1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Europa

Mehr Unterstützung beim Coming-Out

Rotterdam ist "Europäische Jugendhauptstadt 2009". Das ganze Jahr sollen die Träume und Sorgen Jugendlicher im Mittelpunkt stehen. Dadurch erhofft sich auch die Homosexuellen-Organisation "Apollo" mehr Aufmerksamkeit.

Männer tragen Regenbogenfahne

Symbolische Fahne: Ihre Homosexualität öffentlich zu zeigen, fällt vielen Jugendlichen noch schwer

Die Rotterdamer Organisation unterstützt homosexuelle Mädchen und Jungen. Für viele ist es nach wie vor schwer, sich zu outen, denn als "normal" gilt Homosexualität immer noch nicht. "Meine Freunde haben immer über Mädchen geredet und so männliche Sachen gemacht", erzählt Yahya und verschränkt die Arme vor seinem zierlichen Körper. "Und dann haben sie mich gefragt: 'Was hältst du von dem und dem Mädchen, Yahya?' Und ich habe geantwortet: 'Das Mädchen ist okay, aber ich bin nicht interessiert!'"

Apollo

Über die Internetseite von "Apollo" können sich Jugendliche vernetzen

Trotz seiner Größe sieht Yahya mit seinen kurzen schwarzen Locken, den großen Augen und seiner Zahnspange jünger aus als 22 Jahre. Vor ihm auf dem Fensterbrett stapeln sich kleine bunte Flyer mit Bildern gleichgeschlechtlicher Paare und Partyankündigungen. Yahya sitzt im Cafe der Organisation "Apollo" in Rotterdam. An den orange gestrichenen Wänden hängen Ölporträts junger Frauen, in der Mitte des Raumes steht eine Bar und daneben ein großer eckiger Holztisch. Seit Ende der sechziger Jahre ist "Apollo" eine Anlaufstelle für Jugendliche, die schwul oder bisexuell sind.

Mut zum Coming-Out

Etwa zwanzig Mädchen und Jungen schauen hier jede Woche vorbei – so wie Jamal. "Ich brauchte einen Platz, wo ich einfach ich selber sein konnte", sagt er. "Ich hatte mich noch nicht so akzeptiert, wie ich war. Ich war schwul, aber ich kannte keine anderen Schwulen." Heute arbeitet der 22-jährige Student selbst ehrenamtlich hier: Er spielt bei Partys den Barkeeper, organisiert Ausflüge in den Freizeitpark oder Karaokeabende.

Vor allem aber gibt er den Jugendlichen das Gefühl nicht alleine zu sein - denn das Coming-Out erfordert Mut. "Als ich meinen Eltern erzählt habe, dass ich keine Mädchen mag, also nicht auf so eine Art, waren sie geschockt", erinnert er sich an sein eigenes Coming-Out. "Es gab ein großes Drama und mein Vater wollte es einfach nicht glauben. Am nächsten Tag hat er zu mir gesagt, ich wüsste nicht wirklich, wer ich sei und ich solle herausfinden, ob ich nicht doch Mädchen mag." Selbst heute, Jahre später, würden seine Eltern nicht wissen wollen, ob er einen Freund habe, erzählt Jamal resigniert und zuckt mit den Achseln.

Tolerante Niederlande?

Kalenderblatt Homoehe

Tolerante Niederlande? In Amsterdam wurde 2001 die erste gleichgeschlechliche Ehe geschlossen

Dabei gelten gerade die Niederlande als tolerant. Im Jahre 2001 waren sie weltweit das erste Land, in dem unter dem Jubel der Homosexuellenbewegung die gleichgeschlechtliche Ehe eingeführt wurde – doch immer noch haben auch Jamal und Yahya mit Vorurteilen zu kämpfen. Mit dem Freund Hand in Hand durch die Straßen zu schlendern, heißt auch in Rotterdam mitunter schief angeschaut oder beschimpft zu werden. Und gerade in der Schule trauen sich viele nicht zu sagen, dass sie schwul sind.

"In welcher Jugendzeitschrift sieht man schon Jungen, die sich küssen", fragt Yahya. Er kennt all diese Gedanken gut. Doch seit er von seiner kleinen Heimatstadt nach Rotterdam gezogen sei, gehe er offener mit dem Thema um, sagt Yahya lächelnd – auch im Uniseminar: "Als erstes habe ich gesagt: Hört zu Mädchen und Jungen. Ich bin schwul. Also, wenn ihr mich deswegen anschreien wollt oder was zu sagen habt, lasst es jetzt raus, damit wir danach nicht mehr drüber reden müssen. Denn wenn ihr erst in drei Monaten damit ankommt, dann bin ich stinksauer."

Yahya studiert Sozialarbeit, um auch anderen jungen Schwulen zu helfen, ihr Selbstbewusstsein zu steigern. Und er hofft, dass gerade unter Jugendlichen Homosexualität endlich als das wahrgenommen wird, was es ist: normal. Als "Europäische Jugendhauptstadt 2009" könnte Rotterdam dazu beitragen.

Autorin: Jana Pareigis
Redaktion: Andreas Ziemons

WWW-Links