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Europa

"Mein Deutsch wird in Moskau geschätzt"

Sergej Logwinow ist Russe. Er arbeitet in einem Moskauer Nobel-Hotel. Wenn deutsche Gäste kommen freut er sich besonders. Dann kann er seine Sprachkenntnisse nutzen. Denn Logwinow spricht fließend deutsch.

Sergej Logwinow (Foto: Erik Albrecht)

Sergej Logwinow

Dezente Klaviermusik klingt in der Klub-Lounge des Ritz-Carlton. Gediegene Holzvertäfelung, dezente Beleuchtung, weiche Sofas – hier treffen sich diejenigen in Moskau, die frei von Geldsorgen sind. Zu den Superreichen in Moskaus Hauptstadt gehört Sergej Logwinow nicht. Trotzdem ist er regelmäßig hier. Wäre er Gast im Hotel, fühlte er sich hier wie zu Hause. Hier habe er das Gefühl, alles sei für ihn da, sagt Logwinow. "Die Atmosphäre ist purer Luxus, finde ich." Doch bei Sergej Logwinow ist dieser Luxus Teil seiner Arbeit.

Der 33-Jährige managt die Öffentlichkeitsarbeit von Moskaus teuerstem Hotel. Er gibt Reisejournalisten Tipps, was in Moskau angesagt ist oder hilft Fernseh-Drehs zu organisieren – auch für Journalisten aus Deutschland. "Besonderen Spaß macht es mir, Moskau zu zeigen und dabei Deutsch zu sprechen", erzählt Logwinow. Gleichzeitig könne er so seine Sprachkenntnisse fit halten.

Ein Russe mit hessischem Akzent

Logwinow schreibt 'Schneeballschlacht' (Foto: Erik Albrecht)

Logwinow schreibt sein deutsches Lieblingswort "Schneeballschlacht"

Deutsch hat Logwinow von kleinauf gelernt. Als er fünf war, wurde sein Vater als Arzt beim sowjetischen Militär für fünf Jahre in die damalige DDR versetzt. Zurück in der Sowjetunion war klar: Statt Englisch oder Französisch würde Sergej Deutsch in der Schule lernen.

2001 ging es wieder für längere Zeit nach Deutschland. Als Robert-Bosch-Tutor verschlug es den jungen Russen ins hessische Marburg. In Russland hatte Logwinow da bereits als Übersetzer für Deutsch gearbeitet. Trotzdem machte ihm am Anfang der hessische Akzent zu schaffen. "Als ich 2001 nach Deutschland kam, hatte ich das Gefühl alle sprechen und ich verstehe nichts", erinnert sich Logwinow. Doch die Probleme waren nur vorübergehend. "Zwei Jahre später konnte ich selbst schon ein wenig mit hessischer Aussprache sprechen."

"Irgendwann ziemlich deutsch"

Zwei Jahre brachte Logwinow Marburger Studenten die russische Kultur näher. Gleichzeitig wollte er möglichst viel von der deutschen Kultur aufnehmen. Keine Einladung habe er am Anfang ausgeschlagen, erzählt Logwinow und rührt in seinem Tee. Irgendwann hatte er es dann geschafft, hatte sich einen deutschen Freundeskreis mit deutscher Lebensart etwa beim Frühstück oder Grillen aufgebaut.

Mit der Zeit merkte Sergej Logwinow auch, dass er die deutsche Mentalität mehr und mehr zu seiner eigenen machte. "Meine Denkweise war irgendwann ziemlich deutsch", sagt der 33-Jährige. Er habe das Gefühl bekommen, alles im Leben regeln zu müssen. Dabei passe das so gar nicht zum russischen Lebensgefühl. Vielleicht wurde das beschauliche Marburg Logwinow auch deswegen zu eng. Er ging nach Berlin. Dann zog es ihn zurück nach Russland.

Zu Hause in zwei Kulturen

Sergej Logwinow auf der Dachterrasse des Ritz Carlton (Foto: DW)

Sergej Logwinow blickt von der Dachterrasse des Ritz Carlton auf Moskau

Jetzt steht Sergej Logwinow mit seinen 1,90 Meter auf der Dachterasse des Ritz-Carlton. Unter ihm der Kreml, der Rote Platz und die Basilius-Kathedrale. Der Blick von hier oben ist für ihn der schönste der Welt. Es war schwierig, sich nach Deutschland wieder in Moskau einzuleben. Bereut hat er es trotzdem nie, zurückgekommen zu sein. "Man hat hier in Moskau ständig das Gefühl, in einem Kampf zu sein", sagt Logwinow. Aber genau das sei es, was die Stadt für viele attraktiv mache.

Trotzdem: Sein Arbeitgeber schätze an ihm vor allem, wie "Deutsch" und organisiert er in seiner Arbeit sei, sagt Logwinow mit einem Lächeln. In dem internationalen Hotel redet der 33-Jährige zwar vor allem Englisch. Doch bei der Bewerbung hat ihn seine Deutschlanderfahrung von der Masse abgehoben. Englisch spreche jeder im Tourismusbereich, sagt Logwinow. "Das kann man nicht als persönliche Errungenschaft betrachten." Deutsch sei für ihn anders. Ihn verbinde etwas mit dem Land, sagt Logwinow. "Und das ist viel mehr als die Arbeit oder mein Verdienst."

Autor: Erik Albrecht
Redaktion: Esther Broders/Gero Rueter

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