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Globale Zusammenarbeit

Mehr Hilfe für Minenopfer nötig

Die weltweite Kampagne zum Verbot von Landminen ist eine Erfolgsgeschichte. Doch den Opfern wird kaum geholfen. Das wäre jedoch dringend nötig. Eine Afrikanerin erzählt vom Leben nach der Explosion.

Durch eine Landmine verlor Margaret Arach Urech aus Uganda ihr rechtes Bein. Rebellen der paramilitärischen "Lord's Resistance Army" hatten den Bus, in dem sie unterwegs war, in einen verminten Hinterhalt gelockt. Nur zwei Monate später vertrat sie ihr Land bei einer afrikanischen Behindertenkonferenz. Die Organisatoren hatten eine weibliche Landminenüberlebende gesucht, die die englische Sprache beherrscht - und sind durch Zufall auf sie gekommen. Das war 1998. Die alleinerziehende Mutter von fünf Kindern kam direkt aus dem Krankenhaus, auf Holzkrücken gestützt und mit ihrem Schicksal hadernd zu dem Treffen nach Harare in Simbabwe. Die Begegnung mit anderen Leidensgenossen sollte ihr Leben verändern.

"Willkommen im Club"

Porträt der Aktivistin Margaret Arach Orech (Foto: Claudia Witte/DW)

Aktivistin und Minenopfer Margaret Arach Orech galt zu Hause als Unglücksbringerin

"Sie sagten als erstes 'Willkommen im Club, Margaret' und lachten dabei", erinnert sich die heute 56-Jährige. "Ich musste auch lachen, hatte aber Tränen in den Augen. Der Mann, der mich im Club begrüßte, hatte überhaupt keine Beine mehr." Im Kreis der behinderten Konferenzteilnehmer fühlte sie sich verstanden und akzeptiert. Zu Hause hingegen sah es anders aus. Ihr Partner und viele Freunde ließen sie im Stich. "Warum hat es ausgerechnet dich getroffen?" wollten sie wissen. Margaret, das Minenopfer, galt als Unglücksbringerin. "Sie wollten sich nicht von meinem Unglück anstecken lassen", sagt sie heute achselzuckend.

Unglück färbt nicht ab

Margaret nahm den Kampf auf. Heute ist sie Behinderten-Aktivistin und organisiert Selbsthilfegruppen für Landminen-Überlebende. Uganda ist auf der Antiminenkonferenz in Genf, an der auch Margaret teilnimmt, gerade als minenfrei erklärt worden. Ihr Bein bekommt sie deshalb nicht zurück. Aber durch den Kontakt mit anderen Landminenüberlebenden hat sie gelernt, selbstbewusst mit ihrer Behinderung umzugehen.

Opferhilfe als Stiefkind der Antiminen-Bewegung

Loren Persi, Experte für Opferhilfe, spricht auf einer Konferenz (Foto: ICBL/J. Bloch)

Loren Persi ist Experte für Opferhilfe

Antiminen-Maßnahmen seien erfahrungsgemäß dann am wirkungsvollsten, wenn die Überlebenden auf allen Ebenen mit einbezogen würden, erklärt Loren Persi von der Internationalen Kampagne zum Minenverbot (ICBL). Das gelte ganz besonders für den emotionalen und psychologischen Beistand im Rahmen der Opferhilfe. Aber Selbsthilfe stoße schnell an Grenzen, wenn es um das Bezahlen von Krankenhauskosten, Prothesen und Rollstühlen gehe.

Obwohl im Jahr 2011 mit 660 Millionen US-Dollar so viel Geld wie nie zuvor in Antiminen-Programme geflossen ist, muss die Opferhilfe um ihre vergleichsweise bescheidenen Geldmittel bangen. "Wenn wir uns die Finanzierung von Antiminen-Programmen anschauen, dann sind immer nur um die neun Prozent der Gelder in die Opferhilfe geflossen", rechnet Loren Persi vor. Inzwischen sei die Finanzierung um fast ein Drittel eingebrochen, so dass die Opferhilfe nur noch sechs Prozent der Gesamtsumme ausmache.

Minenräumung als dringendste Aufgabe

Tag für Tag kommen mindestens elf neue Minenopfer hinzu. Im vergangenen Jahr waren Landminen für den Tod oder die Verstümmelung von schätzungsweise 4200 Menschen verantwortlich.

Navy Pillay, UN Hochkommissarin für Menschenrechte, und Jody Williams, Gründerin der Internationalen Kampagne gegen Landminen, ICBL, auf der Genfer Konferenz (Foto: AP/dapd)

Navy Pillay, UN-Hochkommissarin für Menschenrechte, und Jody Williams, Gründerin der Internationalen Kampagne gegen Landminen, auf der Genfer Konferenz

Das Entschärfen von Minen genießt bei den Unterzeichnerstaaten der Antiminen-Konvention höchste Priorität. Mit dem Beitritt zur sogenannten Ottawa-Konvention verpflichten sich Länder, ihre Minen innerhalb von zehn Jahren zu räumen. Das schaffen aber nicht alle. Bei einer Konferenz der Unterzeichnerstaaten in Genf haben deshalb mehrere Länder eine Verlängerung ihrer Räumungsfristen beantragt.

Afghanistan ist mit seinem Antrag auf großes Verständnis gestoßen. Die Regierungsdelegation konnte die Verlängerung gut begründen und einen realistischen Aktionsplan vorlegen. Angola, Simbabwe und Zypern hingegen konnten die anderen Teilnehmer nicht restlos davon überzeugen, dass Minenräumung oben auf ihrer Prioritätenliste steht. Eine Fristverlängerung werden diese Länder trotzdem bekommen.

Minenräumung braucht Zeit

Porträt von Atle Karlsen von der NGO Norwegian People's Aid (Foto: Claudia Witte/DW)

"Langwierige Arbeit": Atle Karlsen von der Organisation Norwegian People's Aid

Wenn Fristen nicht eingehalten werden, kann das die unterschiedlichsten Gründe haben - "von mangelnder Finanzierung bis hin zu technischen Problemen", erklärt Atle Karlsen von der Antiminen-Organisation Norwegian People's Aid. "Oder das Land braucht mehr Mittel und mehr Leute. Es kann sich auch in einem Konflikt befinden". Einige Länder hätten allerdings auch schon Klima und Regenfälle als Grund angeführt: "Es gibt die ganze Bandbreite von ganz und gar legitimen bis zu nicht so legitimen Begründungen".

Weltweit sind 2011 verminte Gebiete von insgesamt 190 Quadratkilometern gesäubert worden. Das ist auf internationaler Ebene nicht viel, doch die Arbeit ist sehr aufwändig: "Minenräumung braucht Zeit. Wir reden hier von Menschen, die bei 40 Grad Celsius auf den Knien herumrutschen und die Erde nach Minen absuchen", sagt Minenexperte Atle Karlsen. "Wir müssen einfach akzeptieren, dass es langsam geht, aber die Richtung stimmt." Nach aktuellen Schätzungen müssen weltweit noch Gebiete von insgesamt 3000 Quadratkilometern von Minen geräumt werden.