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Politik & Gesellschaft

Mehr Sicherheit an deutschen Flughäfen

Seit den Terroranschlägen des 11. September 2001 sind die Sicherheitsmaßnahmen an deutschen Flughäfen drastisch verschärft worden. Der Prozess ist noch nicht am Ende. Doch die Sicherheitstechnik hat auch ihre Grenzen.

Bundespolizist mit Maschinenpistole am Flughafen. Foto: Michael Probst, AP

Bundespolizei sichert die Flughäfen in Deutschland

Zwischen 140.000 und 220.000 Passagiere werden jeden Tag am größten deutschen Flughafen in Frankfurt am Main abgefertigt. Fast immer herrscht Hochbetrieb - eine Herausforderung auch für das Sicherheitspersonal. Heute geraten zwei junge Männer ins Visier, die immer wieder ihr Gepäck umsortieren. Der Blick auf die Abfluganzeige des Flughafenterminals scheint sie nervös zu machen. Einer der Männer geht bereits zum vierten Mal in einer halben Stunde auf die Toilette.

Plötzlich stehen drei Männer und eine Frau vor ihnen und zeigen ihre Dienstausweise: Bundespolizei. In Zivilkleidung hatten die Sicherheitsbeamten die Reisenden schon vor den eigentlichen Sicherheitschleusen beobachtet. Jetzt sollen sich die jungen Männer ausweisen und die Auffälligkeiten erklären. Alles stellt sich zum Glück als harmlos heraus. Es war schlicht Reisefieber. Dass ein verschärfter Blick auf Passagiere oder unbeaufsichtigtes Gepäck schon vor den Sicherheitsschleusen hilfreich sein kann, zeigen etliche Fälle, bei denen die Überprüfung ergab, dass Personen gefälschte Ausweise bei sich trugen, verbotene Stoffe oder gar Waffen transportierten.

Sicherheitskontrollen offenbaren jeden Tag Waffen

Revolver in Bohrmaschine versteckt. Foto: DW

Dieser Revolver wurde in einer Bohrmaschine versteckt.

Ein Blick in die Statistik der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen lässt schnell den Ärger verfliegen, den die seit zehn Jahren verschärften Überprüfungen bei Flugreisenden immer wieder verursachen - etwa, weil der Gürtel oder die Schuhe an den Kontrollstationen bereits zum zweiten Mal ausgezogen werden müssen. Allein im Jahr 2010 wurden 1057 Gewehre und andere Schusswaffen sichergestellt. 685 Waffenattrappen, 45.494 spitze und scharfe Objekte und 5792 brennbare Stoffe konnten festgestellt werden. "Die Wenigsten hatten einen terroristischen Hintergrund", räumt der Präsident der Bundespolizei am Frankfurter Flughafen, Wolfgang Wurm ein. Aber die Tatsache, dass auf Flügen aus Deutschland kein Terroranschlag verübt wurde, zeige, wie effektiv man arbeite.

Die Sicherheitsmaßnahmen an allen deutschen Flughäfen wurden dazu seit dem Jahr 2001 schrittweise verschärft. Am Frankfurter Flughafen wird das gesamte Gepäck - von der Handtasche bis zum Koffer auf dem Förderband - zu 100 Prozent kontrolliert und durchleuchtet. Einreisende Fluggäste aus so genannten Drittstaaten begegnen im Transitbereich nicht mehr Passagieren aus Europa. Das 2005 eingeführte "Vermischungsverbot" soll vermeiden, dass Passagiere aus Ländern, die nicht so gut kontrollieren, Waffen oder Sprengstoff an Personen weiter geben können, die zuvor sehr viel strenger kontrolliert worden waren. Seitdem bekannt ist, dass auch aus verschiedenen Flüssigkeiten Sprengstoffe gemischt werden können, sind Flüssigkeiten nur noch in sehr begrenzten Mengen auf Flügen zugelassen.

Kontrollen betreffen alle Flughafenbereiche

Sicherheitspersonal blickt auf einen Computerbildschirm. Foto:DW

Technik kommt nicht ohne persönliche Kontrollen aus

Am Flughafen Frankfurt sind 70.000 Menschen bei rund 500 Firmen beschäftigt - vom Sanitäter bis zur Reinigungskraft. Dieses Personal muss sich ausnahmslos einer Zuverlässigkeitsüberprüfung unterziehen. Dafür zuständig sind die Polizei des Landes Hessen und das Luftfahrtbundesamt. Die Überprüfungen erfolgen in regelmäßigen Abständen und sind im Laufe der Jahre immer umfangreicher geworden. Fälschungssichere Dienstausweise und wechselnde Pin-Codes für die Türen werden durch Ausweise mit biometrischen Daten ergänzt. Zusätzlich sind inzwischen an allen Zufahrten zum Flughafengelände umfangreiche Fahrzeugkontrollen Pflicht. Alle Tore wurden für die Kontrollfunktionen aufwendig umgebaut. Ein Millionenaufwand für die Flughafenbetreibergesellschaft, die Fraport AG.

Auch Deutschland setzt Air Marshalls ein

Mit den Sicherheitsaufgaben sind rund 10.000 Mitarbeiter am Standort Frankfurt befasst. Die Bundespolizeidirektion Flughafen Frankfurt mit ihren 2100 Mitarbeitern beaufsichtigt 2300 Fluggastkontrolleure aus unterschiedlichen Sicherheitsfirmen. Dabei beschränken sich die Sicherheitsmaßnahmen nicht nur auf strenge Überprüfungen am Boden. Die Bundespolizei stimmt sich täglich mit den europäischen und internationalen Sicherheitsdiensten ab und entscheidet danach, auf welchen Flügen speziell ausgebildete Polizisten in zivil mitfliegen. "Die Maßnahme hat sich bewährt", erklärt Wolfgang Wurm, der Präsident der Bundespolizei am Flughafen Frankfurt. Nähere Angaben kann er zu dem Punkt allerdings nicht machen, denn es wurde Geheimhaltung vereinbart. Mit dem Informationsaustausch zwischen den für die Luftsicherheit verantwortlichen Behörden ist er zufrieden. "Wir kennen uns alle untereinander gut, sodass in der Kommunikation keine Reibungsverluste entstehen", betont Wurm.

Strenge Auflagen für die Luftfracht in die USA

Kameras überwachen den Frachtbereich. Foto:DW

Mehrere hundert Kameras überwachen den Frachtbereich auf dem Frankfurter Flughafen.

Der Sicherheitsaufwand im Bereich der Luftfracht ist ebenfalls in den vergangenen zehn Jahren enorm gestiegen. Große Röntgenanlagen wurden installiert. Hier haben auch die Auflagen der amerikanischen Behörden entscheidend dazu beigetragen. Die dortige TSA (Transportation Security Administration) besteht auch auf möglichst kleinteiligen Frachtprotokollen. "Am liebsten wäre den Amerikanern, wenn wir gleich ihre Gesetze in Europa einführen würden", erzählt Harald Zielinski, der Leiter der Sicherheit bei der Lufthansa Cargo AG. Man wolle sich dem Sicherheitsbedürfnis der USA nicht verweigern, allerdings müsse man Bedingungen, die die Wettbewerbsfähigkeit eines modernen Logistikbetriebes zu stark beeinträchtigen, kritisch hinterfragen. Kritisch sieht Harald Zielinski die nochmalige Frachtkontrolle im Transitbereich. "Hier hat doch schon am Flughafen des Abflugortes eine intensive Kontrolle stattgefunden."

Zielinski ist mit 35 Berufsjahren am Flughafen Frankfurt einer der wenigen Experten, die sogar in den USA in den entscheidenden Gremien angehört werden, wenn es um die Sicherheit von Luftfracht geht. Einen zweistelligen Millionenbetrag gibt die Lufthansa Cargo AG jedes Jahr für die Verbesserung der Sicherheit aus, das Personal dafür wurde verzehnfacht. Passten die Sicherheitsrichtlinien früher auf ein doppelseitig bedrucktes DinA4 Blatt, so sind heute über 1200 Seiten Instruktionen zu kennen und zu befolgen. Das gesamte Frachtgelände wurde außerdem mit der größten privat betriebenen Kameraanlage Deutschlands ausgestattet. "Früher war das Gelände fast frei zugänglich - das geht heute gar nicht mehr", betont Harald Zielinski.

Sicherheitstechnik mit Grenzen

Testperson steht im Körperscanner. Foto:Joerg Sarbach,dapd

Körperscanner im Test zeigten zu häufig Fehlalarm

Auch die beste Sicherheitstechnik hat allerdings ihre Grenzen, wie das Beispiel der neuen und umstrittenen Körperscanner zeigt. Ihr Einsatz wurde am Flughafen Hamburg getestet. Gegenüber den bekannten Metalldetektoren sollte eine Software den Vorteil bieten, auch Sprengstoff und Waffen aus Plastik oder Keramik am Körper der Passagiere erkennen zu können.

Tatsächlich lösten allerdings schon Schwitzflecken oder ein paar Falten in den Kleidern Alarm aus: Rund zehn Prozent der über 800.000 durchgeführten Kontrollen waren entweder fehlerhaft oder dauerten viel zu lange. Der Bundesinnenminister verschob daraufhin die Einführung der Körperscanner.

Die Bundespolizei setzt jetzt auf Nachbesserungen und eine Verknüpfung der unterschiedlichen Kontrollgeräte. Entstehen soll ein Tunnelsystem, das vom Fluggast durchschritten werden muss. Dabei werden in einem Durchgang der Körper, das Handgepäck und von unten die Schuhe des Fluggastes überprüft. "Wenn wir ein solches System in wenigstens drei bis vier Jahren hätten, wäre ich froh", hofft Wolfgang Wurm von der Bundespolizei Flughafen Frankfurt.

Die bereits erhältliche Technik der Detektoren für Flüssigkeiten sollte es eigentlich schon in diesem Jahr möglich machen, dass Transferpassagiere aus Drittstaaten Flüssigkeiten aus Duty Free Shops in manipulationssicheren Beuteln zum Weiterflug mitnehmen dürfen. Die EU Kommission bat jedoch darum, auf diesen Schritt zu verzichten. Nach dem Willen der Europäischen Kommission sollen nämlich die Beschränkungen für die Mitnahme von Flüssigkeiten ohnehin ab April 2013 aufgehoben werden. Vorausgesetzt, die Technik absolviert die erforderlichen Testläufe erfolgreich.

Auch im Bereich der Luftfracht stößt die Technik an ihre Grenzen. Röntgen kann man Container nur bis zu einer bestimmten Größe. Danach müssen wieder persönliche Kontrollen einsetzen, gibt Sicherheitschef Harald Zielinski zu bedenken. Helfen soll der Ausbau von Zertifizierungen der Spediteure, von Produktherstellern und Versendern. Eine einmal nach genauer Überprüfung erfolgte Unbedenklichkeitsbescheinigung für jeden beteiligten Frachtpartner könnte die Kontrollen auf Stichproben reduzieren. Zielinski hofft, dass ein zuverlässiges System um das Jahr 2020 zur Verfügung steht.


Autor: Wolfgang Dick
Redaktion: Hartmut Lüning