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Kultur

Mein Kunst-Stück: Ein Traumkleid im Berliner Kunstgewerbemuseum

Wie trat eine Braut im 18. Jahrhundert vor den Altar? Im Berliner Kunstgewerbemuseum erfährt man es. Eine koreanische Modedesignerin lüftet die Geheimnisse der höfischen Mode: am Beispiel eines opulenten Brautkleids.

Yoem Mi-Kyong vor einem Prachtgewand aus dem 18. Jahrhundert

Yoem Mi-Kyong vor ihrem Traumfänger

Mitten in Berlin im grünen Tiergarten liegt das Kunstgewerbemuseum. Hier besucht die koreanische Modedesignerin Yoem Mi-Kyong ihr liebstes Kunst-Stück. Ihr Vorname Mi-Kyong bedeutet "Schönes Fest" - und das passt in diesem Fall genau: "Ich finde dieses Kleid wunderschön wegen der Farben – cremeweiß und silbern. Wenn ich es anschaue, sehe ich vor mir die Menschen vor fast 300 Jahren wie sie durch einen prunkvollen Saal tanzen – wie eine Filmszene…"

Aus Südkorea kam Yoem Mi-Kyong ganz allein nach Berlin und bekam überraschend einen Studienplatz als Modedesignerin: "Ich komme oft in dieses Museum, und eines Tages nahm mich dieses Kleid gefangen. Ich hab sehr viel daran gelernt."

Yoem Mi-Kyong vor ihrem Traumgewand im Berliner Kunstgewerbemuseum

Abendgarderobe oder Brautkleid? Ganz genau weiß das niemand. Sicher ist nur, das Kleid gehörte einer jungen, zarten Frau am englischen Hofe - um die Mitte des 18. Jahrhunderts.

Eine Braut war es auch, die Yoem Mi-Kyongs Leidenschaft für Mode weckte, erzählt sie selbst: "Im Fernsehen war diese riesige Zeremonie in England: Diana heiratet Prince Charles. Und eine Frage bewegte in Korea alle: Was für ein Kleid würde sie tragen?"

Auch schon im 18. Jahrhundert war Mode eine Sache des Prestiges, und eine prachtvoll ausstaffierte Frau das beste Objekte, um es aufzupolstern. "Schon zu dieser Zeit war Frankreich das Mekka der Mode", berichtet die Designerin. "Alle Länder orientierten sich am französischen Stil." Dazu gehört die berühmte Watteau-Falte, von oben lose fallend, und die ausladende Hüfte. Die verwendete Seide kam fast immer aus Lyon in Frankreich.

Bilder und Videos zu Mein Kunst-Stück vom 10.03.2007

Das Kleid aus Seide und Silberlamé ist ein hochsensibles Objekt. Bevor es ins Museum gekommen ist, musste es in Quarantäne und wurde chemisch "entwest" - kein "lebendes Wesen" wie Käfer und Motte ist dann mehr in ihm. In säurefreien Kartons kann es noch einmal 100 Jahre überleben.

Heiraten ist - damals wie heute - eine teure Angelegenheit, auch in Korea: "In Korea", erzählt Yoem Mi-Kyong, "heiraten wir zweimal, am selben Tag – erst in weiß im europäischen Stil, und dann ziehen wir uns um und heiraten in einer traditionellen Robe aus Korea."

Die Galarobe im Kunstgewerbemuseum wurde vielleicht nur ein einziges Mal getragen, und ganz sicher wurde sie nie gewaschen. Aber nur ein winzig kleiner Fleck zeugt vom Leben seiner Trägerin. Verträumt, ohne Kitsch, das ist auch Yoem Mi-Kyongs Stil: "Mir gefällt, dass das Motiv dynamisch und gleichzeitig abstrakt ist."

Ein Traum, auch die Schuhe

Ein Traum, auch die Schuhe

Ein Kleid aus dem 18. Jahrhundert erzählt viel von Glück und Reichtum des Besitzers, selbst die Schuhe. Für Yoem Mi-Kyong ist das Prachtgewand ein Ausgangspunkt für Träume: "Ich möchte gern hier bleiben und in Europa arbeiten. Und selbst ein Hochzeitskleid entwerfen – wie das im Museum in Berlin."

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