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Fokus Osteuropa

Mehrheit der Kroaten ist gegen EU-Beitritt

Neben Bulgarien und Rumänien macht sich auch Kroatien Hoffnungen auf eine baldige Aufnahme in die EU. Neueste Umfragen zeigen jedoch: Nur ein Drittel der kroatischen Bevölkerung befürwortet momentan den EU-Beitritt.

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Auf den Straßen Kroatiens sieht man einen EU-Beitritt zurzeit skeptisch

Vor zwei Jahren, kurz nachdem Kroatien offiziell den Antrag auf Vollmitgliedschaft in der EU gestellt hatte, waren noch 82 Prozent der Kroaten für den Beitritt. Seitdem sinkt aber die Zahl der Befürworter kontinuierlich. Und es scheint, dass dieser negative Trend nicht zu stoppen ist: Nach der neuesten Umfrage des Zagreber Meinungsforschungsinstituts PULS sind sogar schon 57 Prozent der Kroaten gegen einen EU-Beitritt, nur 34 Prozent sind dafür.

Der Meinungsforscher Dragan Bagic vom Institut PULS erklärt die wachsende Europa-Skepsis der Kroaten so: „Es gibt vor allem einen kontinuierlichen Druck der Europäischen Union auf Kroatien, zumindest empfinden es so die kroatischen Bürger, was ein Teil der kroatischen Bürger als Ablehnung, als unnötigen Druck empfindet. Und dass führt zur Gegenreaktion, also zur Ablehnung der anderen Seite."

Ursachen

Der Druck war in den letzten Monaten vor allem in Zusammenhang mit dem

Kriegsverbrechertribunal in Den Haag zu spüren: Aus Brüssel kam die scharfe Kritik, dass

die kroatischen Behörden zu wenig zur Ergreifung des gesuchten ehemaligen Armee-Generals Ante Gotovina getan hätten. Ihm werfen die Haager Ankläger Kriegsverbrechen während der Militäraktion "Sturm" im Jahre 1995 vor.

Eine Reihe weiterer Gründe für die sinkende Beitrittslust der Kroaten sieht Bagic in der Europäischen Union selbst - angefangen bei der hohen Arbeitslosigkeit in vielen EU-Mitgliedstaaten über die angebliche Verteuerung nach der Euro-Einführung bis zur Krise mit der Annahme der gemeinsamen Verfassung. Meinungsforscher Bagic erklärt: „Eine ganze Menge von negativen Informationen über den Lebensstandard in der EU und die wirtschaftliche Lage der letzten Jahre führt dazu, dass ein Teil der Bürger den Eindruck hat, dass die EU nicht hundertprozentiger Garant der Lösung der sozialen und wirtschaftlichen Probleme in Kroatien ist. Zweiter wichtiger Punkt ist, dass auch in der EU eine 'Krise' der Idee der europäischen Einigung existiert, was am besten zum Ausdruck kam bei der Ablehnung der Verfassung in einigen Mitgliedsstaaten."

Erwartungen und Ängste

Von der Europäischen Union erwarten viele Kroaten eine Verbesserung ihrer wirtschaftlichen Lage. Eine wichtige Rolle spielt zudem die Hoffnung auf mehr Rechtsstaatlichkeit. „Ich meine, dass wir durch den EU-Beitritt endlich ein ordentlich funktionierender Staat würden, dass wir zivilisierte Gesetze bekämen. Ich glaube, dass das ein Fortschritt wäre, dass Gesetze endlich umgesetzt würden, dass Rechtsstaat, den wir uns alle so wünschen, funktionieren würde und dass nicht solche Sachen passieren wie jetzt.", sagt etwa ein Passant in Zagreb. Die Gegner befürchten hingegen, dass sich die persönliche wirtschaftliche und soziale Lage mit dem EU-Beitritt nicht verbessert, sondern verschlechtert:

Eine Frau sagt auf die Frage nach ihrer Einstellung zum Beitritt Kroatiens: „Nein, ich unterstütze den Beitritt nicht, weil ich meine, dass das nicht gut für Kroatien ist. Kroatien kann auch ohne die EU leben. Wir sind sehr reich, wir müssen nur arbeiten." Ein Mann ergänzt: „Ich bin dagegen, weil uns die EU auch bis jetzt verschiedene Bestimmungen aufgezwungen hat. Das gefällt mir nicht."

Ist der europa-skeptische Trend der Kroaten umzukehren? Meinungsforscher Dragan Bagic meint: Ja. Aber dazu müssten zwei Voraussetzungen erfüllt sein: „Ich denke, dass eine wesentliche Voraussetzung der Beginn der Beitritts-Verhandlungen ist. Zweite Voraussetzung ist, dass den kroatischen Bürgern präzise erklärt wird, was die Europäische Union eigentlich bedeutet. Das heißt, eine Erläuterung der guten wie auch der schlechten Seiten, sowie die Zerschlagung des Mythos, dass der Beitritt zur EU allein alle Probleme löst."

Anto Jankovic

DW-RADIO/Kroatisch, 8.9.2005, Fokus Ost-Südost

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