1. Inhalt
  2. Navigation
  3. Weitere Inhalte
  4. Metanavigation
  5. Suche
  6. Choose from 30 Languages

Asien

Mehr Offenheit gegenüber Muslimen

Indonesien ist die zweite Station der Asienreise von US-Außenministerin Hillary Clinton. Der Besuch hat nicht nur symbolische Bedeutung, sondern soll auch einen neuen Dialog mit den Muslimen einleiten.

Hillary Clinton zwischen indenesischen Schülern, ap

Clintons Besuch in Indonesien soll die Beziehungen zwischen den USA und Indonesien verbessern

Bei einem Besuch in Jakarta hat US-Außenministerin Hillary Clinton eine neue Offenheit Amerikas gegenüber Ideen aus der muslimischen Welt versprochen. Auf einer gemeinsamen Pressekonferenz mit Außenminister Hassan Wirajuda würdigte Clinton am Mittwoch (18.2.2009) die Bemühungen Indonesiens um Demokratie und Menschenrechte sowie seinen entschlossenen Kampf gegen den Terrorismus. Wirajuda betonte, das Zusammentreffen habe bewiesen, dass Demokratie, Islam und Modernität miteinander vereinbar seien.

Clinton und Wirajuda gaben zudem bekannt, dass künftig Freiwillige der amerikanischen Peace Corps wieder in Indonesien eingesetzt würden. Die vom einstigen US-Präsidenten John F. Kennedy gegründeten Friedenscorps zur Förderung des Verständnisses zwischen den USA und der restlichen Welt waren bereits von 1963 bis 1965 in Indonesien, wurden dann aber wegen Spionagevorwürfen ausgewiesen.

Nach Ansicht der Politikwissenschaftlerin Dewi Fortuna Anwar, die an der University of Indonesia in Jakarta tätig ist, zeige der Besuch der US-Außenministerin Clinton, wie wichtig Indonesien für die USA sei. Indonesien ist das größte Land in Südostasien und zugleich der Staat mit dem größten muslimischen Bevölkerungsanteil weltweit. Nach Einschätzung von Anwar ist Indien wirtschaftlich gesehen zwar viel relevanter für einen ersten Besuch Clintons, bei Indonesien komme aber die Kombination von muslimischer Population und strategischer Bedeutung in Südostasien hinzu.

Meinungsumschwung in der Bevölkerung seit Obama

Frauen protestieren in Jakarta gegen den Besuch von Hillary Clinton (Foto: picture-alliance)

Trotz einiger Proteste gegen Clintons Besuch: Insgesamt steht die Bevölkerung den USA positiver gegenüber

Gerade beim Kampf gegen Terrorismus arbeiten die USA und Indonesien eng zusammen. Die indonesische Antiterroreinheit "Detachment 88" wird von US-Spezialkräften nahe Jakarta ausgebildet. Seit der Gründung der Einheit im Jahr 2004 hat Indonesien erfolgreich gegen militante Extremisten gekämpft und die Terrornetzwerke entscheidend geschwächt. Aber in den vergangenen Jahren regte sich immer mehr Kritik bei der muslimischen Bevölkerung gegen die Irak- und Nahostpolitik der USA. Beim Besuch des früheren US-Präsidenten George W. Bush in Indonesien im Jahre 2006 gab es heftige Proteste. Mit der Wahl Barack Obamas, der einige Jahre seiner Kindheit in Indonesien verbrachte, habe sich die Stimmung in der Bevölkerung aber geändert, so Dewi Fortuna Anwar.

Auf Regierungsebene gebe es seit acht Jahren gute bilaterale Beziehungen zwischen Indonesien und den USA, erläutert die Politologin. Das Problem sei die negative Wahrnehmung in der Bevölkerung, die die Bush-Regierung abgelehnt habe. Seit Obamas Amtsantritt klaffe die Wahrnehmung der US-Politik hingegen nicht mehr auseinander zwischen Regierung und Bevölkerung, so Anwar. Es gebe jetzt keine Probleme mehr für die Regierung, Kooperationsprojekte mit den Amerikanern zu unterzeichnen.

Politische Stabilität Indonesiens ist entscheidend

Mann auf Moped in Banda Aceh

Die größten Treibhausgas-Verursacher Indonesien und die USA wollen gemeinsam gegen den Klimawandel angehen

Dagegen glaubt der Politikexperte Bantarto Bandoro vom Zentrum für strategische and internationale Studien in Jakarta, dass für die Beziehung zwischen Indonesien und den USA die Person Obamas weniger wichtig sei als die politische Stabilität in Indonesien. Er glaube nicht, dass die USA unter Obama Indonesien bevorzugt behandeln werden. Bandoro erläutert weiter, die Beziehung werde vielmehr davon abhängen, wie gut Indonesien seine Sachen regelt und politische Stabilität garantieren kann. Nur weil Obama in Indonesien gelebt habe, werde es für Indonesien keine Sonderbehandlung geben.

Auf den angekündigten Wandel der US-Außenpolitik unter dem neuen Präsidenten Obama reagieren viele Muslime aber noch zurückhaltend. Parlamentspräsident Hidayat Nurwahid von der islamischen Gerechtigkeitspartei PKS erklärt dazu, die Muslime hätten schon viele guten Absichten seitens der Amerikaner gehört. Doch in der Realität legten die USA in Nahost bisher zwei verschiedene Maßstäbe an. Sie verteidigten immer nur Israel, sie müssten aber auch die Rechte der Palästinenser verteidigen, forderte Nurwahid.

USA ist zweitwichtigster Exportpartner

Für Indonesien ist der Besuch von Clinton gerade in Zeiten der Wirtschaftskrise wichtig. Die USA sind nach Japan der zweitgrößte Exportpartner des Landes. Nun bricht überall die Nachfrage ein. Mehr als 500 US-Firmen operieren in Indonesien, viele im Bergbau- und Erdölsektor. Diese fahren jetzt erst einmal ihre Investitionsvorhaben zurück. Indonesien hofft, dass die USA zumindest die Einfuhrbeschränkungen für Produkte aus Indonesien nicht verschärfen werden. Bei den geplanten Gesprächen über Klimawandel setzt Indonesien auf die Produktion von Biodiesel. Da es in Europa immer größere Bedenken gegen Biodiesel gibt, werden die USA als zukünftiger Markt wichtiger. (Pasuhuk/as)

Die Redaktion empfiehlt

Audio und Video zum Thema