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Deutschland

Mein Deutschland: Der grüne Gender-Wahnsinn

Geschlechtergerechte Sprache ist etwas typisch Deutsches. Mit dem "Gender-Star" haben die Grünen nun noch eins drauf gesetzt. Ihren Unmut darüber drückt unsere Kolumnistin Zhang Danhong im folgenden Brief (mit *) aus.

Bundesvorsitzenden der Partei von Bündnis 90/Die Grünen Simone Peter und Cem Özdemir beim Bundesparteitag

Die beiden Vorsitzenden von Bündnis 90/Die Grünen, Simone Peter und Cem Özdemir

Liebe Grünen-Politiker*innen,

um es vorweg zu nehmen: Ich gehöre nicht zu Ihren Anhänger*innen, obwohl ich Ihre Ideen meistens gar nicht so schlecht finde. Ein Grund könnte sein, dass ich bei Ihnen den Eindruck nicht loswerde, die Bürger*innen nach Ihren Vorstellungen erziehen zu wollen. Vor 17 Jahren wollten Sie den Benzinpreis auf fünf Mark erhöhen, um aus möglichst vielen Autofahrer*innen Fahrradfahrer*innen zu machen. Das hat die Wähler*innen erschreckt und Sie Stimmen gekostet. 2013 haben Sie es sich dann mit den Fleischesser*innen der Republik verdorben. Diese Unverbesserlichen wollten nicht auf Ihre Anordnung hin einmal die Woche zu Vegetarier*innen mutieren und verpassten Ihnen an der Wahlurne einen Denkzettel.

Nun kommen Sie mit dem sogenannten "Gender-Star". Der Stern steht für Lesben, Schwule, Bisexuelle, Transgender, Trans- und Intersexuelle (LSBTTI). Vor allem Letztere sollen neben den eindeutigen Männlein und Weiblein auch in der Sprache sichtbar werden. Gleichberechtigung für alle.

Warum einfach, wenn es komplizierter geht?

Zhang Danhong Kommentarbild App

DW-Redakteurin Zhang Danhong

Ich muss sagen, diese Idee übertrumpft alle bisherigen Vorschläge einer geschlechtergerechten Sprache (das Binnen-I: StudentInnen; der Unterstrich Student_innen; und die Partizipform: Studierende). Sie erinnert mich an die Anregung von Lann Hornscheid von der Humboldt-Universität in Berlin. Vor einem Jahr schrieb die besagte Person, dass sie weder dem männlichen noch dem weiblichen Geschlecht zugeordnet und deswegen geschlechtsneutral angesprochen werden möchte. Hornscheidt wünschte sich eine Anrede wie beispielsweise "Sehr geehrtx Profx.".

Sowohl "Profx." als auch Professor*innen haben einen Haken: Beide können schlecht ausgesprochen werden. Oder können Sie sich vorstellen, dass Frau Merkel ihre Neujahrsansprache mit "liebe Mitbürger-Gender-Stern-innen" beginnt?

"Der Stern steht für unsere Überzeugung, dass dieses Land allen Raum bietet - auch in der Sprache", schreibt Ihre frauenpolitische Sprecherin Gesine Agena in der Wochenzeitung "Die Zeit". Natürlich sollen die LSBTTI unter den Lehrer*innen, Jurist*innen, Journalist*innen, Ärzt*innen und Sportler*innen nicht diskriminiert werden. Aber muss die deutsche Sprache deswegen verunstaltet werden?

Deutschland Gesine Agena Bündnis 90/Die Grünen

Gesine Agena, frauenpolitische Sprecherin von Bündnis 90/Die Grünen

Zwar behauptet Frau Agena, dass es sich beim Gender-Star nur um eine innerparteiliche Regelung für Beschlüsse handelt und nicht um eine Forderung, die deutsche Sprache im Allgemeinen zu verändern. Das hindert sie aber nicht daran, in dem Zeitungsartikel fleißig vom Gender-Sternchen Gebrauch zu machen. Den vielen Gegner*innen des Gender-Stars wird gleich eine antifeministische, gar eine rechte Gesinnung unterstellt.

Nicht förderlich für die Integration

Bevor Sie diese große Keule herausholen, bitte ich Sie, einmal innezuhalten und an die vielen Migrant*innen in diesem Lande zu denken. Deutsch gehört ohnehin zu den schwierigsten Sprachen der Welt. Woher sollen die armen Ausländer*innen neben den bestimmten Artikeln, dem Kasus, der Konjugation noch Verständnis für die vielen Sternchen aufbringen, die nach Hinweisen auf Fußnoten aussehen, denen dann aber doch keine Fußnoten folgen? Wollen Sie, die sich als die letzten Verteidiger*innen der Willkommenskultur verstehen, den traumatisierten Syrer*innen, Iraker*innen und Eritreer*innen bei der Integration ein zusätzliches Hindernis in den Weg legen? Dass Sie in einem Wort nicht zweimal gendern, also Verbraucherschützer*innen statt Verbraucher*innenschützer*innen, ist nur ein kleiner Trost.

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Machen wir ihnen das Lernen nicht noch schwerer

Sprache bildet Wirklichkeit, lautet eine andere grüne Weisheit. Darf ich Sie fragen, in welcher Wirklichkeit Sie leben? Wenn ich das Wort "Politiker" höre, denke ich nicht gleich an ein männliches, heterosexuelles Geschöpf mit Macht und Einfluss - zuerst fällt mir die Bundeskanzlerin ein. Den Krieg gegen die IS-Kämpfer*innen führt stellvertretend für Deutschland Frau von der Leyen, zum Gipfel der Klimaretter*innen fährt Barbara Hendricks, die Geringverdiener*innen haben in Andrea Nahles ihre Fürsprecherin. Die Wirklichkeit hat die vermeintlich diskriminierende Sprache längst überholt.

Weniger Ideologie in anderen Sprachen

Ich kenne nicht viele Sprachen. In Chinesisch, der meistgesprochenen Sprache auf der Welt, bin ich zufällig zu Hause. Die Chines*innen haben noch gar keine geschlechtergerechte Sprache eingeführt, was nicht bedeutet, dass sie in Sachen Gleichberechtigung hinter dem Mond leben. Auch im englischsprachigen Raum wird nicht so viel Wert auf die politische Korrektheit in der Gendersprache gelegt. Zwar wird mancherorts der "chairman" schon mal in "chairperson" verwandelt, aber "colleagues" steht für alle Kolleg*innen, und "students" für Student*innen aller Geschlechter und Identitäten.

In einer Zeit, in der Terrorist*innen unsere Zivilisation gefährden, Klimasünder*innen unseren Planeten weiter zerstören und die GroKo die Lust auf Demokratie hemmt, wollen die Bürger*innen Sie als Politiker*innen einer (einst) bedeutenden Oppositionspartei wahrnehmen. Wäre es nicht an der Zeit, sich den richtigen Herausforderungen zu stellen, statt sich den Kopf darüber zu zerbrechen, wie man besser gendert?

Freundliche Grüße von einer
irritierten Bürgerin und Immigrantin

Zhang Danhong ist in Peking geboren und lebt seit über 20 Jahren in Deutschland.

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