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Wirtschaft

Mehr Geschäfte mit Afrika

Abwasser, Tunnel, Straßen: Afrika fehlt es an Infrastruktur. Genau darauf sind viele deutsche Unternehmen spezialisiert. Dank sprudelnder Rohstoffgelder arbeiten nun immer mehr von ihnen auf dem schwarzen Kontinent.

"Wer mit uns bohrt, schafft Verbindungen", so lautet das Firmenmotto der Herrenknecht AG. Das mittelständische Unternehmen aus Schwanau im Schwarzwald stellt Vortriebsanlagen her, mit denen große und kleine Tunnel gebohrt werden. Ob in Abu Dhabi oder St. Petersburg, in China, Berlin oder Istanbul, Herrenknecht ist auf Hunderten von Baustellen weltweit im Einsatz. Auch in Südafrika.

Dort hat das Unternehmen sowohl Großprojekte für Eisenbahn- und Straßentunnel durchgeführt, als auch kleinere Projekte für den Bau von Abwasserleitungen. Es bleibe dort aber noch viel zu tun, sagt Ulrich Schaffhauser, der für den Bereich Utility-Tunneling verantwortlich ist. "Der Markt ist noch lange nicht gesättigt, Südafrika wird also kurzfristig ein Schwerpunkt für uns bleiben, wo wir aktiv sind und bleiben."

Afrikas Mitte ist noch unerschlossen

China wirbt in Afrika Wirtschaft Plakat in Peking für wirtschaftliche Zusammenarbeit (Foto: AP)

Übermacht: China engagiert sich massiv in Afrika

Herrenknecht macht auch im Norden Afrikas, in Algerien, Marokko und Ägypten Geschäfte. Die zentralafrikanischen Länder hingegen standen bis jetzt nicht auf der Agenda. Doch das soll sich ändern. Dabei gebe es aber erst einmal einiges zu bedenken, sagt Schaffhauser. "Also ganz wichtig ist die Sicherheitslage, das darf man nicht aus dem Auge verlieren."

Wenn man über den Bau von Abwasserleitungen nachdenke, sei auch ein Blick auf die Bevölkerungsdichte wichtig. "Genauso müssen wir sehen, wie es um die finanziellen Mittel bestellt ist, die sich oft nach den Rohstoffen im Land richten." Wenn das Land Rohstoffe habe, dann stünden auch Gelder zur Verfügung. Alternativ sei zu klären, ob es von der Weltbank finanzierte Darlehen, also Unterstützung aus dem Ausland über Investitionen gebe.

Aktuell hat das badische Unternehmen Nigeria im Blick und liegt damit voll im Trend. Denn neben dem etablierten Markt in Südafrika rückt derzeit eine ganze Reihe von Staaten auf dem schwarzen Kontinent stärker ins Blickfeld deutscher Betriebe. 21 Prozent der außenwirtschaftlich engagierten deutschen Unternehmen machen inzwischen Geschäfte mit Afrika. Vor einem Jahr waren es noch 18 Prozent. Das geht aus einer aktuellen Umfrage des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) hervor.

Enormer Nachholbedarf

Exportiert würden aber weniger Waren, sondern vor allem Dienstleistungen, sagt Heiko Schwiderowski, der beim DIHK das Referat Afrika und Entwicklungspolitik leitet.

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Ghana - ein stabiler Handelspartner

"Das sind überwiegend Unternehmen, die im weitesten Sinne etwas mit Infrastruktur zu tun haben. Viele sind beratende Ingenieurbüros, dazu kommen Unternehmen aus dem Bildungsbereich, also beruflicher Bildungsexport, aus dem Gesundheitswesen und es gibt viele Formen von Technologietransfer."

Verglichen mit dem Rest der Welt steckt der deutsche Export nach Afrika noch in den Kinderschuhen. Waren für mehr als 1,1 Billionen Euro wurden 2012 ins Ausland geliefert, davon entfielen auf Afrika gerade einmal 21 Milliarden Euro, das sind zwei Prozent. Und von diesen zwei Prozent gingen 40 Prozent nach Südafrika. Doch das könnte sich ändern. Im Moment profitieren deutsche Firmen auch vom übermächtigen Engagement der Chinesen. Die bauen in Afrika Infrastruktur, um im Gegenzug Zugang zu begehrten Rohstoffen zu erhalten. Ihre afrikanischen Partner verlassen sich dabei aber nicht mehr nur auf die chinesischen Leistungen, sondern engagieren zunehmend deutsche Unternehmen als Bauleiter und Qualitätsmanager.

Heiko Schwiderowski spricht von "Dreiecksprojekten", die im Moment häufig in Angola zu beobachten seien. Wenn dort staatliche Aufträge für den Bau von Straßen und den Ausbau von Häfen vergeben würden, dann könnten deutsche Bauunternehmen preislich nicht mithalten. "Es gab aber zuletzt viel Kritik von angolanischer Seite an der bescheidenen Qualität dessen, was dort von den Chinesen gebaut wird", so Schwiderowski. "Es gibt inzwischen Straßen in Angola, wo die Bauabschnitte immer erst freigegeben wurden, wenn grünes Licht von einem deutschen Unternehmen erteilt wurde."

Frage nach Demokratie und Rechtssicherheit

Angola ist eines der Länder in Afrika mit der größten wirtschaftlichen Dynamik. Überdurchschnittliche Wachstumsraten weisen auch Kenia und Nigeria auf. Das allein reicht für deutsche Unternehmen aber nicht aus, um die Länder für sie attraktiv zu machen. Es komme auch sehr auf die politische Lage im Land an. "Ruanda beispielsweise ist ein Land, das sich im "Doing-Business-Report" der Weltbank eigentlich jedes Jahr auf den vorderen Plätzen zu finden ist", sagt DIHK-Experte Schwiderowski.

Natürlich sei der Markt dort relativ übersichtlich und klein, aber Ruanda sei ein Land, das ganz gezielt daran arbeite, die Rahmenbedingungen für Investoren zu verbessern. Ähnlich sei es in Tansania und Ghana. "Hier muss man jetzt schauen, wie sich die jüngsten Rohölfunde - das betrifft ja rund ein Dutzend afrikanischer Länder inzwischen - auf Transparenz und Regierungsführung auswirken."

Standort Afrika?

Wenn die Rahmenbedingungen stimmen würden, dann könnten sich deutsche Unternehmen sicherlich auch vorstellen, vor Ort zu produzieren. Das ist in größerem Umfang bis jetzt nur in Südafrika der Fall. Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag würde es sehr begrüßen, wenn das verarbeitende Gewerbe in afrikanischen Staaten Fuß fassen würde.

Volkswagen-Mitarbeiterin Mandisa Jacobs bringt im Volkswagen-Werk im südafrikanischen Uitenhage bei Port Elizabeth ein VW-Emblem auf der Heckklappe eines VW Polo an. VW beschäftigt an dem Standort etwa 5600 Mitarbeiter. Etwa 100.000 Fahrzeuge werden jährlich produziert, ca. 40.000 davon sind für den Export bestimmt (Foto: Friso Gentsch/Volkswagen)

Deutsches Auto, produziert in Afrika: Arbeiterin mit VW Polo im südafrikanischen Uitenhage

"Das wäre sehr in unserem Interesse, denn gerade für die deutschen Exporteure im Bereich maschinelle Ausrüstung oder von Fahrzeugen wäre es natürlich hochinteressant", sagt Schwiderowski. "Deshalb setzen wir uns auch dafür ein, dass Rohstoffe oder landwirtschaftliche Produkte nicht nur in ihrem Urzustand aus Afrika exportiert werden, sondern die Verarbeitung vor Ort stattfindet. Dafür wird Technologie gebraucht und die würden wir sehr gerne zur Verfügung stellen."

Technologie zur Verfügung stellen möchte auch die badische Firma Herrenknecht. Doch ob und wann Geschäfte in Nigeria zustande kommen könnten, das kann Ulrich Schaffhauser jetzt noch nicht sagen. In diesem Jahr werde es sicherlich noch nicht soweit sein. Dazu seien noch viel zu viele Fragen offen.

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