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Kultur

"Mein Einsatz für Flüchtlinge": Suli Kurban erzählt vom Ankommen

Einst war sie selber Flüchtling, jetzt will sie erzählen, was es heißt, neu und fremd zu sein in einer deutschen Großstadt. Suli Kurban sammelt Geschichten für die Webseite "Arriving in Munich".

Autoren, Musiker, Künstler, Theaterleute – viele sehen sich als Bürger dieser Welt und nutzen ihre Popularität, um zur Solidarität mit Flüchtlingen aufzurufen, Spenden zu sammeln oder aufkeimenden Rassismus zu kritisieren. Woher kommt ihr Engagement? Drei Fragen, drei Antworten: unsere DW-Serie "Mein Einsatz".

DW: Wie setzen Sie sich für Flüchtlinge ein?

Ich mache bei ganz verschiedenen Projekten mit. Das hat auch mit meiner eigentlichen Arbeit als Filmemacherin zu tun. Konkret arbeite ich zurzeit gerade an einem Projekt mit, das nennt sich "Arriving in Munich". Ich versuche, für geflüchtete Menschen eine Plattform zu erstellen bzw. ihnen eine Plattform zu bieten. Da bin ich mit ein paar Kollegen, die aus den verschiedensten Bereichen kommen, gemeinsam tätig. Wir führen einen Blog für geflüchtete, aber auch für nicht geflüchtete Menschen. Dort erzählen wir einfach Geschichten, die zum Thema "Ankommen" etwas beitragen. Wir haben festgestellt, wie wichtig es ist, mit diesen Geschichten beim Ankommen Hilfestellung zu leisten. Meine Aufgabe ist es dabei, als Filmemacherin Leute zu treffen, die uns ihre Geschichte erzählen wollen. Der erste, den ich getroffen habe, ist Shadi, ein ehemaliger Basketball-Nationalspieler aus Damaskus. Mir war es sehr wichtig, gerade ihn zu treffen, denn ich wollte mit ihm nicht über seine Flucht sprechen – ich wollte, dass er mir von seiner Leidenschaft erzählt. Dass er mir erzählt, wie er durch seine Leidenschaft Basketball ein Kommunikationsmittel gefunden und wie es ihm geholfen hat, hier anzukommen.

Warum tun Sie es?

Ich mache das natürlich auch wegen meines eigenen Backgrounds, denn ich bin selber vor 16 Jahren als Geflüchtete nach München gekommen. Ich hatte es am Anfang sehr schwer, überhaupt Kontakt zu finden. Ich war elf Jahre alt und bin ganz normal zur Schule gegangen, aber eigentlich war ich nur mit den Leuten unterwegs, die auch in dem Heim, in dem wir untergekommen waren, gelebt haben. Ich habe mir damals sehr gewünscht, dass ich auch mit normalen Menschen in Kontakt käme. Deswegen versuche ich jetzt mit dem Blog, einen Dialog von Geflüchteten und nicht Geflüchteten zu schaffen. Dadurch, dass unsere Blog-Gruppe so vielfältig ist und sich die verschiedensten Autoren engagieren, haben wir ein sehr großes Themenfeld. Ich versuche, das Wissen, das ich durch meine eigene Erfahrung als Geflüchtete habe, in das Projekt einzubringen und etwas Gutes zurückzugeben.

Was möchten Sie damit bewirken?

Ich möchte damit erreichen, dass auf jeden Fall ein Dialog stattfindet, indem Menschen auf den Blog kommen und die Geschichten von anderen lesen, Erzählungen, die sie vielleicht nicht in den üblichen Medien finden. Das sind eben nicht ausschließlich Fluchtgeschichten. Ich möchte damit sehr viele Leute erreichen, damit sie die Augen öffnen und sich umschauen, was sich in ihrer Umgebung abspielt. Was für Menschen laufen da rum? Wie kann ich mich mit denen vernetzen? Und die Flüchtlinge sollen beispielsweise sehen können: Da gibt es Shadi, und der ist Trainer bei BC Helenen – das ist ein multikultureller Basketballverein in München. Der Idealfall wäre, dass Geflüchtete den Film sehen und sagen: "Hey, den Shadi finde ich cool, und ich würde sowieso gern Basketball spielen", und sich dann mit ihm vernetzen und mal probeweise zu seinem Training gehen. So etwas wünsche ich mir als Ergebnis meiner Arbeit.

Zulayat Kurban (27), genannt Suli, ist gebürtige Uigurin. In China gehörte ihre Familie somit jener muslimischen Minderheit an, deren Angehörige oft verdächtigt werden, nach politischer Unabhängigkeit zu streben. Ihre Familie floh vor den chinesischen Menschenrechtsverletzungen nach Deutschland. Sie lebt seit 16 Jahren in München, die ersten sechs im Asylbewerberheim.

Suli Kurban spielte Theater, arbeitete als Reporterin für den Bayerischen Rundfunk und den WDR und spielte in dem Film "Draußen bleiben" mit. Seit Oktober 2011 studiert sie an der Hochschule für Fernsehen und Film in München "Dokumentarfilm und Fernsehen". Ihren ersten Film hat sie schon realisiert: "Hasudin", ein Porträt über einen jungen Migranten aus Bosnien. 2014 wurde sie durch einen Selbstversuch bekannt, als sie vier Wochen lang während des Ramadan fastete, sich täglich dabei filmte und ihre Beiträge in einem Online-Blog veröffentlichte.

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