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Deutschland

Mehr Selbstverteidigung und Pfefferspray

Nach den Diebstählen und sexualisierten Übergriffen gegen Frauen in der Silvesternacht in Köln und Hamburg ist der Absatz von Pfefferspray und Elektroschockern gestiegen. Experten sehen deren Gebrauch kritisch.

In den ersten Wochen des neuen Jahres gingen deutlich mehr Gas- und Schreckschusspistolen, Pfeffersprays und starke Taschenlampen über den Ladentisch - mancherorts haben Geschäfte alle Elektroschocker ausverkauft, wie das "Handelsblatt" berichtet. Auch die Anmeldungen für Selbstverteidigungskurse nehmen zu.

Den Trend bestätigt Katrin Streich vom Institut für Psychologie und Bedrohungsmanagement in Darmstadt: "Die Nachfragen zur persönlichen Sicherheit haben sich deutlich erhöht, daher ist der Run auf Pfefferspray und Waffen nachzuvollziehen." Der Erwerb der Sprays sei ein Versuch, Situationen zu kontrollieren, in denen sich Menschen nicht geschützt fühlen.

Nichts für Ungeübte

Jedoch warnt Streich vor dem sorglosen Umgang mit den Selbstverteidigungsprodukten: "Sie vermitteln den Menschen ein falsches Gefühl der Sicherheit." Nur weil eine Frau Pfefferspray in ihrer Handtasche mit sich führe, heiße das noch lange nicht, dass sie in brenzligen Momenten sicher sei. Es gebe gerade in schwierigen Situationen zahlreiche Probleme. So könne es sein, dass sie das Spray in der Handtasche nicht sofort finde, dass sie mit der Handhabung nicht vertraut sei oder Hemmungen habe, es zu benutzen. Zudem könnte die Lage durch den Gebrauch auch eskalieren. Die Psychologin empfiehlt stattdessen andere Möglichkeiten, Gefahren abzuwehren. Das könnten Selbstverteidigungskurse sein oder sich bei Veranstaltungen die Lage der Notausgänge einzuprägen.

Deutschland, Selbstverteidigungskurs (Foto: dpa/picture alliance)

Selbstverteidigungskurse haben Zulauf

Offenbar bekommt neben Schutzmitteln auch die Selbstverteidigung mehr Bedeutung für Frauen. "Wir haben seit den Vorfällen an Silvester fünfmal so viele Anmeldungen wie vorher", sagt Josef Werner aus Köln. Er führt eine Kampfsportschule, in der er auch Kurse zur Selbstverteidigung anbietet. Den Gebrauch von Waffen sieht er kritisch: "Sie brauchen die Erfahrung, um so etwas zu benutzen, und Sie müssen auch bereit dazu sein."

Zwischen neun und 27 Euro kostet ein Pfefferspray, von denen die kleinsten aussehen wie ein Lippenstift. Sie sind ohne Waffenschein oder Auflagen im Fachhandel oder bei Versandhändlern erhältlich. Wie stark die Verkaufszahlen insgesamt zugelegt haben, ist jedoch nicht klar. Einer der führenden Anbieter von Waffen und Selbstverteidigungsmitteln, Frankonia, lehnt es ab, Einzelheiten zur Umsatzentwicklung zu nennen.

Mehr Anträge auf Waffenscheine

Auch das Interesse an Waffenscheinen für Gas- und Schreckschusspistolen steigt seit Silvester an. So sind bei der Polizei Köln 304 Anträge eingegangen. Im gesamten Vorjahr wurden 408 Lizenzen vergeben. Insgesamt besitzen 4.857 Personen in Köln und Leverkusen eine Lizenz für solche Waffen.

Die Politik betrachtet diese Entwicklung mit Sorge. Vertreter von Bündnis 90/Die Grünen fordern striktere Waffengesetze in Deutschland. Die Vorschriften für den Erwerb von Gas- oder Schreckschusspistolen seien zu lasch. Es könne nicht sein, dass Menschen das Gesetz in die eigene Hand nähmen, betonte Irene Mihalic, Mitglied im Innenausschuss des Bundestages: "Unser Modell ist nicht der Wilde Westen."

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