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Aktuell Welt

"Mein Kampf" als Zugabe für italienische Zeitungsleser

Die konservative Mailänder Zeitung "Il Giornale" hat Adolf Hitlers "Mein Kampf" seiner Samstagausgabe beigelegt und damit einen politischen Skandal und große Empörung in Italien ausgelöst.

Die Zeitung bot seine Samstagsausgabe zum erhöhten Preis an. Die Leser erhielten neben dem Buch "Aufstieg und Fall des Dritten Reichs" des US-Journalisten William L. Shirer auch eine italienische Übersetzung von "Mein Kampf". Es gehe darum, das Böse zu studieren, um zu verhindern, dass es erneut passiere, schrieb Chefredakteur Alessandro Sallusti in einem Leitartikel. " 'Mein Kampf' zu lesen ist das richtige Gegengift gegen die Giftstoffe des Nationalsozialismus", erklärte die Zeitung.

Kritik von regierender Demokratischer Partei PD

"Ich finde es widerwärtig, dass eine italienische Tageszeitung heute Hitlers 'Mein Kampf' verschenkt", schrieb Ministerpräsident Matteo Renzi im Kurznachrichtendienst Twitter. "Meine herzliche Umarmung für die jüdische Gemeinschaft", fügte er hinzu.

Paolo Berlusconi (Foto: Reuters/F. L. Scalzo) Bruder des ehemaligen Premierminister Silvio Berlusconi in Milan

Paolo Berlusconi, Eigentümer von "Il Giornale" und Bruder des ehemaligen Ministerpräsidenten

Die Zeitung "Il Giornale" gehört Paolo Berlusconi, dem Bruder des Oppositionschefs und früheren Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi, und die Veröffentlichung erfolgte mitten im Kommunalwahlkampf. Der Mailänder Bürgermeisterkandidat der regierenden Demokratischen Partei (PD), Giuseppe Sala, sprach von Schande und einer Beleidigung aller, die gelitten hätten. Er sei froh eine solche Zeitung gegen sich zu haben.

Jüdische Gemeinde: "Unanständige" Aktion

Der Präsident der jüdischen Gemeinden Italiens, Renzo Gattegna, bezeichnete die Aktion des Blattes als "unanständig". Sie habe nichts mit den vorgeblichen Bildungszielen zu tun. Auch die israelische Botschaft äußerte sich überrascht über die Beigabe von "Il Giornale".

In den kommenden Wochen will die Zeitung mit einer Auflage von 200.000 Exemplaren sieben weitere Bücher zur Geschichte des Dritten Reiches verkaufen.

rk/sti (afp, dpa, epd)

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