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Politik

Mehr Wissenschaft, weniger Wirtschaft

Im Zentrum des Indienbesuchs von Bundespräsident Johannes Rau vom 1. März an stehen nicht die Wirtschaftsbeziehungen. Stattdessen soll der politische Dialog und die Wissenschafts-Kooperation gefördert werden.

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Keine Kulturreise - Rau möchte die den Wissenschaftsdialog verstärken

Indien soll als Demokratie der Rücken gestärkt werden - so lässt sich die politische Dimension der Rau-Reise zusammenfassen. In Indien ist die Meinung weit verbreitet, Europa und insbesondere auch Deutschland vernachlässige in seiner China-Begeisterung die "größte Demokratie der Welt".

Einigkeit im Irak-Konflikt

Dass dem nicht so ist, wird der Bundespräsident in seinen Gesprächen mit Regierung und Opposition bekräftigen. Mit indischen Intellektuellen trifft sich Rau gleich mehrfach zum Gedankenaustausch - unter anderem über die Folgen des 11. September. Auch das zeigt den Respekt, den der Bundespräsident der politischen Kultur Indiens zollt.

In den deutsch-indischen Beziehungen gibt es wenig Konfliktstoff: Zweifellos wird auch die Irak-Krise zur Sprache kommen. Größere Meinungsverschiedenheiten dürfte es dabei nicht geben. Indien ist ebenso wie Deutschland gegen einen Krieg am Golf. Es wäre auch ganz unmittelbar betroffen, denn drei Millionen Inder leben und arbeiten in der Region. Bereits beim letzten Golfkrieg mussten sie spektakulär mit Flugzeugen evakuiert werden.

Indien Kaschmir

Auch ein Thema: der Kaschmir-Konflikt

Auch den Kaschmir-Konflikt zwischen den nuklear aufgerüsteten Nachbarn Indien und Pakistan wird Johannes Rau ansprechen. Es ist bekannt, dass Außenminister Joschka Fischer diesen Krisenherd zu den gefährlichsten weltweit rechnet. Eine direkte internationale Vermittlung zwischen Indien und Pakistan lehnt Indien aber weiterhin ab. In Berlin weiß und respektiert man das.

Werbung für Deutschlands Unis

Die Hauptrede des Bundespräsidenten findet nicht zufällig an der Universität von Hyderabad statt. Es geht dabei auch um Werbung für den Forschungs- und Studienstandort Deutschland. Denn alle Bemühungen haben bisher weniger indische Computer-Experten nach Deutschland gelockt als ursprünglich erhofft. Einzelne rassistische Angriffe auf Südasiaten in Deutschland sind in Indien ebenso aufmerksam registriert worden wie ein Wahlkampf-Slogan der oppositionellen CDU bei den Landtagswahlen in Nordrhein-Westfalen im Jahr 2000. "Kinder statt Inder", lautete der Slogan - gemeint als Plädoyer für eine familienfreundlichere Politik, die sinnvoller und wichtiger sei, als die Anwerbung etwa indischer IT-Experten.

Dennoch ist die wissenschaftliche Zusammenarbeit gut: Gleich mehrere Direktoren der 'Indian Institutes of Technology', den in Indien führenden naturwissenschaftlichen Forschungsinstituten, sind in Deutschland ausgebildet worden. Das zeigt, dass Kooperation keine Einbahnstraße ist und nicht nur "Brain Drain" (Abwanderung von Leuten mit Wissen und Kompetenz) aus dem ärmeren Süden in den besser zahlenden Norden bedeuten muss.

Deutsche Technik gefragt

Wie bei Staatsbesuchen üblich, wird der deutsche Bundespräsident von einem Tross an Politikern und Fachleuten aus verschiedenen Bereichen begleitet. Darunter sind Wolfgang Frühwald von der Humboldt-Stiftung und Arend Oetker, Präsident des Stifterverbands für die Deutsche Wissenschaft, die Gespräche zur akademischen Kooperation führen wollen. Und dazu gehört auch Hermann Scheer, ein Bundestagsabgeordneter und Solarenergie-Experte. Indien ist sehr interessiert an deutschem Know-how in der Solar- und Windenergie. Sie soll künftig bei einer dezentralen Energieversorgung des Subkontinents eine größere Rolle spielen.

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