschäftigt sich zurzeit mit der Krebsentstehung am Institut für Biochemie der Universität Frankfurt.

Porträtfoto von Krishna Rajalingam (Foto: Krishna Rajalingam)

Krishna Rajalingam kam nach dem Studium nach Deutschland

Deutschland ist nicht das absolute Traumziel für Forscher aus Indien, auch für mich war es das nicht. Wie viele junge Inder wollte ich eigentlich nach Amerika. Aber dann kam der Zufall: eine Begegnung bei einem Workshop in Griechenland mit Professor Thomas Meyer vom Max Planck Institut für Infektionsbiologie. Wir haben dort wunderbare wissenschaftliche Diskussionen geführt. Er hat mich danach in einem Brief nach Berlin eingeladen – eine Gelegenheit, in einer der besten Forschungsinstitute der Welt zu arbeiten. Ich nahm die Einladung an.

Nach Deutschland gekommen und geblieben

Also kam ich 1999 zum ersten Mal nach Deutschland - als Sommerstudent zum Max-Planck-Institut. Ich wollte die Zeit dort als Sprungbrett zu nutzen, um danach in die USA zu gehen. Stattdessen folgte ein Stipendium und die Doktorarbeit in Deutschland. Heute bin ich immer noch hier und will gar nicht mehr nach Amerika.

Es gibt viele gute Gründe dafür, dass ich geblieben bin. Der wichtigste ist aber, dass ich das Privileg bekam, im Rahmen des Emmy-Noether Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) eine eigene Forschungsgruppe aufzubauen. Die DFG fördert mich fünf Jahre lang. So eine frühe Selbständigkeit und großzügige Förderung schon kurz nach der Doktorarbeit ist in Ländern wie England und den USA undenkbar. Solche Initiativen und Exzellenz-Programme haben viele Mittel in die deutsche Grundlagenforschung gebracht. Die Ausstattung hat sich verbessert, der verblasste Glanz der Universitäten wird wieder aufpoliert. Heute ist die Forschungslandschaft in Deutschland sehr international; die Arbeitssprache ist Englisch. Deutschland hat viele Spitzenforscher, besonders in meinen Bereichen Molekular- und Zellbiologie.

Es gibt Verbesserungsbedarf

Ich habe größten Respekt vor der deutschen Professionalität. Die ganze Welt kann meiner Meinung nach davon lernen. Aber natürlich sind da auch noch Probleme. Es gibt beispielsweise einen Mangel an sogenannten Tenure-Track Programmen, die bei der Weiterbeschäftigung von jungen Wissenschaftlern helfen. Das ist nach wie vor eine große Hürde. Und das Nettogehalt ist global gesehen zu niedrig, um die Besten ins Land zu holen - und sie hier zu halten. In diesem Punkt ist Deutschland noch nicht konkurrenzfähig. Manche Einrichtungen haben zudem mit starren Hierarchien und Bürokratie zu kämpfen.

Heute forsche ich am Institut für Biochemie an der Universität Frankfurt. Das Institut wird sehr gut geleitet und organisiert, beschäftigt wirkliche Spitzenforscher und ist absolut wettbewerbsfähig. Jedes Jahr besuchen uns zwei, drei Nobelpreisträger. Was diese Einrichtung aber vor allem ausmacht, sind die Menschen. Es ist höchst motivierend und inspirierend, in so einem Klima zu arbeiten.

Freunde und fränkische Bratwurst halten ihn hier

Auch persönlich hat der lange Aufenthalt in Deutschland mein Leben bereichert. Ich hab zwar wenig Zeit für das Privatleben und auch mein Deutsch ist noch ausbaufähig, aber meine Frau und ich haben hier Freunde fürs Leben gefunden. Berlin war die erste internationale Stadt, in der ich gelebt habe und "ich bin ein Berliner", wie man so sagt. Aber mein Lieblingsort bleibt Würzburg, wo ich am Institut für Medizinische Strahlenkunde und Zellforschung gearbeitet habe. Es war eine großartige Zeit. Wir haben etwas außerhalb gewohnt und ich kannte alle Leute in meiner Straße. Ich liebe die Hügel und das Essen – vor allem fränkische Bratwurst, das Brot und den Wein. All das fehlt mir schon in Frankfurt.

Mein Großvater hatte eine kleine Klinik in einem winzigen Dorf in Südindien, wo er arme Menschen behandelte. Er hat mich dazu inspiriert Wissenschaftler zu werden. Heute höre ich viel positives über das "neue Indien". Tatsächlich wird dort sehr viel in die Wissenschaft investiert. Es gibt neue Programme, höhere Gehälter und eine verbesserte Infrastruktur. Man versucht auch Talente aus Europa und den USA heim zu holen. Fraglos, Indien holt auf. Aber ich glaube nicht, dass ich zurückgehen werde. Ich habe meine Freunde, Kollegen, meine Arbeit hier in Deutschland. Aber andererseits sagt man bei uns in Indien: Keiner weiß, welches Schicksal für einen geschrieben wurde.

Aufgezeichnet von Sonia Phalnikar
Redaktion: Judith Hartl