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Demographie

Mehr Kinder und jüngere Mütter

In Deutschland werden wieder mehr Kinder geboren. Insbesondere bei Akademikerinnen geht die Kinderlosigkeit deutlich zurück. Die guten Nachrichten im verregneten Sommer kommen vom Statistischen Bundesamt.

"Der langjährige Trend zu einer zunehmenden Kinderlosigkeit ist offenbar gestoppt", sagte Georg Thiel, Vizepräsident des Statistischen Bundesamtes, bei der alljährlichen Sommerpressekonferenz in Berlin. Statistisch belegbar ist der Trend durch die Entwicklung der Kinderlosenquote in Deutschland bei Frauen bis 45 Jahren. Also bis zu dem Alter, in dem Frauen im Durchschnitt biologisch Kinder kriegen können.

Seit einigen Jahren nun bleibt diese Quote konstant und schwankt um die 20-Prozent-Marke. In den vergangenen Jahrzehnten war diese Quote beständig angestiegen, so dass jede fünfte Frau kinderlos blieb. Zum Vergleich: Vor 30 Jahren war es nur jede zehnte. 

Die Zahlen stammen aus dem sogenannten Mikrozensus. Die repräsentative Befragung von 800.000 Personen ist die größte dieser Art in Europa. Die vielen Flüchtlinge aus dem Jahr 2015 dürften in die Erhebung kaum eingeflossen sein. Denn in den Mikrozensus kann nur kommen, wer einen eigenen Haushalt hat und nicht, wer vorwiegend in Gemeinschaftsunterkünften lebt wie Flüchtlinge. 

Säuglinge (picture-alliance/dpa/W. Grubitzsch)

Im Osten Deutschlands bringen Frauen immer noch mehr Kinder auf die Welt als im Westen

Akademikerinnen gründen Familie

Als besonders bedeutsam hoben die Statistiker hervor, dass die Kinderlosigkeit bei Akademikerinnen nicht nur stagniere, sondern sogar zurückgehe. Innerhalb von vier Jahren sei die Quote in drei Altersgruppen um jeweils drei Prozent zurückgegangen (siehe Grafik). Wobei hier sogar altersmäßig die Chance auf noch bessere Quoten besteht.

Woran liegt das? Die Politik habe erhebliche Anstrengungen unternommen, um die Vereinbarkeit von Beruf und Familie zu verbessern, betonte Fachbereichsleiterin Olga Pötzsch. Die Einführung des Elterngeldes und der Ausbau der Kinderbetreuung vor rund zehn Jahren zum Beispiel würden vor allem von jungen Akademikerinnen "gerne in Anspruch genommen". Außerdem seien die Rahmenbedingungen besser geworden, ergänzte Studienleiter Thiel. Die wirtschaftliche Situation sei stabil, die Gesellschaft kinderfreundlicher geworden.

Dennoch sei der Trend noch immer "fragil". Der demografische Wandel sei damit nicht ausgesetzt, warnte Statistiker Thiel. Deutschland gehöre weiterhin mit der Schweiz, Italien und Finnland in Europa zu den Ländern mit der höchsten Kinderlosigkeit. Im Jahr 2015 kamen statistisch nur 1,5 Kinder auf eine Frau. Auch wenn das immerhin die höchste Zahl seit 33 Jahren war.

Mehr Nachwuchs im Osten

Interessant war auch zu hören, dass vor allem auf dem Gebiet der ehemaligen DDR noch immer weniger Frauen kinderlos bleiben. Dort herrsche wohl noch immer die Meinung vor, dass "Kinder einfach zum Leben gehören", so Pötzsch.

Bei den Nicht-Akademikerinnen zeigt sich eine differenzierte Lage. Der Trend ist dort noch nicht gestoppt. Die höhere Kinderlosigkeit wird aber durch Zuwanderinnen gedämpft, die in der Regel mehr Kinder haben.

Es gibt derzeit also mehr und vor allem jüngere Mütter in Deutschland. Zudem gehen immer mehr von ihnen arbeiten. Genau das war Ziel der Familienpolitik der Regierungsjahre unter Angela Merkel, die seit 2005 Kanzlerin ist. Denn mehr Arbeitnehmerinnen bedeuten eine Stabilisierung der Renten- oder Gesundheitssysteme. Sie dämpfen zudem den Fachkräftemangel, der schon jetzt in manchen Branchen oder Gegenden zu spüren ist - und wohl noch zunehmen wird.

Rabenmütter adé!

Innerhalb der vergangenen acht Jahre hat vor allem die Zahl der arbeitenden Mütter mit Kleinkindern zugenommen. Noch vor 20 Jahren war es vor allem in Westdeutschland verpönt, Kinder unter drei Jahren in eine Betreuung zu geben. Schließlich wollte man keine "Rabenmutter" sein. Entsprechend gering waren auch die Krippen- und Kitaplätze. Das hat sich geändert: Mit Kindern im Alter von einem Jahr sind heute 44 Prozent der Mütter erwerbstätig, vor vier Jahren waren es 36 Prozent. Ist das jüngste Kind zwei Jahre alte, geht mit 58 Prozent (2012: 46 Prozent) schon mehr als die Hälfte der Mütter arbeiten.

Insgesamt gingen in Deutschland im Jahr 2016 drei von vier Müttern arbeiten. Das ist im europäischen Vergleich gutes Mittelfeld. Spitzenreiter sind den Zahlen nach die skandinavischen Länder. In Italien oder Griechenland hat nur etwas über die Hälfte der Mütter einen Job. Gründe dafür seien die schlechtere Arbeitsmarktlage und andere Leitbilder von Elternschaft, vermuten die Statistiker.

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