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Kultur

"Mein Leben von der Kindheit bis heute"

Vor vier Jahren startete die Deutsch-Südafrikanerin Joy Denalane mit einem deutschen Rap- und HipHop-Album durch. Jetzt ist ihre zweite Platte "born and raised" erschienen - und auf der ist fast gar kein Rap zu hören.

Soul-Sängerin Joy Denalane präsentiert ihr neues Album

Soul-Sängerin Joy Denalane präsentiert ihr neues Album

Ausverkaufte Tourneen und Auftritte in den USA haben der Berliner Sängerin Joy Denalane eine Menge Respekt eingebracht, seit sie 2002 ihr Album "Mamani" veröffentlichte. Mit ihrem neuen Album macht sie nun musikalisch einen großen Schritt in Richtung glasklaren Soul - inhaltlich aber einen Schritt zurück in ihre Kindheit, wie der Titel "born and raised" ("geboren und gewachsen") andeutet: "Das ist erstmals ein Song, der mein Leben von der Kindheit bis heute beschreibt, da ich als Musikerin auf der Bühne stehe und Kinder habe", erklärt die 33-Jährige. "Ich bin jetzt an einem Punkt, wo ich fühle, dass ich als Musikerin, als Sängerin und als Frau gewachsen bin. Ich habe ein Level erreicht, mit dem ich zufrieden bin."

Musikalische Partnerarbeit für das zweite Album

Für die Aufnahmen zum Album "born and raised" ist die Berliner Sängerin zusammen mit ihrem Mann Max Herre und ihren beiden Kindern für drei Monate nach Philadelphia gezogen, um mit amerikanischen Musikern die 15 Songs des Albums einzuspielen.

Max war auch für die Produktion verantwortlich und sagte den Studiomusikern, wo es musikalisch lang zu gehen hatte. Zu Recht, findet Joy Denalane, denn für sie ist ihr Mann "einer der interessantesten und innovativsten Produzenten, die es in Deutschland zurzeit gibt". Er verstehe es, den Leuten zu erklären, was er möchte, ohne sie vor den Kopf zu stoßen, schwärmt sie. "Er hat sehr gute Ideen, weil er auch sehr detailverliebt ist." Und das sei eine sehr gute Symbiose gewesen: "Mit Amerikanern zu arbeiten, die sehr spirituell sind, und die deutsche perfektionistische Art: Das war echt toll."

Joy Denalane und Max Herre

Teamwork: Joy Denalane und Max Herre (Archivbild)

Natürlich hat Joy Denalane mit den englischen Songs auch den internationalen Markt im Blick. Sie ist schon mehrfach in New York und Philadelphia aufgetreten, und die Reaktionen des Publikums dort haben sie darin bestärkt, englische Texte zu schreiben. Schon zu Beginn ihrer Karriere hatte sie englische Songs gesungen, doch erst, nachdem sie ihren Mann, den Musiker Max Herre von der Band "Freundeskreis" kennen gelernt hatte, begann sie, hauptsächlich auf Deutsch zu texten - und hat sich damit eine große Fan-Gemeinde ersungen.

Sprache vor Inhalt

Mit den neuen Songs in englischer Sprache rückt der Inhalt jetzt mehr in den Hintergrund, darüber ist sich die Sängerin im Klaren: "Für die Deutschen geht es jetzt erst einmal um die Musik", sagt sie. Anstatt zuerst auf den Text zu hören, könnten sie sich jetzt zunächst auf den Klang der Instrumente, die Produktion und den Gesang konzentrieren. "Wenn ich selbst englische Songs höre, dann höre ich zuerst, ob mir der Song, der Beat, die Stimme und die Energie des Songs gefallen. Erst viel später höre ich dann auf den Text."

Sänger und Produzent Max Herre

Sänger und Produzent Max Herre

Weil der auf ihrem neuen Album ohnehin nicht im Vordergrund steht, bemüht sich Joy Denalane auch gar nicht erst, den einen oder anderen englischen Text ins Deutsche zu übersetzen - denn das sei bisher immer eine Katastrophe gewesen, räumt sie ein. Der andere Weg war wesentlich einfacher: Einen Song, den sie bereits auf ihrem Debütalbum ihrer Familie in Südafrika gewidmet hatte, hat sie dann ins Englische übertragen - als Dankeschön an ihre Verwandten: "Das war sehr wichtig für mich, weil es in dem Lied um ihre Geschichte in Soweto geht."

Mit ihrem zweiten Album "Born and Raised" braucht Joy Denalane Vergleiche mit amerikanischen Soulgrößen nicht zu scheuen. Die Chancen, eine internationale Karriere zu machen, sind mit diesen Songs groß geworden. Dann dürfte es ihr wohl auch nicht mehr passieren, dass man sie bei einem Festival nicht mehr in den Backstage-Bereich lässt: "Wir sind mit dem Auto von Berlin gekommen, standen ewig im Stau, und die Windel von unserem Sohn war voll", erinnert sie sich. "Und dann haben die uns nicht 'rein gelassen, weil sie uns nicht erkannt haben."

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