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Europa

Mehrere mögliche Polonium-Strahlenopfer in Hamburg entdeckt

In Hamburg sind mehrere Menschen, darunter auch Kinder, mit dem russischen Ex-Agenten Dmitri Kowtun in Kontakt gekommen. Dabei wurden sie in noch unbekanntem Ausmaß mit dem Strahlengift Polonium 210 kontaminiert.

Ein Beamter des Bundesamtes für Strahlenschutz schneidet auf einem Grundstück in Haselau (Kreis Pinneberg) Proben aus dem Sitzpolster eines BMW.

Müssen jetzt auch Bürger in Deutschland Angst vor Polonium-Strahlung haben?

Bei der Ex-Frau Kowtuns, ihren beiden ein und drei Jahre alten Kindern und ihrem Lebensgefährten seien Anzeichen für eine Kontamination festgestellt worden, sagte Thomas Menzel, Leiter der Sonderkommission "Dritter Mann", am Montag (11.12.) in Hamburg. Ob sie das Strahlengift auch in den Körper aufgenommen haben, werde noch untersucht.

Die möglichen Strahlenopfer wurden noch am Nachmittag zu einer genaueren Untersuchung in das Allgemeine Krankenhaus St. Georg gebracht. Ergebnisse der Tests werden erst im Laufe der Woche erwartet. Alle vier Personen hatten Kontakt zu dem russischen Ex-Agenten Kowtun, der in den Strahlengiftmord an Alexander Litwinenko in London verstrickt ist.

Merkel: "Keine Sorge!"

Bereits am Wochenende hatten Spezialisten der Polizei in Hamburg Spuren des hochgiftigen Poloniums 210 entdeckt. Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) sagte daraufhin am Sonntagabend in der ARD-Sendung "Beckmann" (Ausstrahlung Montagabend), die Bürger in Deutschland müssten sich wegen der in Hamburg nachgewiesenen Spuren der radioaktiven Substanz Polonium 210 keine Sorgen machen, da die Strahlung von Polonium nicht sehr weit reiche.

Dmitri Kowtun

Dmitri Kowtun (Archivbild)

Unterdessen erhielt die Hamburger Sonderkommission "Dritter Mann" am Montag Verstärkung aus Großbritannien: Ein Scotland-Yard-Beamter wird die deutschen Beamten bei ihren Ermittlungen unterstützen. Die Sonderkommission soll vor allem die Rolle des Ex-Agenten und Geschäftsmannes Dmitri Kowtun aufklären, der den radioaktiven Stoff nach Hamburg und in den Kreis Pinneberg gebracht haben soll. Nach bisherigen Ermittlungen war Kowtun am 28. Oktober von Moskau nach Hamburg geflogen. Am 1. November flog er zu dem Treffen mit Litwinenko nach London, an dem auch der Ex-Geheimdienstler und Geschäftsmann Andrej Lugowoi teilnahm. Kowtun und Lugowoi leiden nach russischen Medienberichten inzwischen an einer Strahlenerkrankung und werden in Moskauer Kliniken behandelt.

Schlüsselzeuge wird in Moskau befragt

Die Polizei setzte am Montag die Untersuchung mehrerer Wohnungen in Hamburg-Ottensen und eines Anwesens im Kreis Pinneberg fort. Dort hatte sich Kowtun vor dem Treffen mit Litwinenko aufgehalten. Die Hamburger Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Kowtun wegen unerlaubten Umgangs mit und Missbrauchs von radioaktiven Stoffen. Es bestehe im Augenblick ein hinreichender Anfangsverdacht, dass Kowtun das Polonium nach Hamburg gebracht habe, sagte der leitende Oberstaatsanwalt Martin Köhnke. Insofern gelte Kowtun als Täter.

Derweil befragten britische und russische Ermittler am Montag nach tagelanger Verzögerung in Moskau den Schlüsselzeugen im Litwinenko-Fall. Der frühere Geheimdienstler und jetzige Geschäftsmann Andrej Lugowoi werde in einer abgeschirmten Klinik in Moskau befragt, meldete die Nachrichtenagentur Interfax. Lugowoi hatte das Treffen am 1. November in einem Londoner Hotel organisiert, bei dem Litwinenko vermutlich mit dem radioaktiven Polonium 210 vergiftet wurde. Litwinenko hatte vom Sterbebett aus dem russischen Präsidenten Wladimir Putin vorgeworfen, seine Ermordung befohlen zu haben. (ana)

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