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Kultur

Mehr Zeit für Kunst: Eiskellerberg TV

Wir interessieren uns für Kunst! Wir sind aber oft unzufrieden mit den üblichen Fünf-Minuten-Beiträgen, die es im Kulturfernsehen zu sehen gibt. Prima, dass es Kunstblogs wie Eiskellerberg TV im Internet gibt.

Öl auf Leinwand © Erik Bulatov / VG Bild-Kunst, Bonn, 2003 / The Norton and Nancy Dodge Collection of Nonconformist Art from the Soviet Union, Jane Voorhees Zimmerli Art Museum, Rutgers, The State University of New Jersey / ADAGP, Paris (Foto: Jack Abraham)

Erik Bulatov: Vor dem Fernseher, 1982-85

Ein verschneiter Donnerstagmorgen im Dezember. Der Termin für ein Treffen mit den Machern von Eiskellerberg TV passt wie die Faust aufs Auge. Obwohl der Name eigentlich nichts mit dem Winter zu tun hat. Eiskellerberg 1 - so lautet die Adresse des Kunstblogs aus Düsseldorf. Hinter dem Internetprojekt stecken der Filmemacher Thom de Bock und der Kunstjournalist Carl Friedrich Schröer. An diesem Morgen sind sie für einen neuen Film unterwegs ins Museum Morsbroich in Leverkursen. In der Ausstellung "Die postironische Generation" treffen sie Künstler zum Interview. "Heute versuchen wir das neue Rheinland zu knacken", sagt Carl Friedrich Schröer.

Internet statt Fernsehen

In der Leverkusener Ausstellung werde einmal mehr der Mythos einer wieder erwachenden Kunstszene am Rhein beschworen. Das gelte es kritisch zu überpürfen. Thom de Bock packt sein Equipment aus. HDV-Kamera, Mikrofone, Stativ. Die Bilder sind gestochen scharf, die Thom de Bock und Carl Friedrich Schröer für ihren Blog produzieren. Der Anspruch ist hoch.

Anders als beispielsweise der deutsche Kunstblog-Pionier "Vernissage TV" aus Berlin stellen sie nicht einfach unkommentierte Fime ins Netz. Sie arbeiten mit Zwischentexten und stellen auch längere Textbeiträge auf die Seite. Als die beiden Eiskellerberg TV gründeten, ging es ihnen um einen kritischen Blick auf die verfilzte Kunstszene, um eine unabhängige Berichterstattung. "Wenn man mit der Kunst umgeht, wird man ganz schnell als verlängerter Arm des Museums betrachtet", so Schröer. Da graust es dem 56-Jährigen nur. Werbung für Institutionen oder Künstler zu machen, das komme für ihn nicht in Frage.

In der Kunstwelt etabliert

Jonathan Meese zu Besuch bei Eiskellerberg-TV (Foto: Eiskellerberg-TV)

Jonathan Meese bei eiskellerberg.tv, Screenshot

In der Kunstszene ist der Blog ein fester Begriff. Der Solinger Künstler Markus Karstiess, der ebenfalls an diesem Morgen interviewt wird, hat sich längst vom traditionellen Fernsehen verabschiedet und stellt sich seine Informationen nur noch im Internet zusammen. "Eiskellerberg TV lässt sich Zeit", so Karstiess, "das merkt man den Beiträgen auf angenehme Weise an. Ich gucke ein bis zweimal die Woche auf die Seite, ob es etwas Neues gibt." Abonennten können sich neue Filme aber auch gratis ins persönliche Postfach schicken lassen.

Experimentelles geht vor

Carl Friedrich Schröer und Thom de Bock postieren an diesem Dezembermorgen den Kölner Künstler Jan Scharrelmann vor seiner Skulptur "Mad Hole", die aussieht wie ein gigantischer Mondkrater aus neonpinken und grünen Styroporblöcken. Carl Friedrich Schröer hätte es am liebsten, wenn der Künstler für das Interview in seine Skulptur hineinklettern würde. Denn nicht nur inhaltlich auch ästhetisch will Eiskellerberg TV eigene Wege gehen. Das Ergebnis ihrer lustigen Einfälle kann sich sehen lassen. Einmal wurde zum Beispiel Jonathan Meese von einem kleinen Mädchen interviewt. Das ist nicht nur irgendwie rührend, sondern sehr erhellend, wenn die circa achtjährige Berta sagt: "Ich wollte dich mal fragen, warum willst Du eigentlich Kunst machen?" und Meese von seiner Mutter erzählt, die immer gesagt habe, er solle mal "machen".

Solche Experimente findet man im analogen Fernsehprogramm selten bis gar nicht. "Von den Künstlern lernen", lautet die Devise von Eiskellerberg TV. "Die Künstler probieren ja auch immer etwas Neues aus, sie wollen etwas Originelles machen. Wenn uns das gelingen würde, das wäre toll", so Schröer. Eiskellerberg TV hat zwar keinen Businessplan. Carl Friedrich Schröer und Thom de Bock betreiben das Projekt mit Sponsorengeldern und mit Werbeeinnahmen. Ihr Idealismus und die Hoffnung auf den großen Durchbruch treibe sie an, so Schröer. "Vielleicht hat man ja irgendeine Maschine erfunden, wie das Auto oder das Kino und dann wird es so etwas wie ein Welterfolg."

Autorin: Sabine Oelze
Redaktion: Marlis Schaum

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