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Aktuell Welt

Mehr Geld, weniger Soldaten für Afghanistan

Die NATO-Planungen für die Ausbildung der Sicherheitskräfte in Afghanistan verzögern sich, auch wegen politischer Differenzen. Verwirrung herrscht über Äußerungen aus den USA über einen radikalen Abbau der Truppenstärke.

Bis Ende 2018 könnten die afghanischen Sicherheitskräfte mit einer Sollstärke von rund 350.000 Mann finanziell abgesichert werden. Dadurch würden die Kosten für die Allianz nach dem Truppenabzug 2014 jährlich um mehr als zwei Milliarden Dollar steigen, erläuterte ein ranghoher NATO-Vertreter in Brüssel. Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen bestätigte, dass über entsprechende Pläne diskutiert werde. Unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten sei es günstiger, die afghanischen Kräfte zu finanzieren, als eigene Soldaten im Land zu belassen, sagte er am Rande des NATO-Ministerratstreffens.

Zuletzt hatte die NATO im Mai zugestimmt, die Afghanen ab 2014 mit rund 4,1 Milliarden Dollar pro Jahr beim Unterhalt von 230.000 Einsatzkräften zu unterstützen. Derzeit greifen die NATO-Staaten der afghanischen Regierung bereits mit rund 6,5 Milliarden im Jahr unter die Arme, die USA stellen davon den Löwenanteil von 5,7 Milliarden Dollar.

US-Truppen in der Provinz Kandahar (foto:REUTERS)

Nato verunsichert: Rückzug der US-Soldaten bis zum letzten Mann?

Rasmussen wollte eigentlich bereits jetzt Klarheit über die künftige Ausbildungsmission am Hindukusch. Am Donnerstag blieb er nebulös bei Andeutungen über "abschließende Entscheidungen zu Größe und Umfang in den kommenden Monaten". Die Begegnung der 28 NATO-Verteidigungsminister mit ihren Kollegen aus den anderen 22 am Afghanistaneinsatz beteiligten Staaten an diesem Freitag wird also nicht über die Mission "Resolute Support" beschließen. Grund sind mehr oder weniger offene politische Differenzen und ungeklärte Fragen, wie Rasmussen und der deutsche Minister Thomas de Maiziere bestätigten.

Warten auf die Führungsmacht und das Pentagon

Als Hauptursache wird immer wieder die Ungewissheit über das künftige Engagement der USA genannt. Man müsse jetzt auf Klarheit aus dem Pentagon und von dem künftigen Verteidigungsminister in Washington warten, erklärten Diplomaten. In NATO-Kreisen hieß es, die USA hätten durch den Sondergesandten von Präsident Barack Obama, den Verbündeten in geheimer Runde mitteilen lassen, sie wollten ab 2015 "Tausende, nicht Zehntausende" Soldaten bereitstellen. Douglas Lute, der Obama-Beauftragte für Afghanistan und Pakistan, wird mit den Worten zitiert, dies sei auch eine Konsequenz aus den Erfahrungen mit dem Zerfall des Staats im Irak.

Oder gar keine Amerikaner?

Nur rund 5000 US-Soldaten sollten demnach für das gesamte Training der afghanischen Armee eingesetzt werden. Der Rest stehe nach dem Willen der US-Regierung nur für gezielte Schläge gegen Terrorzellen und den Schutz von US-Einrichtungen zur Verfügung.

Im Weißen Haus war sogar öffentlich mit einer so genannten "zero option" kokettiert worden. "Wir schließen keine Option aus", hatte der stellvertretende Nationale Sicherheitsberater Ben Rhodes noch am Dienstag gesagt und damit einen möglichen Komplettabzug angedeutet...

SC/wl (AP, dpa, rtre, afp)