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Afrika

Mehr Strom, weniger Zuhause

In Uganda geht ein neues Wasserkraftwerk ans Netz. Die Menschen warten darauf, denn es gibt zu wenig Strom im Land. Doch mehr als 600 Menschen mussten deswegen ihre Häuser und Dörfer verlassen.

Vor zehn Jahren war Naminya ein Stück unbesiedeltes Land - bis auf einige kleine Zuckerrohrfelder. Heute leben hier im Süden Ugandas mehr als 600 Menschen. Sie mussten ihre alte Heimat verlassen, um Platz für das Wasserkraftwerk in Bujagali zu machen. Über 5.000 waren betroffen. Die erste Tubine des Kraftwerks wurde am Donnerstag (09.02.2012) eingeschaltet, die restlichen vier sollen bis Mitte des Jahres folgen.

Manche finden, dass sich die Umsiedlung gelohnt hat. Denn in Naminya stehen Steinhäuser, eine Schule und ein Krankenhaus. Doch Nakamya Teodora ist nicht zufrieden. "Wir vermissen die Nachbarschaft und Freundschaft zu den Menschen, die wir gewohnt waren", sagt sie mit melancholischem Blick.

Vor zehn Jahren verließ die 55-Jährige ihr Heimatdorf. Ihre Großfamilie und Freunde zerstreuten sich in alle Winde. Ihr Ackerland und den Friedhof mit den Gräbern ihrer Angehörigen musste sie zurücklassen.

Daheim ist, wo das Herz ist

Bäuerin Nakamya Teodora, vor ihrer Bananenplantage in Jinja, Uganda. (Bild: Asumpta Lattus)

Neue Heimat - die Bäuerin Nakamya Teodora vor ihrer Bananenplantage.

"In meinem Heimatdorf Kikubamutwe hatten wir neben Kaffeeplantagen auch Bananen. Wir konnten alles anbauen, weil das Land dort sehr fruchtbar war", erzählt Teodora. Heute baut sie zwar immer noch Bananen an - doch wegen des viel trockeneren Klimas fällt die Ernte bescheidener aus. Über die Hälfte ihres Lebens war sie vor allem Kaffeebäuerin. Also musste sie nach ihrer Umsiedlung umlernen, denn in Naminya ist Kaffeeanbau unmöglich. Trotzdem ist das Leben hier nicht schlecht für sie. Statt zwei Ziegen hat Teodora jetzt acht. Dazu kommen mehr als 30 Hennen. Mit ihrem Einkommen kann die alleinerziehende Mutter ihre drei Kinder und Verwandte unterstützen. Zudem gibt es in Naminya gute Schulen, Kinderspielplätze und einen Markt.

Dank des neuen Wasserkraftwerks am Nil soll Uganda bald 50 Prozent mehr Strom haben als im Moment. Viele Ugander hoffen darauf, denn Strom ist derzeit knapp und teuer. "Ich kenne ein paar Stahlproduzenten in diesem Land, die große Generatoren haben, mit denen sie Strom mit einem Kostenaufwand von mehr als 50 US-Cent pro Kilowattstunde produzieren. Der Strom aus der Anlage in Bujagali wird stattdessen nur 6,9 US-Cent kosten", erklärt Jan Martin, Projektleiter bei der KFW Entwicklungsbank in Uganda.

Warten auf die Glühbirne

Der Kinderspielplatz im Dorf Naminya. (Bild: Asumpta Lattus)

Ein Spielplatz im neuen Dorf Naminya.

Seit 2005 wird an dem Kraftwerk gebaut. Der Aga Khan Fonds für wirtschaftliche Entwicklung und die Firma SITHE leiten das Projekt. Die KFW Bank ist mit 45 Millionen Dollar als Kreditgeber beteiligt.

Auch Nakamya Teodora hat gespannt darauf gewartet, dass das Wasserkraftwerk fertig wird. “Am Anfang waren wir nicht sehr glücklich, aber wir wollten Strom. Das ist der Grund, warum wir von dort nach hier umgezogen sind”, sagte sie. Das Management des Wasserkraftwerks hat ihr versprochen, dass sie ihren alten Heimatort besuchen darf, sobald das Kraftwerk fertig ist. Zudem wartet sie darauf, dass es bald mehr Strom gibt. Im Moment weiß sie aber noch nicht, was sie damit anfangen wird. "Vielleicht werde ich eine Glühbirne kaufen", sagt sie und lacht.

Autorin: Asumpta Lattus
Redaktion: Daniel Pelz/tko/jam

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