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Wirtschaft

Mehr und mehr Deutsche suchen einen Job im Ausland

145.000 Deutsche haben ihr Heimatland im vergangenen Jahr verlassen - so viele waren es seit den 1950er Jahren nicht mehr. Zwei Drittel der Emigranten gehen aus beruflichen Gründen.

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Statt zum Arbeitsamt gehen immer mehr Deutsche über die Grenze

Während die einen vor der Arbeitslosigkeit fliehen und Deutschland verlassen, bekommen andere immer mehr zu tun. In der Zentralstelle für Arbeitsvermittlung ins Ausland (ZAV) kann von Arbeitsmangel nicht die Rede sein: Aus allen Berufsgruppen wenden sich Arbeitssuchende an diesen Zweig der Bundesagentur für Arbeit, um ihr Glück im Ausland zu versuchen. Allein im letzten Jahr vermittelte die ZAV 13.000 Deutsche. Am meisten sind Handwerker und Gastronomen gefragt, aber auch Ingenieure haben gute Chancen.

Die Vermittlung ist vor allem für ältere Arbeitslose oft die letzte Möglichkeit, einen Job zu finden. Denn im Gegensatz zum deutschen Arbeitsmarkt zählt zum Beispiel in der Schweiz und in den Niederlanden Berufserfahrung noch mehr als möglichst aktuelles Fachwissen. So sind fast 40 Prozent der von der ZAV Vermittelten über 40 Jahre alt.

Hauptziel Europa

Das Hauptziel der Ausreisenden bleibt - wie in den vergangenen Jahren - Europa: Mehr als drei Viertel der Ausreisenden bleiben in einem der Nachbarländer Deutschlands. Im nicht-europäischen Ausland sind Kanada und Australien besonders beliebt. "Der überwiegende Teil hat befristete Verträge für einen längeren Zeitraum. Es gibt schon welche, die sagen: ich bleibe hier. Aber grundsätzlich ist das ganze darauf angesetzt, wieder zurück zu kommen", sagt Sabine Seidler, Pressesprecherin der ZAV.

Das Motiv zum Auswandern ist für viele die Auslandserfahrung und die Hoffnung, bei ihrer Rückkehr größere Chancen auf einen Arbeitsplatz zu haben. Daniel Lambart hatte eine ähnliche Einstellung. Nach seinem Architekturstudium bekam er zwar eine Stelle in einem Architektenbüro - aber nur für ein Jahr. Der Arbeitsmarkt für Architekten sieht denkbar schlecht aus in Deutschland.

Flucht nach Togo

Da beschloss Lambart - wie viele seiner Kollegen - nach einem Job im Ausland zu suchen. "Ich sah einfach, dass der Markt mir nicht die Möglichkeiten gibt, die ich gerne hätte, und habe versucht, mein Glück im europäischen Ausland zu finden, was leider auch nicht geklappt hat", erzählt er. "Und dann bin ich über Umwege an den Deutschen Entwicklungsdienst gekommen, habe mich dort beworben und wurde dann in einem sehr schnellen Aufnahmeverfahren genommen."

Der Deutsche Entwicklungsdienst (ded) versendet jedes Jahr deutsche Fachkräfte in Entwicklungsländer. Handwerker, Landwirte und Sozialpädagogen sind dabei besonders gefragt. Aber auch als Architekt kann man vermittelt werden: Daniel Lambart wurde eine Stelle in Togo angeboten. Im Vergleich zu seinem ursprünglichen Plan, in Europa zu bleiben, war das natürlich abenteuerlich. Doch er selber hatte bei seiner Entscheidung die wenigsten Bedenken. "Mein Umfeld war in dem Fall eher konservativ. Die konnten das nicht wirklich verstehen", sagt er.

Richtige Einstellung zählt

Ist die Entscheidung erst einmal gefallen, geht es an die Vorbereitung - Versicherungen abschließen, Impfungen machen lassen und sich ein bisschen Landeskunde aneignen. Sabine Seidler von der ZAV hält aber die richtige Einstellung für das Wichtigste. "Dann geht es nur noch darum, dass man sich frischen Mutes auf ein Land mit einer anderen Kultur und einer anderen Mentalität einstellt und mit möglichst viel Flexibilität über die Grenze geht", sagt sie.

Daniel Lambart sprach bereits Französisch, die Landessprache Togos. Ansonsten war seine neue Gastheimat so weit weg von Deutschland, dass er sich kaum ein Bild von Land und Leuten machen konnte. Er hat sich dann vor Ort eingelebt - so gut, dass er seinen Auslandsaufenthalt nach einem Jahr in Togo sogar noch verlängerte und für zwei Jahre in den Tschad zog.

Auch Sabine Seidler kennt kaum Fälle, in denen die Ausreisenden von ihrem Aufenthalt enttäuscht waren. Die einzigen Probleme, an die sie sich erinnern kann, sind Unstimmigkeiten, die auch an jedem Arbeitsplatz in Deutschland vorkommen können. "Die meisten sind sehr überrascht, geben positives Feedback und sind froh, dass sie es gemacht haben, weil es einfach eine spannende Zeit ist".

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