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Aktuell Deutschland

Mehrjährige Haftstrafen im Prozess um Jonny K.

Die tödliche Prügelattacke gegen Jonny K. in Berlin hatte im Oktober 2012 bundesweit für Aufsehen gesorgt. Nun müssen sechs junge Männer für mehrere Jahre ins Gefängnis.

Gegen den 20-jährigen Onur U. als Haupttäter verhängte das Berliner Landgericht eine Jugendstrafe von viereinhalb Jahren, unter anderem wegen Körperverletzung mit Todesfolge. Die übrigen vier Angeklagten im Alter zwischen 19 und 25 Jahren wurden wegen gefährlicher Körperverletzung zu Freiheitsstrafen zwischen 27 und 32 Monaten verurteilt.

"Es hat sich eine Tragödie abgespielt, bei der ein hilfsbereiter junger Mann ohne Anlass sein Leben verlor", sagte der Vorsitzende Richter Helmut Schweckendieck. Das Geschehen habe im Prozess nicht lückenlos geklärt werden können.

Keiner der Angeklagten bekannte sich zu tödlichen Tritten

Die Staatsanwaltschaft hatte am Montag Haftstrafen zwischen zweieinhalb und fünfeinhalb Jahren gefordert. Die Verteidiger plädierten auf Bewährungsstrafen. Im Prozess hatten alle sechs Angeklagten eingeräumt, an der Tat beteiligt gewesen zu sein. Jedoch bekannte sich keiner von ihnen zu den tödlichen Tritten.

Der Verteidiger des Haupttäters kündigte an, in Revision zu gehen. "Das Urteil ist deutlich zu hoch", sagte Anwalt Axel Weimann am Donnerstag. Onur U. sei fassungslos, sagte Weimann. Er habe sich nicht vorstellen können, dass er wegen einer Tat verurteilt werde, die er nicht begangen habe.

Jonny K. war im Oktober 2012 am Berliner Alexanderplatz mit Tritten und Schlägen so heftig attackiert worden, dass er kurz darauf an Gehirnblutungen starb. Bei dem Angriff wurde auch ein Freund des jungen Berliners schwer verletzt. Der Fall des jungen Mannes mit thailändischen Wurzeln hatte bundesweit für Entsetzen gesorgt und eine neue Debatte über Jugendgewalt ausgelöst.

Zur Verkündung des Urteils war auch die Schwester des Opfers, Tina K., mit ihrer Mutter erschienen. Sie sagte nach der Entscheidung der Richter, sie sei froh, dass alle Angeklagten Haftstrafen bekommen hätten. Dennoch wisse sie immer noch nicht, wer ihren Bruder getötet habe. Reue habe sie bei allen Männern nicht erkennen können. Der Anwalt von Tina K. sprach von einem "ausgewogenen und angemessenen Urteil".

Der vorbestrafte Onur U. war zunächst in die Türkei geflüchtet. Erst nach monatelangem Tauziehen stellte er sich den deutschen Behörden.

rk/sti/kle (dpa, afp)

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