Mehr Geld fürs Klima beim Pariser Gipfel | Wirtschaft | DW | 12.12.2017
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Klimawandel

Mehr Geld fürs Klima beim Pariser Gipfel

Nach dem COP23 in Bonn ging es beim One Planet Summit in Paris nun um die Finanzierung des Kampfs gegen den Klimawandel. Die Ankündigungen machen Mut. Doch Gastgeber Frankreich bleibt hinter den Erwartungen zurück.

Es ist ein symbolischer Ort. Das Kulturzentrum Seine Musicale im östlichen Teil von Paris hat die Form eines Schiffes. An einer Seite des Hauptgebäudes befindet sich ein segelförmiger Block aus Solarpaneelen. Das Schauspielhaus soll für den Weg in eine nachhaltige Zukunft stehen. Kein Zufall also, dass Frankreichs Präsident Emmanuel Macron diesen Ort zum Schauplatz eines erneuten Klimagipfels machte.

Auf den Tag genau zwei Jahre nach dem historischen Pariser COP21-Abkommen präsentierte sich Macron einmal mehr als treibende Kraft in der Sache. Zumindest auf internationaler Ebene, denn Frankreich selbst hinkt bei der Finanzierung seiner Klimaschutzmaßnahmen hinterher.

Macron präsentiert sich als Streiter für das Klima 

4000 Personen waren auf Einladung des Staatschefs in die französische Hauptstadt gereist. Rund 50 Staatschefs, aber auch Vertreter von Städten und Regionen, öffentlichen und privaten Finanzinstitutionen, großen Unternehmen, Investoren, NGOs und Stiftungen. Kaliforniens ehemaliger Gouverneur und Schauspieler Arnold Schwarzenegger sorgte für eine Prise Glamour.

Frankreich One Planet Summit - Arnold Schwarznegger auf Fahrrad (picture-alliance/AP/dpa/T. Camus)

Sorgte für den Glamour-Faktor in Paris: Kaliforniens Ex-Gouverneur und Hollywood-Schauspieler Arnold Schwarzenegger

In seiner Eröffnungsrede richtete Gastgeber Macron mahnende Worte an die Weltgemeinschaft. "Wir sind dabei, den Kampf gegen die Erderwärmung zu verlieren. Heute treten wir als neue Generation diesen Kampf an - und wir müssen uns beeilen", sagte Macron.

"Es geht um konkrete Strategien"

Auf Dringlichkeit hatten auch die Organisatoren im Vorfeld gepocht. So sei die Konferenz keineswegs überflüssig, selbst wenn sie nur wenige Wochen nach dem Bonner Gipfel COP23 stattfinde, sagt Laurence Tubiana, Klimabotschafterin der französischen Regierung. "Wir müssen die Dynamik aufrechterhalten und aktiv auf das Ziel des COP21-Abkommens hinarbeiten, die Erderwärmung auf höchstens zwei Grad zu begrenzen."

Während beim Bonner COP23-Gipfel globale Ziele abgesteckt wurden, sei das Ziel des Pariser One Planet Summit, Strategien zu entwickeln, um diese Ziele zu erreichen." Der Pariser Gipfel sei so der erste von mehreren über die kommenden Jahre, erklärt die Klimabotschafterin, die am Pariser Abkommen von 2015 maßgeblich mitarbeitete.

Bis jetzt nun wenig Geld für Entwicklungsnationen

Im Mittelpunkt des Treffens standen demgemäß die Finanzierungsfragen - von jeher ein Knackpunkt beim Kampf gegen den Klimawandel. So verpflichteten sich die Industrienationen schon 2009, jährlich 100 Milliarden Dollar an Entwicklungsländer zu zahlen. Diese sind oft stark von den Auswirkungen des Klimawandels betroffen, haben aber meist weder die Mittel, sich gegen diese zu schützen, noch dafür, den Aufbau alternativer Energien zu betreiben. Eine Wirtschaftsentwicklung auf Basis fossiler Energien aber würde durch den verstärkten Ausstoß von Treibhausgasen auf Kosten des Klimas gehen.

Bisher fließen laut einer Erhebung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) von 2014 lediglich rund 41 Milliarden Dollar jährlich von den reichen an die armen Länder.

Bangladesch Folgen des Klimawandels (DW/Mustafiz Mamun)

Dürre in Bangladesch: Besonders arme Länder sind stark von den Folgen des Klimawandels betroffen

Zwölf Engagements und private Initiativen

Öffentliche Gelder aufstocken und private Geldgeber zu mehr Investitionen zu bewegen - so das Ziel des Pariser Gipfels. Heraus kam eine Liste mit zwölf Maßnahmen, zu deren Umsetzung sich die Gipfelteilnehmer offiziell verpflichteten.

Darunter sind Finanzierungsprogramme für Schutzmaßnahmen in Gebieten, die dem Klimawandel besonders stark ausgeliefert sind, wie etwa Inselstaaten. Auch soll die Klimaforschung stärker gefördert werden. Städten will man mehr Geld für klimafreundliche Projekte geben und die Entkarbonisierung vorantreiben.

Divestment für Kohle, Öl und Gas

"Climate Action 100+", so lautet die Selbstverpflichtung mehrerer großer, institutioneller Investoren, bei ihren Investitionen auf den CO2-Ausstoß der Unternehmen zu achten, in die sie ihr Geld stecken.

Frankreichs führender Versicherer Axa gab bekannt, weiter von Investitionen in Kohle abzurücken und Versicherungen in Pipelines und Teersand-Unternehmen auszurangieren. Außerdem will das Unternehmen seine Investitionen in Erneuerbare Energien bis 2020 auf zwölf Milliarden Euro verdoppeln. Die Europäische Union will bis 2020 neun Milliarden Euro in Klimaprojekte in Afrika und der EU investieren. Und die Weltbank will ab 2019 keine Öl- und Gasbohrungen und -produktion mehr finanzieren.

"Ein echter Meilenstein"

All diese Ankündigungen machen den One Planet Summit für Barbara Buchner, Geschäftsführerin der US-Denkfabrik Climate Policy Initiative (CPI), zum echten Meilenstein. "Die Ergebnisse sind wirklich vielversprechend", sagt sie der Deutschen Welle. "Vor allem die Bekanntgabe der Weltbank wird immense Auswirkungen haben - schließlich ist die Institution oft richtungsweisend für die amerikanische, aber auch für die weltweite Wirtschaft."

CPI veröffentlicht regelmäßig den nach eigenen Angaben vollständigsten Überblick über die Finanzierung des Kampfs gegen die Erderwärmung. Demnach sind im Durchschnitt über die Jahre 2015 und 2016 weltweit 410 Milliarden Dollar investiert worden - von privaten und öffentlichen Investoren zusammen.

Wettlauf gegen die Zeit

Der Trend gehe klar nach oben, so Buchner, und weite sich auf immer mehr unterschiedliche Akteure aus: "Im vergangenen Jahr waren beispielsweise zum ersten Mal auch institutionelle Anleger wie Pensionsfonds und Geschäftsbanken mit Darlehen dabei - das ist wirklich sehr positiv!"

Deutschland Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen (picture alliance/dpa/AP Photo/M. Meissner)

Noch läuft diese Kohlekraftwerk in Gelsenkirchen, doch immer mehr Investoren wollen aus der Kohle aussteigen

Buchner hofft, dass der Pariser Gipfel diese Tendenz weiter befeuern wird - und zwar schnell. Weil noch viel mehr Geld vonnöten sei und es oft dauerte, bis Investitionen ihre Wirkung entfalteten. "Laut der Internationalen Energieagentur bräuchten wir allein für Projekte im Energiesektor rund eine Billion Dollar jährlich. Und da sind noch nicht einmal Projekte in anderen Bereichen wie etwa der Landwirtschaft mit inbegriffen."

Frankreich - der schlechteste Schüler der Klasse

Auch Armelle Le Comte, Klima-Spezialistin von Oxfam, ist beeindruckt - jedenfalls von den Ankündigungen der Weltbank und des Versicherers Axa. Weniger jedoch von den zwölf Verpflichtungen der Staaten selbst. "Die Regierungen haben nicht genug beigetragen, das ist eher mager", sagt sie.

Frankreich - One Planet Summit - Emmanuel Macron (Reuters/B. Tessier)

Gastgeber mit Nachholbedarf in Sachen Klimafinanzierung: Der französische Präsident Emmanuel Macron

Vor allem Frankreich habe Nachholbedarf. Le Comte bezeichnet das Land als den "schlechtesten Schüler in der Klasse". 2016 habe Paris lediglich 3,5 Milliarden Euro in den Kampf gegen den Klimawandel investiert. "Das deutsche Budget war mehr als doppelt so hoch", kritisiert sie. Zudem seien nur acht Prozent echte Subventionen gewesen, so Le Comte. "Das ist ein echtes Problem. Die ärmsten Länder sind dadurch praktisch von dieser Finanzierung ausgeschlossen - schließlich sind sie nicht kreditfähig." Zum Vergleich: In Deutschland stellen Subventionen rund 30 Prozent der Klimafinanzierung dar.

Reden ist Silber, Handeln wäre Gold

Auch in puncto Schutzmaßnahmen gegen die Folgen des Klimawandels sei Paris klarer Nachzügler. So stecke Frankreich mit 600 Millionen Euro pro Jahr verhältnismäßig wenig in Projekte für die Abschwächung von Klimaschäden.

Klimawandel Folgen Gletscherschmelze Flash-Galerie (Reinhard Kungel)

Deutlicher Rückgang: Gletscherschmelze in den Alpen

Zwar stockte Macron während des Gipfels das französische 2020-Ziel in dem Bereich auf - er will ab dann jährlich 1,5 Milliarden Euro anstelle der bisher geplanten 1,2 Milliarden Euro ausgeben. Doch das sei ein Tropfen auf den heißen Stein, so Le Comte. Sie fordert mindestens eine Verdoppelung des Budgets. "Macron schwingt bisher viele große Worte. Aber auf die Taten warten wir immer noch", sagt sie.

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