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Kultur

Mein deutsch-polnisches Weihnachten

Erlebte Weihnachtsgeschichten: DW-Mitarbeiter aus aller Welt erzählen ihre persönlichen Geschichten zu Weihnachten. Heute vom traditionellen Feiern mit Verwandten und Freunden.

Agnieszka Rycicka ist Redakteurin in der polnischen Redaktion. Sie ist in Masuren geboren und lebte in Warschau, bevor sie 2005 nach Deutschland kam. Heute lebt sie mit ihrem Mann und ihren beiden Kindern in Bonn. Agnieszka Rycicka erzählt von ihren Familientraditionen.

Für uns Polen ist Weihnachten immer ein Familienfest. Du verbringst die Zeit einfach mit der Familie. Ich versuche die Traditionen, die ich von zu Hause mitbekommen habe, an meine Kinder weiter zu geben. Das ist mir im Herzen wichtig, weil ich auch glaube, dass Traditionen für die Identität wichtig sind. Die Kinder sollen sich irgendwann klar darüber sein, wer sie sind - und sie sollen die Familientraditionen in Erinnerung behalten und für die nächste Generation hoffentlich abspeichern. Deshalb feiere ich Weihnachten ganz im Sinne meiner Familientradition.

Tradition in Haus und Küche

Mein Vater hat zum Beispiel den Weihnachtsbaum immer erst am 24. Dezember nach Hause gebracht. Somit konnte er auch nicht eher geschmückt werden, wie es in manchen anderen Familien üblich ist. Bei uns sind die Aufgaben jetzt auch klar verteilt: Mein Mann holt den Baum am 24. und kümmert sich um die Dekoration von Haus und Garten - und ich koche.

Am Heiligen Abend essen wir traditionell kein Fleisch, wir essen an diesem Tag im Allgemeinen sehr wenig. Wir trinken auch keinen Alkohol, und Süßigkeiten gibt es auch nicht. Meistens mache ich Piroggen mit Sauerkraut und Waldpilzen, und es gibt süße Klöße gefüllt mit Mohn. Ansonsten ist Karpfen unser traditioneller Weihnachtsfisch. Unser eigentliches Weihnachtsfest fängt erst am 24. um Mitternacht an. Der Tag und der Abend sind sozusagen die Erwartungsphase.

Apfelmännchen aus Äpfeln und Nüssen (Photo: Privat Agnieszka Rycicka)

Ein schönes Geschenk: Apfelmännchen

Verbindungen fern und nah

Zu unserem Weihnachten gehört auch ein Gast untrennbar dazu: Der Laptop auf dem Tisch. Via Skype sind wir mit meiner Mutter verbunden, man hat fast das Gefühl, dass sie mit dabei ist. Was auch nicht fehlen darf ist die Krippe, die jedes Jahr anders aussieht und andere Themen hat: Mal ist sie politisch motiviert, mal wird verbaut, was gerade übrig ist. Manchmal waren das schon relativ riesige Gebäude, sodass wir sie dann vor unser Haus gestellt haben, auch für vorbeikommende Passanten.

Wir leben in Muffendorf, einem wunderschönen Teil von Bonn, und bei uns ist es so üblich, dass die Nachbarschaft einen Adventskalender macht. Man kann sich dazu melden, bekommt einen der 24 Tage zugewiesen und veranstaltet an eben diesem Tag etwas. Vor zwei Jahren zum Beispiel habe ich viel Glühwein und Piroggen gemacht und Freunde von mir haben Geige und Piano gespielt und die ganze Nachbarschaft kam! Dazu haben wir selbstgebastelte Geschenke verteilt, damals waren es Apfelmännchen.

Überhaupt schenken wir uns untereinander viel Selbstgemachtes und versuchen wenig zu kaufen. Heutzutage haben wir ja alles, wenn ich das mit den Zeiten des Kommunismus vergleiche, als ich als Kind nur eine Puppe hatte und es Orangen tatsächlich nur zu Weihnachten gab. Wie ich es von zu Hause kenne, versuche ich das Fest nicht zu einem Einkaufsfest zu machen, sondern auf den religiösen und familiären Sinn Wert zu legen.

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