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Kultur

Mehrsprachigkeit - ein europäischer Trumpf

Englisch alleine reicht nicht mehr – zum Weiterkommen benötigt man mehr. Das Projekt "Sprache ohne Grenzen" des Goethe-Instituts soll helfen. Ein Gespräch mit Anita Boomgarden.

Bild von Anita Boomgaarden. Undatierte Aufnahme, Eingestellt 22.06.2009, Freigabe durch: Anita Boomgaarden, Goethe-Institut e.V., Zentrale München - Abteilung Sprache (40), Projektmitarbeit Sprachen ohne Grenzen

DW-WORLD.DE: Frau Boomgarden, Sie arbeiten beim Goethe Institut in München an dem Projekt „Sprache ohne Grenzen" mit -was ist die zentrale Idee des Projekts?

Anita Boomgaarden: Das Projekt soll dazu beitragen, die Mehrsprachigkeit in der EU - und nicht nur dort - als kostbares und kulturell relevantes Gut zu erhalten. Durch das weltumspannende Netzwerk der Goethe-Institute können wir in diesem Projekt den Blick auf die Mehrsprachigkeit aus den unterschiedlichsten Perspektiven zeigen. Besonders interessant sind da ganz selbstverständlich mit Mehrsprachigkeit umgehende Länder wie Indien oder Südafrika. Aber auch in Japan, wo die Vielstimmigkeit Europas exotisch wirkt, gibt es großes Interesse an diesem Teil unserer Kultur. Alle Projekte, die weltweit dazu stattgefunden haben, werden auf der großen Abschlussveranstaltung vom 17. bis 19. September in der Akademie der Künste in Berlin nochmals kurz präsentiert.

Wie sahen, wie sehen die wichtigsten Projekte aus, die es zum Thema Mehrsprachigkeit gibt?

Ich denke, man kann die vielen sehr unterschiedlichen Projekte nicht hierarchisch sortieren, aber es gibt natürlich Projekte, die sich gut präsentieren lassen oder Verbundprojekte, die in ihrem Zusammenwirken mir Partnern besonders große Reichweite haben. Dazu gehören "Slamming Europe" aus Japan oder auch der Handyvideo-Wettbewerb, der gleich zu Beginn die Aufmerksamkeit Jugendlicher auf das Projekt gelenkt hat. Aber wichtig sind beispielsweise auch Konferenzen, wie die zu "Frühes Fremdsprachenlernen", die in Ljubljana stattgefunden hat - wie kann das Potential, das Kinder beim Lernen mitbringen, genutzt werden? Oder die Konferenz zu "Sprache und Integration" im September in Berlin. Menschen werden sensibilisiert dafür, dass das Fremde nur aus ihrem Blickwinkel fremd ist und auch nur so lange, bis man es sich selbst aneignet. Dann kann man schnell zum Fan werden. Vielen geht das mit einer Sprache so und dann auch gleich mit der Kultur.

Warum beschäftigt sich gerade das Goethe-Institut mit dem Thema Mehrsprachigkeit?

Eine zentrale Aufgabe des Goethe-Instituts ist natürlich die Förderung der deutschen Sprache. Da aber in den letzten Jahren Englisch zunehmend die Rolle einer lingua franca, also einer dominanten Arbeitssprache, übernommen hat, lässt sich für eine einzelne Fremdsprache nicht mehr überzeugend werben. Darum plädieren wir nun zusammen mit unseren Partnern in Deutschland und im Ausland für die Förderung von Mehrsprachigkeit. Der Einsatz für die Mehrsprachigkeit ist immer auch der Einsatz für das Deutschlernen. Als europäisches Kulturinstitut sind wir natürlich auch daran interessiert, dass wir Europäer mit dem wertvollen aber auch manchmal heiklen Gut Sprache sorgsam umgehen. Denn auch das entscheidet darüber, ob Europa als Gemeinschaft für seine Mitglieder vertrauenswürdig ist. Wer mehrsprachig ist, hat Vorteile. Der interkulturelle Dialog und die kulturelle Vielfalt bewahrt und fördert auch unsere Kultur und Sprache.

Die ganze Welt spricht Englisch, Spanisch ist auf dem Vormarsch, auch Chinesisch wird verstärkt gelernt – welche Rolle kann denn Deutsch in mehrsprachigen Gesellschaften spielen?

Da wäre zum einen die Europäische Union, in der Deutsch seinen Platz als meistgesprochene Muttersprache hat und sich mit Französisch den zweiten Platz der am häufigsten gesprochenen Fremdsprachen teilt; zum anderen existieren mehrsprachige Gesellschaften innerhalb Europas, wie zum Beispiel die Schweiz. Die deutsche Sprache prägt die intellektuellen Diskurse in Europa, durch die vielen Sprecher und die vielen Staaten in denen Deutsch offiziell eine Rolle spielt. Für andere Gesellschaften spielt Deutsch insofern eine Rolle, dass man in der heutigen Zeit immer von einem Gedanken ausgehen muss: Eine Sprache zu lernen ist ein sehr zeitaufwendiger Prozess. Was bringt mir Deutsch? Da kommt zum einen wieder die große Gruppe derer ins Spiel, mit denen ich Deutsch sprechen kann, aber zum anderen muss auch inhaltlich Interesse und vor allem Empathie geweckt werden. Wissenschaft, Kunst oder auch ein weltoffenes, zukunftsfähiges Verfassungs- und Rechtssystem spielen eine Rolle.

Welche Möglichkeiten gibt es –jenseits klassischer Sprachkurse- Interesse für die deutsche Sprache zu wecken?

Es gibt so viele Möglichkeiten und Formate und unsere Sprache und Kultur bietet so viel, dass man wie in ein Füllhorn greift. Mit den einzelnen Projekten sprechen wir sehr unterschiedliche Zielgruppen an. Wer Interesse an unserer Kultur hat, bekommt auch Lust auf die Sprache.

Das Gespräch führte: Ramón García-Ziemsen

Redaktion: Sabine Oelze