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Deutschland

Mein Deutschland: Bargeld heißt Freiheit

Vielleicht haben wir in einigen Jahren nur noch Buchgeld. Dann könnten die Prophezeiungen von George Orwell Wirklichkeit werden. Und wir wären einer wichtigen Freiheit beraubt, meint Zhang Danhong.

Neulich wollte ich bei einer Tankstelle mit einem 200-Euro-Schein zahlen. Der Kassierer schaute zuerst mich, dann die Note an und schüttelte den Kopf: "Tut mir leid, 200er werden bei und nicht mehr akzeptiert."

Das Benzin kaufte ich dann mit der Kreditkarte. Aber die Sache lässt mich nicht mehr in Ruhe. Es kann kein Zufall sein, dass direkt nach der Ankündigung, die 500-Euro-Scheine abzuschaffen, auch die 200er nicht mehr gern gesehen werden. Das liegt an der Begründung der Entscheidung: Die Aktivitäten von Geldwäschern und Terroristen sollen so erschwert werden, sagt die EZB. Es gibt also einen direkten Zusammenhang zwischen den 500er-Scheinen und Kriminalität, so die Botschaft der Notenbank. Die Spanier haben das längst kapiert und nennen den 500er nur noch Bin Laden. Die logische Schlussfolgerung kann nur lauten: Wer einen 200er besitzt, ist mindestens halbkriminell. Nur so kann ich den misstrauischen Blick des Tankwarts erklären.

Ich bin kein Freund von Verschwörungstheorien. Aber ich kann es nur als eine konzertierte Aktion ansehen, wenn das Bargeld von der Politik schlecht geredet wird und gleichzeitig die Politik beratenden Ökonomen wie Kenneth Rogoff oder Peter Bofinger für die Abschaffung des Bargeldes plädieren. Was haben sie mit unserem Geld vor?

Buchgeld soll helfen, Negativzins durchzudrücken

Der US-Ökonom Rogoff ist dabei entwaffnend ehrlich. Auf einer Veranstaltung des Münchner Ifo-Instituts sagte er vor einiger Zeit: "Die Zentralbanken könnten auf diese Weise leichter Negativzinsen durchsetzen, um so die Wirtschaft anzukurbeln." In der Eurozone werden die Banken bereits mit Negativzins bestraft, wenn sie Geld bei der Europäischen Zentralbank parken. Irgendwann wird die Strafe an die Sparer weitergereicht. Noch können wir sagen: Das mache ich nicht mit. Ich hebe mein Guthaben ab und lege es auf den Kleiderschrank oder unter die Matratze. Aber was passiert, wenn keine Scheine und Münzen mehr existieren? Dann müssen Banken mit Krediten um sich werfen, um dem Strafzins zu entgehen; Sparer müssen mit einem schrumpfenden Kontoguthaben leben, bis sich Staaten ihrer Schulden entledigt haben.

Zhang Danhong Kommentarbild App

DW-Redakteurin Zhang Danhong

So betreiben Notenbanker Konjunkturpolitik, weil die Regierungen die Lage nicht in den Griff bekommen. Für ihr Versagen werden die Politiker auch noch mit mehr Kontrollmöglichkeiten der Bürger belohnt, die die Einschränkung oder gar Abschaffung des Bargeldes mit sich bringt.

Dabei sind wir schon gläsern genug. Wenn ich unterwegs bin, sagt mir Google, wie lange meine Heimfahrt dauern würde; wenn ich am heimischen PC ins Internet gehe, springen mir sofort Werbungen der Firmen ins Auge, bei denen ich schon mal bestellt habe. Vor Kurzem wurde meine Kreditkarte gesperrt, weil der Bank auffiel, dass einige Bestellungen nicht meinem sonstigen Konsumverhalten entsprachen. Ist das nicht gruselig?

Bargeld ist Selbstbestimmung

Deswegen zahle ich bar, wo ich nur kann. Für mich ist Bargeld Freiheit und Selbstbestimmung, und auch ein Stück Solidarität. Denn solange ich bar einkaufe, müssen die Läden nichts von ihrer Marge an die Kreditkartenunternehmen abgeben. Das Gefühl der Anonymität möchte ich beim Shoppen in vollen Zügen auskosten, so lange uns das noch gegönnt ist.

Der Deutsche-Bank-Chef John Cryan hat prophezeit, dass das Bargeld in zehn Jahren der Vergangenheit angehören werde. In etlichen EU-Ländern sind bereits Obergrenzen für Bargeldtransaktionen eingeführt. Gegen Kriminalität oder Schattenwirtschaft hat es übrigens kaum geholfen. Die Bekämpfung der Geldwäsche war ja ohnehin nur ein vorgeschobenes Argument.

Sind wir als einzelne dem Treiben der Notenbanker (Währungshüter kann man sie wohl kaum noch nennen) und Politiker ausgeliefert? Nicht ganz. Sie können zum Beispiel die Aktion von dem bekannten Ökonomen Max Otte

Rettet unser Bargeld

mit Ihrer Unterschrift unterstützen. Die etwas zynische Variante wäre: Aktien von Unternehmen erwerben, die von einer Bargeldabschaffung profitieren.

Zhang Danhong ist in Peking geboren und lebt seit über 20 Jahren in Deutschland.

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