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Globale Zusammenarbeit

Mehr Schutz für afrikanische Bauern nötig

Viele afrikanische Bauern bewirtschaften ihr Land schon lange. Doch Rechte haben sie kaum: Wenn der Staat ihr Land haben will, kann er es sich in vielen Fällen einfach nehmen und an Investoren verkaufen.

Die Nachfrage nach Agrarland in Afrika ist groß. Im Jahr 2050 werden voraussichtlich 9,2 Milliarden Menschen die Erde bevölkern. Um sie zu ernähren wird eine Anbaufläche von der Größe Südafrikas hinzukommen müssen - und das größtenteils in der Region südlich der Sahara und in Lateinamerika, so die Prognose der Ernährungsorganisation der Vereinten Nationen (FAO). Abgesehen von diesem generellen Bedarf sind Anbaugebiete in Afrika auch durch steigende Lebensmittelpreise in anderen Weltregionen für Investoren interessant geworden.

Verhandelt wird über dieses Agrarland zwischen Regierungen und Investoren. Die einheimische Bevölkerung, die dieses Land unter Umständen schon seit Jahrhunderten bewirtschaftet, wird in solche Verhandlungen meist nicht einbezogen. Diese Erfahrung hat Fred Nelson gemacht. Er lebt in Tansania und ist Gründer und Geschäftsführer der Maliasili Initiatives, einer Organisation, die sich für die Rechte der einheimischen afrikanischen Bevölkerung einsetzt.

Viele Einheimische kennen ihre Rechte nicht

Ein Bauer in Äthiopien sieht Maschinen eines ausländischen Investors bei der Arbeit zu (Foto: Schadomsky/DW)

An ausländische Investoren verpachtetes Land in Äthiopien

"70 Prozent des Gebiets südlich der Sahara werden traditionell von Einheimischen gemeinschaftlich bewirtschaftet", erklärt Nelson. "Aber rechtlich gesehen gehört das meiste davon dem Staat, der diese traditionelle Form der Bewirtschaftung manchmal anerkennt und manchmal nicht. Es gibt also diese Diskrepanz zwischen den Nutzern des Landes, die historische Ansprüche darauf haben und seinem gesetzlichen Status“.

Aus seiner Sicht muss das fast zwangsläufig zu Konflikten führen. Denn wenn die Regierung das Land verpachtet, werde die Bevölkerung vor vollendete Tatsachen gestellt. "Investoren sollten sich auf jeden Fall bewusst sein, was sie da kaufen“, mahnt Nelson.

In Afrika habe es Reformen gegeben, erklärt Nelson. Zum Beispiel sei es in Tansania, Uganda und Mosambik jetzt möglich, "dass auch Gruppen Besitzrechte bekommen." Davor sei das nur Einzelpersonen möglich gewesen. Doch ein großes Problem bleibe weiterhin bestehen: Oft würden die Bauern in Afrika ihre Rechte gar nicht kennen.

FAO beschäftigt sich mit den "Commons"

Ein Hirte mit seiner Rinderherde in der Sahel-Zone

Das Wissen afrikanischer Bauern wird in Zeiten des Klimawandels auch international immer wichtiger

Die "Commons" - das gemeinschaftlich genutzte Land - müsse man vor allem deshalb erhalten, weil sie durch den maßvollen Umgang der einheimischen Bauern mit Wasser, Boden oder Dünger entscheidend für das regionale Ökosystem und zur Ernährungssicherung seien, betont Nelson. Auch die Techniken der afrikanischen Bauern, in besonders trockenen Gebieten Land- und Viehwirtschaft zu betreiben, seien vor dem Hintergrund des Klimawandels auch auf internationaler Ebene immer wichtiger. Deswegen sollten sie nicht vertrieben, sondern vielmehr in den Markt eingebunden werden.

Nelson hofft, dass sich die Situation der afrikanischen Bauern verbessern könnte: Denn die FAO hat in diesem Jahr freiwillige Richtlinien zum Grundbesitz verabschiedet. Nach diesen Richtlinien können Besitzansprüche ausdrücklich nicht nur von Gesetzen abgeleitet werden, sondern auch von Gebräuchen und Praktiken.

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