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Aktuell Afrika

Mehrheit wie erwartet für Bouteflika

Er regiert wie ein König und wird dies, trotz schwerer Krankheit, weiter tun: Algerien hat den Präsidenten Abdelaziz Bouteflika im Amt bestätigt. Nach offiziellen Ergebnissen erhielt Bouteflika 81,5 Prozent der Stimmen.

Die Anhänger des Staatschefs hatten schon vor der Bekanntgabe in der vergangenen Nacht die Wiederwahl Bouteflikas gefeiert. Dessen Hauptrivale, Ex-Regierungschef Ali Benflis, kündigte an, er werde das Ergebnis wegen "massiven Betrugs und gravierender Unregelmäßigkeiten" nicht anerkennen. Die Beteiligung sank nach offiziellen Angaben auf gut 50 Prozent. Die Bekanntgabe des Wahlergebnisses verzögerte sich am Freitag um zwei Stunden. Und dann teilte das Innenministerium in Algier diese Zahl mit: 81,5 Prozent!

Ein seltenes Bild

Fast 23 Millionen Menschen waren am Donnerstag aufgerufen, über den Präsidenten des öl- und gasreichen Maghreb-Staats zu entscheiden. Trotz seiner nach einem Schlaganfall angeschlagenen Gesundheit und obwohl er im Wahlkampf nicht aufgetreten war, galt Bouteflika als klarer Favorit. Am Donnerstag war er wieder einmal zu sehen, als er im Rollstuhl sitzend seine Stimme abgab. Es war der erste öffentliche Auftritt seit zwei Jahren.

Bouteflika-Anhänger in Algerien (Foto: Getty)

Die Anhänger feiern ihren Herrscher

Bouteflika ist schon jetzt der am längsten amtierende Präsident des flächenmäßig größten afrikanischen Landes. Der 77-Jährige darf als Ausnahme unter den nordafrikanischen Staatschefs bezeichnet werden. Im Gegensatz zu seinen langjährigen Amtskollegen aus Libyen, Tunesien und Ägypten überstand er die Revolutionswelle in der Region nahezu unbeschadet und wurde nicht gestürzt. Zwar kann er in seinem Alter und seinen schweren Gesundheitsproblemen kein Hoffnungsträger für die Zukunft des Landes sein. Aber viele Algerier sehen derzeit keine Alternative zu ihm als Garanten der Stabilität in einer Welt gefährlicher Krisen.

Als der ehrgeizige Politiker 1999 an die Macht kam, hatte Algerien einen Bürgerkrieg mit schätzungsweise 150.000 Toten hinter sich. Bouteflika setzte sich für ein Friedensabkommen mit den Islamisten sowie eine Amnestie für Tausende Kämpfer ein. Auf diese Weise gelang es ihm, den Terror einzudämmen und das Land vorsichtig zu modernisieren. Kritiker werfen Bouteflika allerdings vor, Teil eines korrupten Staatsapparates zu sein.

Ein Bündnis von Oppositionsparteien hatte zum Boykott der Wahl aufgerufen. Nur etwa jeder zweite Wahlberechtigte gab seine Stimme ab. Das Innenministerium nannte in der Nacht eine Beteiligung von 51,7 Prozent. Bei der letzten Präsidentschaftwahl vor fünf Jahren hatten offiziell noch drei von vier Berechtigten gewählt.

Unterdrückung der Opposition

In dem autoritär geführten Staat gibt es trotz des Ölreichtums große soziale Probleme, die Arbeitslosigkeit ist hoch, die Korruption grassiert. Menschenrechtsgruppen kritisieren auch eine Unterdrückung von Opposition und Medien. Doch noch sieht es so aus, als könne der Hoffnungsträger von gestern auch morgen regieren.

ml/haz (rtr,dpa,afp)