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Deutschland

Mehr Kooperation mit den Boom-Ländern

Deutschland will enger mit den Schwellenländern zusammenarbeiten. Für die Bundesregierung sind sie "neue Gestaltungsmächte".

"Rasant" und "atemberaubend" sind die Worte, mit denen Außenminister Guido Westerwelle (FDP) den Wandel der Welt beschreibt. "Die Entwicklungsländer unserer Jugend sitzen bei den G20-Treffen mit uns auf gleicher Augenhöhe am Verhandlungstisch", stellt der Außenminister fest. China sei die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, Brasilien habe Großbritannien überholt. "Die Schwellenländer besitzen mehr Devisenreserven als die Industrieländer und erzeugen im Moment den Großteil des Wirtschaftswachstums". Westerwelles Worte werden von Diplomaten aus aller Welt aufmerksam registriert. Sie haben sich im überfüllten Weltsaal des Auswärtigen Amts versammelt, wo der Minister das neue Konzept präsentiert.

"Globalisierung gestalten" auf 60 Seiten

Bundeskanzlerin Angela Merkel und der chinsische Ministerpräsident Wen Jiabao

Unverzichtbarer Partner: China

Was der rasante Wandel der Welt für Deutschland bedeutet, das hat die Bundesregierung erstmals schwarz auf weiß festgehalten. Gut 18 Monate brauchten die beteiligten Bundesministerien, um ihre Positionen zusammenzutragen. Die Kernthese: In der heutigen multipolaren Welt hat Deutschland mehr Partner in unterschiedlichen Politikfeldern als früher und muss sich außenpolitisch breiter aufstellen.

Das, so räumt Westerwelle ein, sei längst praktische Politik. Nun aber liegt erstmals ein ressortübergreifendes Papier aller Bundesministerien vor, in dem Deutschland sich als künftiger Partner der "neuen Gestaltungsmächte" präsentiert. "Wir sehen in den wirtschaftlich aufstrebenden Ländern mehr als nur Schwellenländer", so Westerwelle.

Der Westen muss Macht abgeben

Aussenminister Guido Westerwelle (FDP) stellt am Mittwoch (08.02.12) im Auswaertigen Amt in Berlin das Konzept Globalisierung gestalten - Partnerschaften ausbauen - Verantwortung teilen vor. Foto: dapd

Außenminister Guido Westerwelle

Neben Staaten wie Brasilien, Indien und Südafrika nennt der Außenminister auch Mexiko, Vietnam und Indonesien. Viele dieser Länder seien nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch und kulturell zu neuen Kraftzentren geworden. "Sie übernehmen Verantwortung und sie erheben zurecht einen stärkeren Gestaltungsanspruch in der internationalen Politik." Dabei werde Deutschland sie unterstützen.

Von dieser Zusammenarbeit könnten alle Seiten profitieren, sagt Westerwelle. Schließlich sei Deutschland in Europa relativ groß, in der Welt aber relativ klein. Voraussetzung sei die Erkenntnis, "dass der Westen nicht mehr allein den Taktstock der Welt in der Hand hält."

Zusammenarbeit und Konkurrenz

Dass es nicht so leicht ist, Macht abzugeben, zeigen die Vereinten Nationen: Seit Jahren fordern Länder wie Südafrika und Brasilien mehr Mitsprache im Sicherheitsrat. Doch die mächtigen ständigen Mitglieder lassen sie abblitzen.

Mehr aufstrebende Länder, mehr Konfliktpotenzial, vermutet Volker Perthes, Direktor der Berliner Stiftung Wissenschaft und Politik. "Einzelne unserer sehr engen Freunde und Alliierten werden nicht unbedingt glücklich sein, wenn neue Gestaltungsmächte auf die Weltbühne treten." Langfristig könne die Welt aber nicht mehr von fünf Mitgliedern des Sicherheitsrats oder dem Club der G8 regiert werden, sagt Perthes. Angesichts der Größe der globalen Probleme seien Koalitionen quer durch die Welt nötig.

Die bewährten Partnerschaften mit der EU und den USA würden dabei nicht in Frage gestellt, betont Westerwelle. Er beschreibt aber auch die Notwendigkeit für Deutschland, die eigenen Stärken global und aktiv zu vermarkten. "Wir müssen in Deutschland umdenken", sagt der Außenminister. "Keines dieser neuen Gestaltungszentren wartet auf uns."

Autorin: Nina Werkhäuser
Redaktion: Sabine Kinkartz