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Ägypten

Mehrere Tote bei Jahrestag der Revolution in Ägypten

Auch am vierten Jahrestag der Revolution beweist das Regime in Ägypten seine Macht mit aller Härte - und löst Proteste im Land binnen Minuten auf. Zahlreiche Menschen werden dabei getötet.

Bei Demonstrationen am vierten Jahrestag des Volksaufstandes sind in Ägypten mindestens 17 Menschen getötet worden. Zahlreiche weitere wurden verletzt. Allein im Kairoer Stadtteil Matarija starben mindestens zehn Menschen, unter ihnen auch ein Polizist. Das im Norden Kairos gelegene Viertel gilt als eine Hochburg der Muslimbrüder. Seit dem Sturz Mursis und einer Reihe von Anschlägen wird sie in Ägypten als
Terrororganisation eingestuft. Weitere drei Demonstranten und zwei Polizisten seien bei anderen Zusammenstößen in Kairo ums Leben gekommen, teilte das
Gesundheitsministerium mit.

Tahrir-Platz abgeriegelt

In Alexandria wurde ein Islamist bei einer Demonstration erschossen. Nach offiziellen Angaben war der mit einem automatischen Gewehr bewaffnete Mann Mitglied der Muslimbruderschaft. Ein weiteres bewaffentes Mitglied sei verhaftet worden. Die Bruderschaft wird seit dem Sturze des islamistischen Präsidenten Mohammed Mursi im Sommer 2013 als Terrororganisation eingestuft. Die Polizei vereitelte zudem nach eigenen Angaben einen Anschlag im nordägyptischen Buhaira. Die Extremisten hätten versucht, eine Bombe bei einem Strommast zu platzieren.

Auf den Hauptstraßen in Kairo standen Polizisten mit Maschinenpistolen Wache. Der Tahrir-Platz wurde von gepanzerten Armeefahrzeugen abgeriegelt. Lediglich einige Dutzend Anhänger von Präsident al-Sisi versammelten sich auf dem Platz. Sie hielten ägyptische Flaggen hoch und riefen "Es lebe Ägypten".

Junge Demonstrantin erschossen

Bereits am Samstagabend war in Kairo unweit des Tahrir-Platzes eine Demonstrantin bei einem Trauermarsch für die Opfer der Revolution getötet worden. Die 32-jährige Schaima al-Sabagh sei mit Schrotkugeln erschossen worden, teilten Aktivisten auf einer Pressekonferenz mit. Polizisten hätten die Schüsse abgefeuert, um den Marsch gewaltsam aufzulösen. Das Innenministerium hingegen machte nicht näher definierte "Bewaffnete" verantwortlich. Die Kairoer Staatsanwaltschaft versprach, die bei der Auflösung des Trauermarsches beteiligten Beamten zu befragen. Nach lokalen Medienberichten versammelten sich Hunderte Menschen zur Beerdigung Al-Sabaghs in ihrer Heimatstadt Alexandria.

Ägypten kommt nicht zur Ruhe

Die Revolution in Ägypten hatte am 25. Januar 2011 begonnen und wenige Wochen später zum Sturz des langjährigen Staatschefs Husni Mubarak geführt. Das nordafrikanische Land kommt seitdem nicht zur Ruhe. Der Mitte 2012 erste frei gewählte Präsident Ägyptens, der Islamist Mohammed Mursi, wurde nach einem Jahr im Amt vom Militär gestürzt, das daraufhin die Macht übernahm.

Seitdem geht das Regime mit aller Härte gegen Anhänger der Mursi nahe stehenden islamistischen Muslimbruderschaft vor. Zudem greifen die Behörden verstärkt gegen linke und säkulare Oppositionelle durch, die zwar den Sturz Mursis guthießen, aber auch den Nachfolger Abdel Fattah al-Sisi kritisieren. Die Sicherheitskräfte hatten gewarnt, an dem Jahrestag gegen jeglichen Protest "entschlossen" vorzugehen.

cr/rb (dpa, afp)