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Kultur

Mein deutsch-chinesisches Weihnachten

Erlebte Weihnachtsgeschichten: DW-Mitarbeiter aus aller Welt erzählen ihre persönlichen Geschichten zu Weihnachten. Heute von überraschender Stille und wunderbaren Gerüchen.

Juan Ju ist Studentin der DW-Akademie. Sie wurde 1986 in Ma‘anshan geboren, einer Stadt mit zwei Millionen Einwohnern an der Ostküste Chinas. Seit 2006 lebt sie in Deutschland. Juan Ju erzählt von ihrem ersten deutschen Weihnachten:

Es gibt einen Unterschied zwischen meinem ersten Weihnachten in Deutschland und meinem ersten deutschen Weihnachten. Ich bin 2006 nach Leipzig gekommen, um die Sprache zu lernen. Damals habe ich Weihnachten mit den Asiaten aus unserem Kurs verbracht, weil alle Europäer zu ihren Familien nach Hause gefahren sind.

Stiller Heiliger Abend

An Heilig Abend wollten wir ausgehen, weil wir dachten, es wäre wie in Asien: viel los in der Stadt! In China treffen sich die jungen Leute in den Städten am 24. Dezember zum gemeinsamen Essen und später zum Karaoke-Singen und zum Tanzen. An diesem Abend 2006 habe ich realisiert, dass Heilig Abend in Deutschland ein richtiges Familienfest ist. Es war sehr still und sehr ruhig überall und ich hatte zum ersten Mal nach meiner Ankunft Heimweh. Ich komme aus einer kleinen Stadt in der Nähe von Shanghai. Dort ist immer viel los und auch an diesem Abend sind viele Leute unterwegs. Als das Feuerwerk in China noch nicht verboten war, wurde auch noch richtig geknallt. Ganz im Gegensatz zu hier - hier ist es still am Heiligen Abend.

Überraschendes Essen

Im zweiten Jahr dann wurde ich von einer deutschen Familie in Leipzig eingeladen und habe mein erstes deutsches Weihnachten erlebt. Auch das war ganz anders, als ich gedacht hatte - vor allem was das Essen betraf: Es gab an diesem Abend Kartoffelsalat mit Würstchen! In China ist Essen sehr wichtig, vor allem für ein großes Fest. Es muss festlich sein und auch vielfältig. Ich dachte bei mir: Kartoffelsalat mit Würstchen? Das soll ein festliches Essen sein? Aber dann erklärten mir die Gastgeber, dass das ein Weihnachtsklassiker ist, ein traditionelles Essen, und am nächsten Tag isst man dann richtig: gebratene Gänse.

Ein verkleideter Weihnachtsmann sitzt in einem Schaufenster, neben ihm eine Kinderschar (Photo: Privat: Juan Ju)

Alle Kinder glauben an den Weihnachtsmann ...

Es war eine großartige Atmosphäre und ein ganz anderes Familienfest als bei uns in China. Wir feiern Neujahr als Familienfest. An diesem Tag überreicht man Geldgeschenke in roten Umschlägen, weil rot Glück bringt, denken die Chinesen. In Leipzig haben alle allen ein Geschenk besorgt und unter den Tannenbaum gelegt. Es gab Bescherung - das finde ich sehr, sehr familiär und einfach gemütlich. Es wurde auch gesungen, ich zwar nicht, aber ich habe mich sehr eingebunden gefühlt.

Weihnachtliche Gerüche

Am nächsten Tag, dem 1. Weihnachtstag, wurden dann Gänse gegessen. Und zwischendurch gab es immer Stollen - selbstgebacken von der Großmutter. Sie erzählte auch, der Legende nach solle der Stollen an das in Windeln gewickelte Jesuskind erinnern.

Inzwischen lebe ich zwar in Köln, aber Weihnachten feiere ich noch immer in Leipzig. Ich liebe den Weihnachtsmarkt, den Geruch von Weihnachten! Den ganzen Dezember riecht es nicht so trocken kalt wie im Januar, aber es ist auch nicht mehr so windig wie im November. Es riecht einfach nach Weihnachten: nach Glühwein, Zimt, nach Süßigkeiten und den Räuchermännchen. Ja, ich liebe diesen Geruch.